The Dinner

Angerichtet

Bild: Kiwi

“Wenn ich Glück definieren müsste, dann bestimmt so: Glück genügt sich selbst, es braucht keine Zeugen. “Alle glücklichen Familien gleichen einander, jede unglückliche Familie ist auf ihre eigene Weise unglücklich”, so lautet der erste Satz von Tolstois Anna Karenina. Ich könnte dem höchstens noch hinzufügen, dass die unglücklichen Familien – und bei diesen Familien insbesondere die unglücklichen Ehepaare – nie allein damit fertigwerden. Je mehr Zeugen, desto besser. Unglück ist immer auf der Suche nach Gesellschaft. Unglück erträgt keine Stille – vor allem nicht dieses unangenehme Schweigen, das aufkommt, wenn es alleine ist.”

  • Herman Koch – Angerichtet

Geh, wohin dein Herz dich trägt

Geh, wohin dein Herz dich trägt

Bild: Diogenes Verlag

“Waise? Sagt man das, wenn eine Großmutter stirbt? Ich bin mir nicht sicher. Vielleicht werden Großeltern als etwas so Nebensächliches betrachtet, dass man kein besonderes Wort braucht, um ihren Verlust zu bezeichnen. Nach ihrem Tod ist man weder Waise noch verwitwet. Man läßt sie wie selbstverständlich am Wegrand zurück, so wie man unterwegs zerstreut einen Regenschirm liegenlässt.”

  • Susanna Tamaro – Geh, wohin dein Herz dich trägt

Männer

Leon und Luise

Bild: dtv

“Unser Wagen sieht aus wie bei Micky Maus und die Lokomotive wurde wahrscheinlich von Pfadfindern gebaut, und überhaupt ist die Bahn eine Schmalspurbahn, und Schmalspurbahnen sind nun mal wie Männer mit kleinen Penissen: Es fällt mir schwer, sie richtig ernst zu nehmen. Man kann sich hundertmal selbst ermahnen, dass es auf Länge und Breite nicht ankommt und die wirklich wichtigen Qualitäten keine Frage des Metermaßes sind – es kommt eben doch drauf an, allein schon wegen des Aussehens. Gewisse Dinge sehen im Großformat einfach besser aus als in Miniatur, findest Du nicht?”

 

  • Alex Capus – Léon und Luise

Androgynous Bookworms

Ask the passengers

Bild: Little Brown and Company

“Why don’t you call your girlfriend?” Kristina yells. The music is really loud.

“Nah,” I say.

“Why not?”

“Just because,” I say. God. Life was a lot simpler a few hours ago when she thought I was just an asexual seasponge.

(…)

“Why? So you can gloat about how you guessed?”

“I don’t gloat.”

“Anyway, you’d have never known if I didn’t tell you in the first place. You’d think I was still an androgynous bookworm.”

“Hold on. You’re not an androgynous bookworm?” she asks, and pulls out her phone.

  • A.S. King – Ask the Passengers

My Life on the Road

My Life on the Road

Bild: btb

“Wer glaubt, wir würden in einer postfeministischen Welt Leben, wird erfahren, dass die Gewalt gegen Frauen – von der Ermordung weiblicher Säuglinge bis hin zu “Ehrenmord”, Kinderehen und Menschenhandel – das Geschlechterverhältnis auf dem Planeten zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit verschoben hat, zugunsten der Männer. Wenn dann die Männer im Publikum sagen, sie wollten nicht länger einem maskulinen Klischee entsprechen, das ihnen in vielen Fällen die Luft zum Atmen nimmt, und sich beispielsweise mehr in die Erziehung ihrer eigenen Söhne und Töchter einbringen, wird allen Anwesenden klar, dass sich Fortschritt nicht nur am Maßstab des Vergangenen messen lässt, sondern auch an dem, was sein könnte.”

  • Gloria Steinem – My Life on the Road

Prince Caspian

prince-caspian

Bild: HarperCollins Publishers

“Aslan said nothing.

“You mean,” said Lucy rather faintly, “that it would have turned out all right – somehow? But how? Please, Aslan! Am I not to know?”

“To know what would have happened, child?” said Aslan. “No. Nobody is ever told that.”

“Oh dear,” said Lucy.

“But anyone can find out what will happen.” said Aslan.”

  • C.S. Lewis – Prince Caspian (The Return to Narnia)

Bäume

die-eleganz-des-igels

Bild: dtv

“Nachher, als ich ein wenig darüber nachdachte, habe ich diese plötzliche Freude, als Kakuro von den russischen Birken sprach, zum Teil verstanden. Ich spüre die gleiche Wirkung, wenn man von Bäumen spricht, von irgendwelchen Bäumen: von der Linde im Hof des Bauernhofs, der Eiche hinter der alten Scheune, den großen Ulmen, die heute verschwunden sind, den vom Wind gekrümmten Pinien die windigen Küsten entlang usw. Es liegt soviel Menschlichkeit in dieser Fähigkeit die Bäume zu lieben, soviel Sehnsucht nach unserem ersten Staunen, soviel Kraft, sich inmitten der Natur so unbedeutend zu fühlen…ja, das ist es: Der Gedanke an die Bäume, an ihre unbeteiligte Majestät und an die Liebe, die wir für sie empfinden, lehrt uns, wie lächerlich wir sind, häßliche Parasiten, die sich auf der Oberfläche der Erde tummeln, und macht uns gleichzeitig würdig zu leben, weil wir fähig sind, eine Schönheit zu erkennen, die uns nichts schuldig ist.”

  • Muriel Barbery – Die Eleganz des Igels