Mord im Orient Express

Mord im Orient Express

Bild: Fox Deutschland

“Mord im Orient-Express” basiert auf dem gleichnamigen Buch der britischen Schriftstellerin Agatha Christie. Das allein schürte meine hohen Erwartungen an den Film. Aber nicht nur die Vorlage der berühmten Krimiautorin, sondern auch die vorzügliche Besetzung haben diesen fast schon Druck erhöht. Keine guten Voraussetzungen, um einen objektiven Filmgenuss zu erleben. Aber die Chancen standen gut, dass der Film den Erwartungen standhält. Hat es also geklappt?

Erstmal: Worum geht es in dem Film überhaupt? Wie der Titel schon sagt, geht es um einen Mord, der an Bord des berühmten Orient-Express geschieht. Ein Unbekannter bringt Edward Ratchett (Johnny Depp) in einer Nacht und Nebel Aktion um. Kenneth Branah alias Meisterdetektiv Hercule Poirot, ein elitärer, exzentrischer Belgier, muss den Fall aufklären. Da sich der Mord auf der Reise mit dem Zug von Istanbul nach London ereignet, ist die Zahl der potentiellen Täter überschaubar. Poirot muss nur seinen Scharfsinn einschalten, um diesen vermeintlich einfachen Fall zu knacken.

Die hochkarätige Besetzung erstreckt sich von Judi Dench über Willem Dafoe zu Daisy Ridley, Penélope Cruz und nicht zuletzt Michelle Pfeiffer. Allen voran ist es aber Kenneth Branagh selber, der einen pointierten, listigen Detektiv spielt und somit das Drama (oder ist es ein Krimi? Ein Thriller?) anschaubar macht. Was die Schauspielkunst angeht, ist der Film meisterhaft. Jeder kennt seinen Charakter, hat sich mit ihm auseinandergesetzt, sich mit der Rolle identifiziert und verkörpert seine Figur mit Hingabe. Niemand, der nicht glaubhaft ist. Neben Kenneth Branagh ist es Daisy Ridley, die mir als Gouvernante Mary Debenham besonders gut gefallen hat. Ein persönliches Manko ist, dass ich den Film auf Deutsch gesehen habe. Ich kann mir vorstellen, dass er im Original noch authentischer ist.

Ein weiterer Pluspunkt ist die Szenerie. Direkt am Anfang sind einige herrliche Aufnahmen von Istanbul zu sehen. Da ist zurücklehnen und genießen angesagt. Die visuellen Vorzüge während der Fahrt reißen nicht ab. Selbst wenn Zug und Landschaft computergeneriert sind, macht es doch Lust auf eine Reise – auch im legendären Express. Hinzu kommen schöne Kostüme und eindrucksvolle Frisuren. Die Optik stimmt, schmeichelt dem Auge.

Die Handlung steigt schnell ins Geschehen ein. Nach dem Attentat versucht Poirot den Schuldigen zu finden. Zusammen mit ihm geht das Publikum auf die Suche nach dem Täter. Wie so oft versucht der Zuschauer, sofern er das Ende nicht schon kennt, seine eigenen Schlüsse zu ziehen. Die Ereignisse laufen in einem angemessenen Tempo. Doch dann kommt das letzte Gericht, dass eher aussieht wie das letzte Abendmahl. Ab da geht es leider bergab. Agatha Christie schafft es irgendwie immer, in ihren Büchern eine Lebensweisheit unterzubringen. Was im Buch gut funktioniert, ist in dieser filmischen Umsetzung furchtbar pathetisch und aufgesetzt. Ein moralischer Zeigefinger, der zuviel möchte. Die Aufklärung des Falls und Poirots Konsequenzen daraus, machen es nicht leicht, mit einem positiven Gefühl aus dem Kino zu gehen. Das Gefühl, dass Poirot einen gerade belehrt hat, ist unschön. Dabei hatte alles so vielversprechend angefangen. Zu schnell ist der Wandel zwischen den Ermittlungen und der Auflösung des Falls vollzogen. Am Ende wirkt einfach alles zu gewollt und gehetzt, was sehr schade ist, weil diese Verfilmung mehr Potenzial hat.

Was ich mich am Ende frage, ist, ob ich einfach zu hohe Erwartungen an diese Verfilmung von “Mord im Orient-Express” hatte? Bis auf den Schluss finde ich ihn nämlich gut: Die Schauspieler sind klasse und die Landschaftsaufnahmen eine wunderbare Untermalung. Leider passt für mich nunmal die Umsetzung des Endes nicht zum Rest. Doch – alas – in der letzten Szene wird schon die Brücke zu “Tod auf dem Nil” gebaut.

Ab 09. November im Kino.

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Into the Woods

Trailer

Mit Into the Woods hat Disney ein Musical verfilmt, das auf verschiedenen bekannten Kindermärchen basiert. Ein Bäcker und seine Frau werden von der Hexe, ihrer Nachbarin, in den Wald geschickt, um vier Dinge zu besorgen. Sie benötigen eine Kuh, so weiß wie Milch, einen roten Umhang, einen goldenen Schuh und Haare, so gelb wie Mais, damit die Hexe den Fluch, der auf ihrem Haus lastet aufheben kann und die Frau des Bäckers endlich schwanger wird. So ziehen also der Bäcker und seine Frau in den Wald, um das Geforderte zu besorgen. Gleichzeitig macht sich Rotkäppchen auf den Weg in den Wald, um ihre Großmutter zu besuchen und Jack treibt seine Kuh Milkywhite durch den Wald zum nächsten Dorf. In der ersten Nacht macht sich Aschenputtel in ihren goldenen Schuhen auf den Weg zum Ball des Prinzen und flieht um Mitternacht in den Wald, um dem Prinzen zu entkommen. In einem Turm mitten im Wald hält die Hexe Rapunzel mit ihren langen gelben Haaren gefangen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich alle begegnen. Im magischen Wald vermischen sich die Märchen miteinander und es entsteht eine völlig neue Geschichte. Allerdings stehen sie am Ende alle einem gemeinsamen Feind gegenüber.

Fangen wir mit dem schönsten an: Endlich deckt mal jemand die Wahrheit über diese Disney-Prinzen auf. So sagt Prinz Charming auf die Frage, warum er Aschenputtel betrogen hat: “I was raised to be charming, not sincere!” Wie wahr, wie wahr. Treffender hätte man es nicht sagen können. Prinz Charming ist also kein Traumprinz. Ein Mythos abgehakt. Auch sonst sind die beiden Prinzen in Into the Woods mein persönliches Highlight, weil sie einfach so wunderbar hohl und eingebildet dargestellt werden, dass es amüsanter nicht sein könnte. Ansonsten haben mir alle Charaktere im Film gut gefallen, wobei mir Emily Blunt als Frau des Bäckers am meisten überzeugt. Gefreut habe ich mich, als ich Jacks Stimme wiedererkannt habe, da Daniel Huttlestone schon bei Les Miserables mitgespielt hat und er dort schon eine gute Leistung erbracht hat, sowohl stimmlich, als auch schauspielerisch. Die Szenerie des Waldes habe ich als sehr angenehm empfunden. Sie passt tatsächlich mehr zu einer Kulisse, als zu einem Filmset, aber das ist sehr stimmig. Into the Woods ist kurzweilig und nette Unterhaltung für die ganze Familie. Eben typisch Disney. Am Ende bleibt die Erkenntis: “Be careful what you wish for!”

Mortdecai

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Lord Charlie Mortdecai ist ein nicht ganz ehrlicher Kunsthändler. Außerdem steckt er gerade in Schwierigkeiten, weil er seine Steuerschulden nicht bezahlen kann. Da kommt es ihm sehr gelegen, dass Inspektor Alistair Martland bei ihm auftaucht und ihn bittet, ihm bei der Aufklärung eines Mordfalls zu helfen. Eine Restaurateurin ist ums Leben gekommen, während sie ein wertvolles Goya-Gemälde bearbeitete. Zu allem Überfluss hat der Mörder das Bild gleich mitgehen lassen. Um den Mord aufzuklären, aber hauptsächlich, um das Gemälde wieder zu beschaffen, wendet sich Martland an Mortdecai. Dieser macht sich sofort an die Arbeit, wittert er doch einen beträchtliche Summe, die ihm bei der Schuldentilgung helfen kann. Sein getreuer Diener (im englischen Original liebevoll Man-Servant genannt) Jock ist dabei immer an seiner Seite. So machen sich die beiden auf die Suche nach dem Bild. Immer dicht auf ihren Fersen ist ein mutmaßliche Terrorist Emil Strago, der das Bild zu Geld machen will, um dafür unlautere Zwecke zu unterstützen. Aber Mortdecai und Strago sind nicht die einzigen, die es auf das Bild abgesehen haben. Eine rasante Jagd beginnt.

Mortdecai – Der Teilzeitgauner ist ein absurd witziger Film. Die Story ist simpel, nichts anspruchsvolles. Der Film will unterhalten und das schafft er. Besonders Johnny Depp als Charlie Mortdecai ist wunderbar mit seinen Gesten und seiner umwerfend vielseitigen Mimik. Streckenweise hatte Lord Mortdecai etwas von Captain Jack Sparrow. Auch das Zusammenspiel mit seinem Diener Jock ist herrlich. Die beiden sind das perfekte Paar. Auch wunderbar ist die Beziehung zwischen Johanna Mortdecai (Gwyneth Paltrow) und Charlie. Gwyneth Paltrow hat offen zugegeben, dass es ihr bei vielen Szenen sehr schwer gefallen ist, nicht laut los zu lachen. An wenigen Stellen merkt man das tatsächlich, aber das stört überhaupt nicht. Im Gegenteil: Es macht den Film noch unterhaltsamer, dass die Schauspieler sich selber und den Film auch nicht zu hundert Prozent Ernst nehmen. Das einzige, was mir nicht gefallen hat, war eine kurze Episode, wo Erbrochenes eine Rolle spielt – ich bin dabei aber auch sehr eigen und es war bei weitem nicht so schlimm wie in anderen Filmen. Es ist kein tiefgründiger Film, der eine intensive Aussage hat. Aber es ist ein äußerst unterhaltsamer Film ohne platten Humor mit viel Situationskomik. Er wird nicht langweilig und ist somit die perfekt Abendunterhaltung, wenn man sich einfach mal köstlichen amüsieren möchte.