Der Stechlin (2)

Der Stechlin

Bild: atb

“Es gibt nichts, was uns so Demut predigte wie die Wahrnehmung von Entbehrlichkeit des einzelnen. Aber darauf kommt es nicht an. Worauf es ankommt, das ist Erfüllung unserer Pflicht.”

  • Theodor Fontane – Der Stechlin
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Der Stechlin

Der Stechlin

Bild: atb

“Er hörte gerne eine freie Meinung, je drastischer und extremer, desto besser. Daß sich diese Meinung mit der seinigen deckte, lag ihm fern zu wünschen. Beinah das Gegenteil. Paradoxen waren seine Passion. “Ich bin nicht klug genug, selber welche zu machen, aber ich freue mich, wenn’s andre tun; es ist doch immer was drin. Unanfechtbare Wahrheiten gibt es überhaupt nicht, und wenn es welche gibt, so sind sie langweilig.” Er ließ sich gern was vorplaudern und plauderte selber gern.”

  • Theodor Fontane – Der Stechlin

Wie durch ein dunkles Glas

Wie durch ein dunkles Glas

Bild: Diogenes Verlag

Als ich die Sätze, besonders den zweiten gelesen habe, hat es mich sehr daran erinnert, wie schön und angenehm es war, letzte Woche endlich mal wieder Sonnenstrahlen auf der Haus zu fühlen.

“Auf der Uferpromenade wandte er sich nach links in Richtung Sant’Elena. Bald spürte er, wie die Sonne ihm die Wintersteife aus den Gliedern schmelzen ließ und sein Gang beschwingter wurde.”

Donna Leon – Wie durch ein dunkles Glas (Commissarion Brunettis fünfzehnter Fall)

Middlesex (2)

Middlesex

Bild: Picador USA

“Outside, the Muslim Girls Training and General Civilization Class installed silkworm trays. They worked in silence, daydreaming of their various things. Ruby James was thinking about how handsome John 2X had looked that morning, and wondered if they would get married someday. Darlene Wood was beginning to get miffed because all the brothers had gotten rid of their slavenames but Minister Fard hadn’t gotten around to the girls yet, so here she was, still Darlene Wood. Lily Hail was thinking almost entirely about the spit curl hairdo she had hidden up under her headscarf and how tonight she was going to stick her head out her bedroom window, pretending to check the weather, so that Lubbock T. Hass next door could see. Betty Smith was thinking, Praise Allah Praise Allah Praise Allah. Millie Little wanted gum.”

  • Jeffrey Eugenides – Middlesex

Middlesex

Middlesex

Bild: Picador USA

“You used to be able to tell a person’s nationality by the face. Immigration ended that. Next you discerned nationality via the footwear. Globalization ended that. Those Finnish seal puppies, those German flounders – you don’t see them much anymore. Only Nikes, on Basque, on Dutch, on Siberian feet.”

  • Jeffrey Eugenides – Middlesex

Istanbul

Istanbul

Bild: S. Fischer Verlage

“Wann immer ich von der Schönheit und Poesie Istanbuls, des Bosporus, den dunklen Straßen schwärme, warnt mich eine innere Stimme davor, es den Autoren vor mir gleichzutun und den Glanz der Stadt zu überzeichnen, um mir damit über die Unzulänglichkeiten meines eigenen Lebens hinwegzuhelfen. Kommt die Stadt uns schön und verzaubert vor, so sollte doch auch unser Leben so sein. Wenn diese Autoren sich am Reiz der Stadt berauschen, ergötze ich mich zwar an ihren Geschichten und ihrer blumigen Sprache, doch kommt mir unwillkürlich in den Sinn, daß diese Leute eben nicht mehr in den von ihnen beschriebenen Gegenden lebten, sondern der Bequemlichkeit des modernen Istanbul den Vorzug gaben.”

  • Orhan Pamuk in Istanbul – Erinnerungen an eine Stadt

Trotzki

Meine Schwester Frida

Bild: Fischer Verlag

“Es war keineswegs ungefährlich, Trotzki Unterschlupf zu gewähren, aber das war ein zusätzlicher Anreiz für Diego. Diego liebte Aufregungen! Er liebte das Risiko! Mein armer Vater war völlig verwirrt und wusste nicht einmal, wer Trotzki überhaupt war: “Ich hoffe, dieser arme Mann hat nichts mit Politik zu tun! Heutzutage ist es gefährlich, sich in die Politik zu mischen!”, sagte er in einem fort.

Was soll ich Ihnen von León Trotzki berichten? Er hatte unglaublich blaue Augen – Augen wie weite, unergründliche Seen oder wie Felder voller Hyazinthen. Man konnte sich in diesen Augen verlieren, in ihrem Blau untergehen. Sie schluckten einen regelrecht und ließen alles andere vergessen. Er trug eine Brille mit einem Gestell aus Schildpatt, wie ein Ufer oder ein Wiesenrad, an dem alles braun und golden wird. Diese Brille, also, manche können ja keine Brille tragen, aber Leóns Brille zog die Blicke an und verlockte einen, in diese geheimnisvollen Augen zu sehen. Trotzki strahlte eine ungeheure Intensität aus. Wenn er ging, marschierte er wie ein Soldat im Gleichschritt mit vorgestrecktem Kinn. Kopf hoch, Kinn vor. Manchmal, wenn man gar nicht damit rechnete, dass er einen gesehen hatte, drehte er sich plötzlich um und winkte, sodass sein weißer Kinnbart und die Schnurrbartspitzen zitterten. Er war in jeder Hinsicht fanatisch.”

  • Aus Meine Schwester Frida von Bárbara Mujica