Das Orchideenhaus

Das Orchideenhaus

Bild: Golmann Verlag

“Harry war seit Langem klar, dass die Gene seines Vaters sich bei hm nicht durchgesetzt hatten. Seine Persönlichkeit ähnelte sehr seiner sanftmütigen, künsterlisch begabten Mutter Adrienne weit mehr. Allerdings leider auch in seiner Neigung zu unvermittelten Depressionen, in denen sich die Welt schwarz färbte und Harry sich abmühte, einen Sinn im Leben zu erkennen.”

  • Lucinda Riley – Das Orchideenhaus
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Geh, wohin dein Herz dich trägt

Geh, wohin dein Herz dich trägt

Bild: Diogenes Verlag

“Waise? Sagt man das, wenn eine Großmutter stirbt? Ich bin mir nicht sicher. Vielleicht werden Großeltern als etwas so Nebensächliches betrachtet, dass man kein besonderes Wort braucht, um ihren Verlust zu bezeichnen. Nach ihrem Tod ist man weder Waise noch verwitwet. Man läßt sie wie selbstverständlich am Wegrand zurück, so wie man unterwegs zerstreut einen Regenschirm liegenlässt.”

  • Susanna Tamaro – Geh, wohin dein Herz dich trägt

Frauen

Leon und Luise

Bild: dtv

“Dass von animalischer Lüsternheit diesmal keine Rede sein konnte, trug Léon mit Fassung. Er war zu einem Mann von einiger Lebenserfahrung herangewachsen, und nach fünf Jahren Ehe war ihm bekannt, dass die Seele einer Frau auf geheimnisvolle Weise in Verbindung steht mit den Wanderungen der Gestirne, dem Wechselspiel der Gezeiten und den Zyklen ihres weiblichen Körpers, möglicherweise auch mit unterirdischen Vulkanströmen, den Flugbahnen der Zugvögel und dem Fahrplan der französischen Staatsbahnen, eventuell sogar mit den Förderquoten auf den Ölfeldern von Baku, den Herzfrequenzen der Kolibris am Amazonas und den Gesängen der Pottwale unter dem Packeis der Antarktis.”

  • Alex Capus – Léon und Luise

Bäume

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Bild: dtv

“Nachher, als ich ein wenig darüber nachdachte, habe ich diese plötzliche Freude, als Kakuro von den russischen Birken sprach, zum Teil verstanden. Ich spüre die gleiche Wirkung, wenn man von Bäumen spricht, von irgendwelchen Bäumen: von der Linde im Hof des Bauernhofs, der Eiche hinter der alten Scheune, den großen Ulmen, die heute verschwunden sind, den vom Wind gekrümmten Pinien die windigen Küsten entlang usw. Es liegt soviel Menschlichkeit in dieser Fähigkeit die Bäume zu lieben, soviel Sehnsucht nach unserem ersten Staunen, soviel Kraft, sich inmitten der Natur so unbedeutend zu fühlen…ja, das ist es: Der Gedanke an die Bäume, an ihre unbeteiligte Majestät und an die Liebe, die wir für sie empfinden, lehrt uns, wie lächerlich wir sind, häßliche Parasiten, die sich auf der Oberfläche der Erde tummeln, und macht uns gleichzeitig würdig zu leben, weil wir fähig sind, eine Schönheit zu erkennen, die uns nichts schuldig ist.”

  • Muriel Barbery – Die Eleganz des Igels

Die Eleganz des Igels

die-eleganz-des-igels

Bild: dtv

“Ich war aufrichtig. Ich hatte mich seit langem an die Aussicht gewöhnt, ein einsames Leben zu führen. Arm und hässliche und überdies intelligent zu sein, verdammt einen in unserer Gesellschaft zu düsteren Lebenswegen ohne Illusion, an die man sich besser frühzeitig gewöhnt. Der Schönheit verzeiht man alles, sogar die Vulgarität. Die Intelligenz scheint nicht mehr als gerechter Ausgleich, eine Entschädigung der Natur an die wenigen Begünstigten ihrer Kinder, sondern als überflüssiges Spielzeug, das den Wert des Kleinods erhöht. Die Häßlichkeit hingegen ist immer schon schuldig, und diesem tragischen Schicksal geweiht zu sein war für mich umso schmerzlicher, als ich nicht dumm war.”

Muriel Barbery – Die Eleganz des Igels

Hasenherz

hasenherz

Bild: rororo

“Es scheint ganz einfach: die ganze Nacht, das Morgengrauen, den Vormittag und den Mittag hindurch fahren, den Wagen parken, die Schuhe ausziehen und schlafen am Golf von Mexiko. Aufwachen unter Sternen, wunderbar angeordnet im Raum, in vollkommener Gesundheit. Aber erfährt ostwärts, in die schlimmste Richtung, Ungesundheit, Ruß und Gestank entgegen, in eine Grube hinein, wo man erstickt, wo man keine Bewegung machen kann, ohne jemanden umzubringen”

  • John Updike – Hasenherz

Tschick

Tschick

Bild: rororo

“Wo ist Tschick überhaupt? Auf der Autobahn hab ich ihn noch gesehen, wie er auf einem Bein ins Gebüsch gehüpft ist, aber ich schätze mal, sie haben ihn auch gekriegt. Mit einem Bein kommt man nicht weit. Fragen kann ich die Polizisten natürlich nicht. Weil, wenn sie ihn nicht gesehen haben, ist es logisch besser, gar nicht damit anzufangen. Vielleicht haben sie ihn ja nicht gesehen. Und von mir erfahren sie’s mit Sicherheit nicht. Da können sie mich foltern. Obwohl die deutsche Polizei, glaube ich, niemanden foltern darf. Das dürfen die nur im Fernsehen und in der Türkei.”

  • Wolfgang Herrndorf – Tschick