The Dinner

The Dinner

BIld: Tobis Film

The Dinner ist eine Adaption des Buchs Angerichtet von Herman Koch. Den Buchumschlag hatte ich schon öfter in meinen Lieblingsbuchladen gesehen. Er hatte mich aber nie angesprochen. Als ich dann gehört habe, dass der Roman auf die Kinoleinwand kommt, habe ich mir das Buch besorgt und gelesen. Danach war ich, um es milde zu sagen, verstört. (Meine Besprechung des Buchs findet ihr hier.) Je mehr ich mich aber mit dem Buch auseinandergesetzt habe, umso mehr habe ich mich gefragt, wie Regisseur Oren Moverman das Material umgesetzt hat. Potential hatte das Buch nämlich schon. Um es vorweg zu nehmen: Der Film hat mich nicht mehr überzeugt als das Buch.

Zwei Brüder treffen sich mit ihren Ehefrauen in einem Nobelrestaurant. Direkt am Anfang fängt meine Verwirrung schon an. Moverman hat das Geschehen von den Niederlanden in die USA verlegt. Außerdem hat er einen der Hauptcharaktere umbenannt. Serge heißt nun Stan – und dieser möchte nicht Ministerpräsident der Niederlande, sondern Gouverneur der Vereinigten Staaten werden. Dann ist da noch seine Frau Kate(lyn), die es in der Romanvorlage gar nicht gibt und irgendwie sah alles ganz anders aus, als ich es mir vorgestellt habe. Aber das ist bei Buchverfilmungen ja oft so.

Doch die Unstimmigkeiten betreffen nicht nur die Umsetzung. Der Film will zuviel. Er ist hektisch. Es kommt keine Ruhe auf, um dem Geschehen zu folgen. Alle Charaktere sind unsympathisch – nicht nur dem Zuschauer, sondern auch einander. Immer wieder werden die beiden Ehepaare auf der Suche nach Ruhe und Privatsphäre durch die verschiedenen Räume gescheucht. Zwischenzeitlich verlegt Moverman die Handlung ins Freie. Das hin und her gepaart mit Rückblenden, Monologen und Voice-over führen nicht dazu, dass irgend einer der Handlungsstränge schlüssig ist. So kommt auch nie wirklich Spannung auf, weil die Story zu vielschichtig, zu komplex ist. Das einzige, was klar wird, ist, dass die vier Erwachsenen sich zusammengefunden haben, um über die grausame Tat zu sprechen, die ihre Kinder verübt haben. Kommt es jemals zu einem klärenden Gespräch? Nein, nicht wirklich. Alle sind viel zu beschäftigt damit, aneinander vorbeizureden, sauer und hasserfüllt zu sein. Bei soviel durcheinander macht es überhaupt keinen Spaß mehr zuzuschauen.

Der Film ist vage an das Buch angelehnt, nimmt sich aber viele Freiheiten raus und verwirrt den aufmerksamen Leser dadurch. Diejenigen, welche die Romanvorlage nicht kennen, müssen sehr konzentriert sein, um alle relevanten Details mitzukommen und sich das Thriller-Puzzle selber zusammenzubasteln. Alles in allem ein anstrengender Film mit sehr guten Schauspielern, aber konfuser Umsetzung.

Ab 19. Oktober auf DVD, Blu-ray und VoD erhältlich.

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The Dinner

Angerichtet

Bild: Kiwi

“Wenn ich Glück definieren müsste, dann bestimmt so: Glück genügt sich selbst, es braucht keine Zeugen. “Alle glücklichen Familien gleichen einander, jede unglückliche Familie ist auf ihre eigene Weise unglücklich”, so lautet der erste Satz von Tolstois Anna Karenina. Ich könnte dem höchstens noch hinzufügen, dass die unglücklichen Familien – und bei diesen Familien insbesondere die unglücklichen Ehepaare – nie allein damit fertigwerden. Je mehr Zeugen, desto besser. Unglück ist immer auf der Suche nach Gesellschaft. Unglück erträgt keine Stille – vor allem nicht dieses unangenehme Schweigen, das aufkommt, wenn es alleine ist.”

  • Herman Koch – Angerichtet