Freeheld

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Freeheld beruht auf einer wahren Geschichte, die sich vor ungefähr zehn Jahren zugetragen hat. Nach dem bekannten Prinzip “Dont’t ask, don’t tell”, hält die Polizistin Laurel Hester ihr Liebesleben unter Verschluss und erzählt noch nicht einmal ihrem Partner Dane, dass sie auf Frauen steht und mit ihrer großen Liebe Stacie verpartnert ist. Dieser erfährt von Stacies Existenz erst, als er zum Haus, das die beiden gekauft und renoviert haben, kommt, um Laurel ein Präsent zum Einzug zu überreichen. Kurz nachdem die beiden Frauen zusammengezogen sind, wird bei Laurel Lungenkrebs festgestellt. Damit Stacie abgesichert ist und das Haus halten kann, möchte Laurel, dass Stacie eine Witwenrente bekommt – etwas, was bei heterosexuellen Ehepartnern ungefragt passiert -, doch die Behörden stellen sich quer und lehnen den Antrag ab. Ein langer Kampf auf dem Weg zu Gerechtigkeit beginnt. Ein Kampf, dessen Ende ein großer Schritt in Richtung Gleichstellung bedeutete.

Der Film ist gut. Er erzählt die Geschichte eines wichtigen Meilensteins auf dem Weg zur Gleichberechtigung von homosexuellen Paaren. Doch werden in Freeheld – Jede Liebe ist gleich sehr viele Informationen zusammengepackt, sodass der Kampf für mich leichter ausgesehen hat, als er wahrscheinlich wirklich war. Andererseits war das Ende des Films von Anfang an klar, vielleicht sind deswegen ein paar Situationen ausgespart worden.

Julianne Moore als krebskranke Polizistin Laurel Hester ist wunderbar, aber tatsächlich hat mich Ellen Page als die eher wortkarge, liebevolle, zynische, zurückhaltende Automechanikerin Stacie Andree noch mehr beeindruckt. Ich finde es toll, wenn es jemand hinbekommt, nur mit Blicken und Mimik zu kommunizieren. Das schafft Ellen Page in diesem Film ausgezeichnet. Als Laurel Stacie als ihre Mitbewohnerin vorstellt, sagt Stacie nur: “Yeah, her roommate who sleeps in the same bed.”Boom, mehr Worte braucht es nicht. Michael Shannon verkörpert Dane Wells, Laurels Partner, genauso, wie ich mir einen Verbündeten im Kampf gegen vermeintliche Windmühlen wünsche. Er springt über seinen Schatten und sieht die Person und nicht die sexuelle Orientierung. Als Letzten muss ich wohl noch Steve Carell als den aufgedrehten schwulen, jüdischen Aktivisten Steven Goldstein erwähnen, der sich als treibende Kraft in Laurels Streben erweist. Für meinen Geschmack manchmal an wenig zu übertrieben, aber durchaus realistisch.

Storyline topp, Cast einwandfrei, Relevanz (mehr als) gegeben: Peter Sollett ist es mit Freeheld gelungen, einen Film auf die Leinwand zu zaubern, der für jeden sehenswert ist, der an Gleichberechtigung für alle, egal welche sexuelle Orientierung sie haben, glaubt. Ich hätte mir noch ein wenig mehr Szenen gewünscht, in denen Laurels innerer Konflikt zwischen Kämpfen und Aufgeben gezeigt wird, aber das ist Jammern auf hohem Niveau und so wie er ist, drückt er nicht ganz so schlimm auf die Tränendrüse.

Außerdem lohnt es sich am Ende noch ein wenig sitzen zu bleiben, denn Linda Perry hat mit Hands of Love gesungen von Miley Cyrus einen wunderbaren Titelsong geschaffen, der es locker in jeden ESC schafft:

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Still Alice

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Dr. Alice Howland ist Professorin für Sprachwissenschaften an der Columbia University in New York. Zwischen ihrem Job und ihrer Familie hat sie ein erfülltes Leben, das sie in vollen Zügen genießt. Doch bei einem Gastvortrag in Los Angeles fällt ihr auf einmal ein Wort ihres vertrauten Fachvokabulars nicht mehr ein. Wenig später geht sie wie so oft Joggen und findet sich auf einmal in ihrer gewohnten Umgebung nicht mehr zurecht. Sie ist besorgt und lässt sich untersuchen. Dabei kommt heraus, dass Alice eine besondere Form von Alzheimer hat, die das Gehirn schon früh beeinträchtigt und schnell voranschreitet.Außerdem ist sie vererbbar. So begleiten die Zuschauer in Still Alice eine kluge und intelligente Mutter und engagierte, berufstätige Ehefrau dabei, mit der Diagnose Alzheimer fertig zu werden und den Alltag mit der Krankheit zu meistern.

Still Alice – mein Leben ohne Gestern berührt tief. Eine Frau, die Mitten im Leben steht, eine gute Ehe auf Augenhöhe führt, einen Ehemann, der sie liebt und hinter ihr steht hat, drei wunderbare Kinder groß gezogen hat und in ihrem Job voll aufgeht und Bestätigung findet, wird aus dem Leben gerissen. Dabei drückt der Film nicht gewollt auf die Tränendrüse, sondern portätiert eine starke Frau, die damit kämpft, sich mit ihrer Erkrankung zu arrangieren, sich mit ihr vertraut zu machen, um sich somit von ihr nicht unterkriegen zu lassen – ein würdiges Leben mit einer unwürdigen Krankheit. So versucht sie jeden Tag aufs neue ihr Leben zu genießen und daran zu arbeiten, den Menschen, der sie ist, nicht zu verlieren. Der Film berührt auch durch seine Ehrlichkeit. Es wird nichts beschönigt, aber auch nichts schlechter gemacht, als es ist. So sagt Alice ganz offen, dass es gute und schlechte Tage gibt und das spiegelt der Film wider. Die großartigen schauspielerischen Leistungen aller Mitwirkenden tragen den Film und machen ihn zu dem einfühlsamen und liebevoll inszenierten Drama, das er ist. Allen voran Julianne Moore, die für die Rolle als Dr. Alice Howland den diesjährigen Academy-Award als beste Hauptdarstellerin gewonnen hat. Durch den innigen Umgang mit ihrer Rolle, kommen Angst, Unsicherheit, Verzweiflung und Wut genauso zum Tragen wie ihr Mut, ihre Freude und ihre Hoffnung, dass dieser Tag ein guter Tag sein kann. Aber auch Alec Baldwin als ihr Ehemann Dr. John Howland überzeugt als karrieregetriebener, nicht immer sympathischer Pragmatiker. Überrascht hat mich Kristen Stewart als eigenwillige Tochter Lydia, die Jüngste der drei Geschwister, die nach Los Angeles gezogen ist, um dort einer Karriere als Schauspielerin nachzugehen. Stewart beweist als feinfühlende Lydia ein Gespür für ihren Charakter und füllt mit kleinen Nuancen in ihrem Spiel ihre Rolle voll aus.

Still Alice ist ein ehrlicher, berührender Film mit guten Schauspielern, der einen daran erinnert, aus jedem Tag das Beste zu machen.