Stuck

Octavia Spencer

Concorde Filmverleih GmbH / Jake Giles Netter

“I am not interested in prisoners. You are free to walk out that door right now.”

 

  • Octavia Spencer als Papa (Gott) in Die Hütte – Ein Wochenende mit Gott
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DVD: Tulpenfieber

Tulpenfieber Poster

Bilder: Prokino Filmverleih

Mit “Tulpenfieber” habe ich mir seit langem mal wieder einen Liebesfilm angeschaut. Neugierig gemacht, hat mich der Film, weil er im Goldenen Zeitalter der Niederlande in Amsterdam spielt und unter anderem die Machenschaften an der Börse und die Spekulationen um kostspielige Tulpenzwiebeln einen Teil der Handlung ausmachen. Gespannt habe ich vorher das gleichnamige Buch gelesen und war ich voller Erwartung für die Adaption.

 

Sophia ist mit dem reichen Kaufmann Cornelis Sandvoort verheiratet. Er ist erheblich älter als sie, dennoch bewundert und liebt er sie. Jeden Abend schläft er mit ihr, damit sie ihm endlich den lang ersehnten Erben schenken kann. Aber bisher konnte er sie noch nicht schwängern. Doch das ist vermeintlich das einzige, was ihr Glück trübt. Um die eheliche Harmonie festzuhalten, bittet Cornelis den Maler Jan van Loos, ein Bild des Paares anzufertigen. Hals über Kopf verlieben sich der Künstler und Sophia ineinander. Sie möchten zusammen sein, Sophia bringt es aber nicht übers Herz, ihren Mann zu verlassen. Ihr Glaube und die Gesellschaft erlauben ihr das nicht. Da passt es gut, dass Sophias Magd Maria von ihrem Verlobten Willem, der nicht mehr aufzufinden ist, ein Kind erwartet. Um Marias Ehre zu bewahren und Sophias Wunsch zu erfüllen, schmieden die beiden einen heiklen Plan.

Im Laufe des Films habe ich mich gefragt, ob ich die Story überhaupt verstehen würde, wenn ich das Buch vorher nicht gelesen hätte, so schnell und oberflächlich rast die Handlung dahin. Eine gute Frage, die ich nicht beantworten kann. Was ich aber sagen kann, ist, dass Regisseur Justin Chadwick so einiges an der Geschichte geändert hat. Judi Denchs Charakter als Äbtissin von St. Ursula, die in der Verfilmung eine recht wichtige Rolle spielt, kommt im gleichnamigen Buch gar nicht vor. Trotzdem ist die Klangfarbe des Dramas dem Roman sehr ähnlich. Das hat unter anderem damit zu tun, dass die Autorin Deborah Moggach auch das Drehbuch geschrieben hat. So gibt es zwar Abweichungen, dennoch bleibt der Kern der Liebesgeschichte und die Stimmung erhalten.

Doch nicht nur der Erzählstil des Dramas, auch die Szenerie stechen hervor. Amsterdam strahlt in seiner ganzen geschäftigen Pracht. Die Stadt ist voller Menschen. Die Dirnen und Trunkenbolde, aber auch Kaufmänner, Seefahrer und Händler säumen die engen Gassen und Grachten und den weiten Hafen. Die Mischung aus Fisch und Seeluft am Markt ist förmlich zu riechen. Die Bilder des Historiendramas sind beeindruckend. Sie transportieren die Gefühle der Geschichte besser als jedes Wort, jede Handlung, jeder Dialog.

Denn neben den großartigen Kulissen verblassen die Schauspielerinnen und Schauspieler. Die große, leidenschaftliche Liebe zwischen Jan und Sophia kauft den beiden keiner ab. Auch wenn Sophia Sandvoort immer ein wenig zurückhaltend ist, weil sie ein schlechtes Gewissen ihrem Mann (Christoph Waltz) gegenüber hat, stimmt die Chemie zwischen ihr und dem plumpen Maler einfach nicht. Alicia Vikander und Dane DeHaan schaffen es nicht, den Zuschauer davon zu überzeugen, dass ihre Liebe echt und es wert ist, ihr Leben zu riskieren. Beide Schauspieler schaffen es nicht, ihre Beziehung überzeugend zu vermitteln. Überhaupt spielt Dane DeHaan sehr platt und einfallslos. Sein Jan van Loos hat keine Facetten, keine Emotionen. Den heißblütigen, kreativen Maler nimmt ihm niemand ab. Waltz und Vikander bleiben weit unter ihren Möglichkeiten. Vikander überzeugt viel mehr im Zusammenspiel mit ihrer Magd und Freundin Maria (Holliday Grainger). Überhaupt sind die Nebencharaktere diejenigen, die den Film tragen. Unter anderem auch – für mich überraschend – Cara Delevingne als Annetje (im Buch eine Hure, im Film eventuell auch).

“Tulpenfieber” ist ein schöner Film, aber er verspricht mehr als er liefern kann beziehungsweise der Trailer lenkt die Erwartungen in eine Richtung, die kaum eine Rolle spielt. Ein Historienfilm mit seichter Liebesgeschichte und großartigen Bildern. Wer “Ein ganzes halbes Jahr” mag, wird auch “Tulpenfieber” mögen. Das Buch ist aber definitiv besser als der Film.

Ab 22. Dezember auf DVD und Blu-ray erhältlich.

Kino: Pitch Perfect 3

Pitch Perfect 3 Poster

Bilder: Universal Pictures Germany

Mal ganz ehrlich: Einen Film wie “Pitch Perfect 3” schaut man nicht wegen der spannenden Storyline und den geilen Spezialeffekten. Hier geht’s um Feel-Good-Cinema mit guten Songs und cooler Performance. Und davon gibt es reichlich.

Die Bellas sind wieder vereint. Sie wollen ein letztes Mal zusammen auf der Bühne stehen. Also touren sie durch Südeuropa. Dort hüpfen sie von einer US-Militärbasis zur nächsten und erfreuen die Soldaten mit ihrem Gesang. Dabei sind sie aber nicht alleine. Noch drei weitere Bands performen on Stage. So entsteht ein allabendlicher “Battle of the Bands”. Ganz wie in alten Zeiten. Nur: Die anderen Bands benutzen Instrumente… *schock*

In “Pitch Perfect 3 – Letzte Runde Pitches” sind fast alle Bellas wieder vereint, die in den vorherigen Filmen auch mitgespielt haben. Beca (Anna Kendrick) und Fat Amy (Rebel Wilson), Aubrey (Anna Camp) und Chloe (Brittany Snow) und natürlich die Küken-Bella Emily (Hailee Steinfeld). Neu dabei in diesem Film ist Schauspielerin Ruby Rose. Aber nicht als Bella – bloß nicht -, sondern als Konkurrentin Calamity mit ihrer Band Evermoist. Elizabeth Banks spielt im Musical zwar noch als die Kommentatorin Gail mit, die Regie hat aber diesmal Trish Sie übernommen. Als Bösewicht im Film betritt John Lithgow als Fat Amys Vater Fergus die Bühne.

Alles gute Voraussetzungen für einen würdigen Nachfolger in der Trilogie. Nun ist es hier aber so wie mit fast allen Trilogien. Die Qualität wird von Film zu Film schlechter. Im dritten Teil ist die Story vorhersehbar und teilweise sehr übertrieben, die Witze sind oft sehr flach und Fat Amys Charakter nervt nur noch. Hut ab vor Rebel Wilson, dass sie das so lange durchhält. Aber wie schon gesagt: Es ist immer noch “Feel-Good-Cinema”. Wer die letzten beiden Teile mochte, wird auch die letzte Runde mögen. Ob es wirklich der letzte Auftritt ist, sei dahin gestellt. Genug Material für Spin-Offs oder Sequels gibt die Storyline auf jeden Fall her.

Anna Kendrick mag ich als Schauspielerin unheimlich gerne und auch hier bleibt sie ihrer Rolle bis zum Schluss treu. Ruby Rose finde ich persönlich nicht gut. Für mich ist sie einfach keine vielseitige Darstellerin, sondern bietet nur ein, zwei verschiedene Facetten. Ich lasse mich da aber gerne eines besseren belehren. John Lithgow sehe ich immer noch als Harry aus der Serie “3rd Rock from the Sun” (Hinterm Mond gleich links) vor mir. Irgendwie konnte ich in meinem Kopf nicht vereinen, dass der trottelige Harry nun der böse Fergus ist.

“Pitch Perfect 3” bietet nichts Neues und trotzdem macht es Spaß ihn anzuschauen. Einfach nicht ernst nehmen. Die Komödie nimmt sich nämlich selbst nicht ernst. Dann ist er auch richtig lustig und am Ende lautet es wie immer: Friede, Freude, Eierkuchen und alle haben sich lieb. Aca-awesome!

Ab 21. Dezember im Kino.

DVD: Kedi – Von Katzen und Menschen

Kedi Poster

Copyright: Oscilloscope Pictures

Ein Video von Hank Green – die eine Hälfte der Vlogbrothers – hat mich auf “Kedi” aufmerksam gemacht. Es ist ein Dokumentarfilm, der sich nicht wie einer anfühlt. Er entführt uns in ein belebtes Stadtviertel Istanbuls, direkt am Bosporus gelegen. Dort lebt eine hohe Anzahl an Straßenkatzen. Sie gehören niemandem, haben kein festes Zuhause, aber alle haben sich ihre Lieblingsmenschen im Viertel ausgesucht, die sie täglich besuchen. Diese Liebe beruht auf Gegenseitigkeit, denn die Katzen sind für die ausgesuchten Personen eine Bereicherung. Sie füttern sie, geben ihnen Wasser, bürsten sie, gehen mit ihnen zum Tierarzt, geben ihr letztes Geld aus, als wären sie ihre eigenen. Nur einsperren würden sie die Katzen nie. So erzählt “Kedi” von Katzen und Menschen und ihrem Zusammenleben in einer der schönsten Städte Europas.

Irgendwie verzaubert der Film einen. Er ist ein wenig wie ein Stück Urlaub. Alles ist langsamer, ruhiger. Und das in mitten einer Metropole. Die Hektik ist vergessen und ich schaue diesen Katzen zu, wie sie einen Baum hochspringen, um an das Fenster der alten Dame zu klettern, die ihnen die Balkontür aufmacht und ihnen etwas zu fressen gibt. Danach schauen die Katzen, ob in der Wohnung alles in Ordnung ist, holen sich ihre Streicheleinheiten ab und dann sind sie schon wieder fort. Das hat etwas Unbefangenes, etwas Selbstverständliches. Diese Katzen brauchen ihre Freiheit und ihre Menschen verstehen das. Sie wissen, dass sie ihre Katze nicht verändern, dressieren oder einsperren können. Jede Katze hat ihren eigenen Charakter. Das spiegelt der Film wunderbar wider. So beschreibt ein Mensch “seine” Katze und auf dem Bildschirm ist genau das zu sehen. Ich glaube, das macht für mich auch ein wenig die Faszination dieser Dokumentation aus: die Vermenschlichung der Tiere; dass Tieren mehr und eher vergeben wird als Menschen. Und doch scheint den Kellnern, Ladenbesitzern, Baristas und Hafenarbeitern klar zu sein, dass diese Tiere keine Menschen sind, dass diese Tiere ihre Freiheit brauchen. Und am Ende hat jede Zuschauerin und jeder Zuschauer seine Lieblingskatze, garantiert!

Zu der beruhigenden Atmosphäre trägt auch das Licht in den Gassen Istanbuls bei. Der Schimmer dieser Stadt ist wundervoll. Dabei ist es egal, ob der Himmel bedeckt ist oder vor blau strahlt. Ein ganz eigener Glanz spiegelt sich auf dem Kopfsteinpflaster und in den Schaufenstern. Das ist einfach nur schön.

Anschauen kann man sich den Film entweder im Original auf Türkisch, dann wahlweise mit deutschen Untertiteln oder direkt in der deutschen Übersetzung. Dabei ist die Doku aber nicht synchronisiert. Die deutsche Stimme spricht einfach über die leise gestellte türkische drüber. Das ist am Anfang gewöhnungsbedürftig, aber mir war es lieber als das ständige lesen. So konnte ich die Bilder bei weitem besser genießen.

“Kedi – Von Katzen und Menschen” ist nicht nur für Katzenliebhaber, Travel-Freaks und Achtsamkeitsfanatiker, sondern auch für die unter uns, die 80 Minuten Zeit haben, um sich etwas Schönes anzuschauen und ein wenig den Glauben an die Menschlichkeit wiederzugewinnen. Denn, wenn Menschen so nett zu Katzen sein können, schaffen wir es auch, uns besser umeinander zu kümmern, miteinander umzugehen. Irgendwann, vielleicht, hoffentlich.

Ab 15. Dezember auf DVD erhältlich.

Titelbild Copyright: scilloscope Laboratories / Epicentre Films

Kino: Ferdinand geht STIERisch ab!

Ferdinand Poster

Bilder: Fox Deutschland

Als ich gesehen habe, dass “Ferdinand geht STIERisch ab!” in die Kinos kommt, war mir sofort klar, dass ich ihn sehen möchte. In dem Drama “Blind Side” gibt es eine Szene, in der Leigh Anne Touhy ihrem Sohn SJ und Ziehsohn Michael genau dieses Buch vorliest. Seitdem wollte ich das Kinderbuch immer lesen, bin aber nie dazu gekommen. Deshalb habe ich mich sehr auf den Film gefreut.

Wir lernen Ferdinand kennen, als er noch ein schmächtiges, verspieltes Jungtier ist. Anstatt sich mit den anderen auf der Weide zu duellieren, riecht er lieber an Blumen und passt auf, dass keiner sie zertrampelt. Eine Welt bricht für ihn zusammen, als sein Vater nicht mehr aus der Stierkampfarena zurückkehrt. Er war doch fest davon überzeugt, dass sein Vater den Matador besiegen kann. Mutlos und mit gebrochenem Herzen flieht der kleine Ferdinand aus dem Stall und landet bei einer Familie in den Hügeln des madrilenischen Hinterlandes. Dort wächst er bei dem Mädchen Nina und ihrem Vater auf und kann genau so sein, wie er ist: friedfertig und liebevoll. Alles könnte so schön sein, wenn Ferdinand nicht eines Tages beschließen würde, das Blumenfestival in der Stadt zu besuchen. Ein imposanter, ausgewachsener Stier in der Großstadt – das kann nicht gut gehen. Und so nimmt das Schicksal seinen Lauf.

“Ferdinand geht STIERisch ab!” ist ein Animationsfilm für Kinder. Er ist bunt und schnell. Ich frage mich, ob das die neue Art ist, Kinderfilme zu machen. Ein Gag an den anderen reihen, damit beim jungen Publikum bloß keine Langeweile aufkommt und sie ja keine Zeit haben, das Gesehene zu reflektieren. Besonders die zweite Hälfte des Films ist mir zu vollgestopft. Dabei ist mir die Komödie im Ganzen zu lang. Immer noch was Neues, hier was, da was, immer nur Action. Mehr leise Töne, wie am Anfang, hätten mir besser gefallen. Für mich als Erwachsene ist der Film zu oberflächlich und zu gewollt rasant.

Trotzdem hat er im Kern immer noch eine süße Geschichte. Er ist toll gezeichnet. Die Animation in 3D macht die Optik auch nicht besser oder schlechter. Wie so oft überflüssig. Doch es lenkt auch nicht von der Story ab, die tatsächlich eine schöne Botschaft hat. Sei du selbst, denn du bist gut so, wie du bist. Anderssein ist schwierig, doch es lohnt sich, für seine Ideale einzustehen. Eine viel gepredigte Nachricht in einer niedlichen Verpackung. Zudem finden sich so die besseren Freunde. Was wäre ein Kinderfilm ohne die Bedeutung von Liebe und Freundschaft. Daher sind meine Lieblingscharaktere auch die Igel Una, Dos und Quatro. (Wir reden nicht über Trés. Das ist zu schmerzhaft). Und ich mag die Ziege Elvira (die im Original Lupe heißt. Übersetzungen sind halt schwierig). Natürlich ist Ferdinand liebenswürdig und putzig, aber die Nebencharaktere sind doch das, was einen Film ausmacht. Super nervig sind die Pferde, aber das sollen sie ja auch sein.

Wer einen Film für die ganze Familie sucht, kann mit “Ferdinand geht STIERisch ab!” fast alle glücklich machen. Schöne Geschichte, super Animation, passende Weihnachts-Frieden-Botschaft. Aber mehr als ein Kinder-Familienabenteuer ist es eben auch nicht. Also, ihr seid gut so, wie ihr seid und Weltfrieden für alle!

Ab 14. Dezember im Kino.