Diebe im Olymp

Percy Jackson

Bild: Carlsen

“Das macht mich traurig, Percy.”

“Was denn? Die Tatsache, dass du dich für diesen blödsinnigen Auftrag gemeldet hast?”

“Nein. Das hier macht mich traurig.” Er zeigte auf den vielen Müll auf dem Boden. “Und der Himmel. Du kannst ja nicht mal die Sterne sehen. Sie haben sogar den Himmel verschmutzt. Es ist schrecklich, heutzutage ein Satyr zu sein.”

“Klar. Hätt’ ich mir ja denken können, dass du ein Umweltschützer bist.”

Er starrte mich wütend an. “Nur ein Mensch schafft es, keiner zu sein. Deine Gattung müllt die Welt dermaßen schnell zu, dass … ach, egal. Es hat doch keinen Sinn, einem Menschen Vernunft predigen zu wollen. Aber wenn das so weitergeht, werde ich Pan niemals finden.”

(…)

Ein seltsamer Wind ließ die Bäume rascheln und vertrieb für einen Moment den Gestank von Müll und Schlamm. Dieser Wind brachte den Duft von Beeren und Wiesenblumen und sauberem Regenwasser, Dingen, die es vielleicht früher einmal in diesem Wald gegeben hatte. Plötzlich hatte ich Heimweh nach etwas, das ich nie gekannt hatte.”

  • Rick Riordan – Percy Jackson – Diebe im Olymp
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Brooklyn

Brooklyn

Bild: dtv

“She was nobody here. It was not just that she had no friends and family; it was rather that she was a ghost in this room, in the streets on the way to work, on the shop floor. Nothing meant anything. The rooms in the house on Friary Street belonged to her, she thought; when she moved in them she was really there. In the town, if she walked to the shop or to the Vocational School, the air, the light, the ground, it was all solid and part of her, even if she met no one familiar. Nothing here was part of her. It was false, empty, she thought. She closed her eyes and tried to think, as she had done so many times in her life, of something she was looking forward to, but there was nothing. Not the slightest thing. Not even Sunday. Nothing maybe except sleep. In any case, she could not sleep yet, since it was not yet nine o’clock. There was nothing she could do. It was as though she had been locked away.

  • Colm Tóibín – Brooklyn

 

Eine Besprechung des Films findet ihr hier.

Die Kathedrale des Meeres

Die Kathedrale des Meeres

Bild: Fischer Verlag

“Etwas wird sich nie ändern, Arnau: Wer Geld hat, will mehr Geld. Er hat kein Geld zu verschenken und wird nie Geld zu verschenken haben. Wenn es eure Bischöfe nicht tun, weshalb dann die Gläubigen? Ob Darlehen oder Warengeschäft oder wie auch immerman das Ganze nennen mag – die Leute habe nichts zu verschenken, und doch sind wir (die Juden) die einzigen Wucherer.”

  • Ildefonso Falcones – Die Kathedrale des Meeres

Tulpenfieber

Tulpenfieber

Bild: Insel Taschenbuch

“Es ist März, der Frühling ist gekommen. Maria und ich gehen unter einer Kastanie entlang. Die klebrigen Knospen sind aufgesprungen, die zusammengepressten Blätter quellen hervor. Das zarte Grün versetzt mir einen Stich ins Herz. Als wir uns dem Marktplatz nähern, hören wir Gemurmel. Erst schwach, wie vom Meer, aber je näher wir kommen, desto lauter wird es, wächst zum Tosen – die Marktleute preisen ihre Waren an, Karren rumpeln vorüber. Meine Stimmung hebt sich.”

  • Deborah Moggach – Tulpenfieber

The Dinner

Angerichtet

Bild: Kiwi

“Wenn ich Glück definieren müsste, dann bestimmt so: Glück genügt sich selbst, es braucht keine Zeugen. “Alle glücklichen Familien gleichen einander, jede unglückliche Familie ist auf ihre eigene Weise unglücklich”, so lautet der erste Satz von Tolstois Anna Karenina. Ich könnte dem höchstens noch hinzufügen, dass die unglücklichen Familien – und bei diesen Familien insbesondere die unglücklichen Ehepaare – nie allein damit fertigwerden. Je mehr Zeugen, desto besser. Unglück ist immer auf der Suche nach Gesellschaft. Unglück erträgt keine Stille – vor allem nicht dieses unangenehme Schweigen, das aufkommt, wenn es alleine ist.”

  • Herman Koch – Angerichtet

Geh, wohin dein Herz dich trägt

Geh, wohin dein Herz dich trägt

Bild: Diogenes Verlag

“Waise? Sagt man das, wenn eine Großmutter stirbt? Ich bin mir nicht sicher. Vielleicht werden Großeltern als etwas so Nebensächliches betrachtet, dass man kein besonderes Wort braucht, um ihren Verlust zu bezeichnen. Nach ihrem Tod ist man weder Waise noch verwitwet. Man läßt sie wie selbstverständlich am Wegrand zurück, so wie man unterwegs zerstreut einen Regenschirm liegenlässt.”

  • Susanna Tamaro – Geh, wohin dein Herz dich trägt

Männer

Leon und Luise

Bild: dtv

“Unser Wagen sieht aus wie bei Micky Maus und die Lokomotive wurde wahrscheinlich von Pfadfindern gebaut, und überhaupt ist die Bahn eine Schmalspurbahn, und Schmalspurbahnen sind nun mal wie Männer mit kleinen Penissen: Es fällt mir schwer, sie richtig ernst zu nehmen. Man kann sich hundertmal selbst ermahnen, dass es auf Länge und Breite nicht ankommt und die wirklich wichtigen Qualitäten keine Frage des Metermaßes sind – es kommt eben doch drauf an, allein schon wegen des Aussehens. Gewisse Dinge sehen im Großformat einfach besser aus als in Miniatur, findest Du nicht?”

 

  • Alex Capus – Léon und Luise