Kino: Avengers – Infinity War

Es gibt Wochen, da ist es mit der Zeit einfach wie verhext. So war es bei mir, seit “Infinity War” in den Kinos gestartet ist. Voller Vorfreude habe ich in der Pressevorführung gesessen und dann hatte ich keine Zeit, aber vor allem nicht die Ruhe, zu erzählen, was ich über den Film denke. Hier ist also nun in kurzer Form, was mir am neusten Abenteuer der Avengers gefallen hat und was eher nicht. Eins vorweg: Es ist auf jeden Fall das Actionspektakel, das alle erwartet haben.

Avengers 3 Poster

© 2018 MARVEL

Der ohnehin schon mächtige Thanos möchte das Universum beherrschen und die Hälfte der Bevölkerung auslöschen. Es ist ihm zu voll. Dafür braucht er die sechs Infinity Steine. Zwei davon bewachen die Avengers. Die restlichen Steine sind im Universum verteilt. Während die eine Hälfte der Avengers versucht, Thanos von der Erde aus zu schikanieren, stellen sich ihm die anderen im direkten Kampf.

Die Geschichte scheint sehr simpel. Doch ist es unheimlich schwierig, die verschiedenen Schauplätze miteinander zu verbinden. Meiner Meinung nach, ist es den Russos sehr gut gelungen, die verschiedenen Handlungsstränge aufeinander abzustimmen. Doch in der Vielzahl der Personen liegt auch ein Schwachpunkt. In diesem Teil sieht das Publikum überhaupt keine Charakterentwicklung der handelnden Personen. Der Schwerpunkt ist so klar auf die Handlung gelegt, das die Avengers und ihre Interaktionen untereinander viel zu kurz kommen. In “Captain America: Civil War”, dem chronologischen Voränger, hatten sich die Helden in zwei Lager gespalten. Als sich nun die Bedrohung aus dem All offenbart, treffen sie sich wieder, um Seite an Seite zu kämpfen. Sie verlieren kein Wort über ihren Zwiespalt. Das war sehr seltsam und fühlte sich nicht richtig an. Genau dasselbe Problem hatte ich, als sich Hulk und Black Widow nach ihrer Trennung zum ersten Mal wieder begegnet sind. Keine Anspielung darauf, wie es dem anderen ergangen ist oder Kommentare zur gemeinsamen Vergangenheit. Auch hier war Schweigen wieder Gold? Das ging mir alles zu schnell.

“Infinity War” ist actionreich. Es folgt eine Kampfszene auf die nächste. Aufgelockert wird das Ganze immer wieder von humoristischen Einlagen oder Kommentaren. Der Einsatz von Witz und Komik hat mir meist sehr gut gefallen. Die Tendenz zu mehr Humor hat sich ja schon im letzten “Thor” abgezeichnet. Abgesehen davon haben die Regisseure Russo für meinen Geschmack aber zu viel gewollt, zu viel Stoff in einen ohnehin schon langen Film gestopft. Ich hätte es gut gefunden, aus den zwei Teilen eine Trilogie (oder je nachdem wie hektisch der zweite Teil ist, eine Tetralogie) zu machen. Das hätte sowohl den Charakteren als auch den ZuschauerInnen (oder mir) mehr Zeit gegeben.

Mein Fazit: Für einen actiongeladenen Abend mit Witz und wenig intellektuellem Anspruch ist “Infinity War” super. Es bleibt abzuwarten, ob sich Dr. Strange bei seinen Kommentaren etwas gedacht hat. Vielleicht hat er etwas gesehen, was er nicht mit uns, dem Publikum, geteilt hat. Warten wir gespannt auf den zweiten Teil.

Ab 26. April im Kino.

Bild & Poster: Copyright Marvel Studios 2018

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DVD: Star Wars VIII – Die letzten Jedi

star wars 8 Pack ShotIch bin immer noch niedergeschlagen, dass ich es nicht geschafft habe, “Die letzten Jedi” im Kino zu sehen. Nun kommt der Film auf DVD heraus und ich kann mich ein wenig damit trösten, dass ich zumindest weiß, wie die Geschichte weitergeht. Aber es ist einfach nicht dasselbe, so einen Film, der klar für die große Leinwand gemacht ist, auf meinem kleinen Laptop-Screen zu gucken. Eine riesige Leinwand und Dolby Surround Sound hat gefehlt. Ein bisschen Schwund ist immer. Gern geguckt habe ich ihn trotzdem, auch wenn mir einige Dinge nicht ganz so gut gefallen haben.

Die Geschichte geht nahtlos da weiter, wo “Das Erwachen der Macht” aufgehört hat. Die Erste Ordnung kämpft gegen die Rebellen. Kylo Ren ist verwirrt, Rey weiß nicht, wer sie ist. Die Rebellen versuchen, der Ersten Ordnung zu entkommen, aber diese spüren sie immer wieder auf. Pilot Poe widersetzt sich Befehlen und handelt auf eigene Faust, Finn muss einen Meister-Code-Knacker ausfindig machen. Über all das wacht Generalin Leia, während ihr Bruder Luke versucht, auf der felsigen Insel Ahch-To sich vor seinem Schicksal zu verbergen. Wäre da noch Snoke, der auf seinem steinernen Riesenthron sitzt und macht, dass sich alle unwohl fühlen.

Star Wars 8 Bild

Copyright The Walt Disney Company France

Was mir an Episode VII nicht so gut gefallen hat, sind Rey und Kylo Ren. Ich rede nicht von der schauspielerischen Leistung. Daisy Ridley macht ihre Sache genauso gut wie im ersten Teil und Adam Driver ist einfach toll. Aber die Geschichte zwischen den beiden, hat mich nicht überzeugt. Weder der Zwiespalt, noch die Verbindung, noch die Darstellung ihrer Beziehung. In den Momenten, wo Rey und Ren über Galaxien hinweg verbunden sind, sich sehen, fehlt mir eine überzeugende visuelle Umsetzung. Da wäre mit CGI viel mehr möglich gewesen, als der Film es mir bietet. Die Szenen wirkten sehr platt und einfallslos.

Wer mir dagegen richtig gut gefallen hat, waren die Nebenrollen. Besonders Kelly Marie Tran, die als Technikerin Rose an der Seite von Finn auf Mission geht. Aber auch Laura Dern als Vice Admiral Amilyn Holdo und Lupito Nyong’o als orakelähnliche Maz Kanata sind großartig. Neben Adam Driver bin ich auch ein großer Fan von Oscar Isaac als Pilot Poe Dameron. Und dann ist da noch Carrie Fisher als Generalin Leia. Sie leitet alles mit ruhiger, weiser Hand. Eine Star Wars Ikone! Eine letzte Episode ohne sie ist für mich unvorstellbar. Ich bin gespannt, was sich die Macher einfallen lassen.

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Copyright 2017 Lucasfilm Ltd. & ™, All Rights Reserved. / Jonathan Olley

Es fühlt sich ein wenig so an, als wäre Star Wars in die Pubertät gekommen und nicht bereits eher ein alternder Greis. Eine Mischung aus Ambivalenz und Aufmüpfigkeit auf der einen Seite, auf der anderen das Festhalten an dem, was schon immer funktioniert hat. “Star Wars VIII – Die letzten Jedi” hat seine Schwächen, aber es ist Star Wars, das Entfliehen in eine andere Welt, eine andere Galaxis. Das einfache Gut gegen Böse und zwei die sich nicht sicher sind, auf welche Seite sie gehören. Das klappt sehr gut.

“Die letzten Jedi” ist immer noch ein toller Film. Doch im Vergleich zu den ersten Teilen, büßt er einiges an Qualität und Spannung ein. Die Skywalker-Saga ist mittlerweile einfach zu lang. Sie zieht sich hin und dann gehen auch irgendwann die Ideen aus. Aber es ist immer noch Star Wars und Star Wars ist grandios – keine Frage. Ich schaue jede Episode gerne. Ich kann mich über die schlechte Chemie zwischen Anakin und Padme freuen und den Atem bei heiklen Verfolgungsjagden durch die Galaxis anhalten. Star Wars ist einfach Kult – und das zu Recht.

Ab 26. April auf Blu-ray und DVD erhältlich.

Copyright Titelbild: Disney

Die Filmreise-Challenge #7: Who killed Captain Alex?

Die Filmreise-Challenge #7 – Weltreise (Pauschalreise): Schaue einen Film aus einem afrikanischen Land.

Ich habe mir “Who killed Captain Alex? – Uganda’s First Action Movie” angesehen.

Captain Alex PosterWer auf Filme aus dem Hause Asylum steht oder generell Filme mag, die so sehr an den Haaren herbei gezogen sind, dass sie schon wieder witzig sind, dann ist er/sie hier genau richtig. Regisseur Nabwana Isaac Godfrey Geoffrey hat mit “Who killed Captain Alex?” tatsächlich Ugandas ersten Actionfilm erschaffen und der ist so schlecht, dass er schon wieder richtig gut ist. Das Budget des Actionkrachers ist verschwindend gering. Gedreht wurde er auf dem Jauchefeld in Nabwanas Heimatslum. Kurz nannte er es in “Wakaliwood” um. Als SchauspielerInnen fungieren Nabwanas Freundinnen und Freunde, die der Schauspielkunst mal mehr, mal weniger zugetan sind. Die Originalsprache ist Suaheli, doch es gibt einen englischen Untertitel und zusätzlich einen grandiosen Erzähler “Video Joker” Emmie. Ohne seine Kommentare wäre der Film nur halb so lustig.

In Kampala schlägt die Tiger Mafia um sich. Bei einer Konfrontation mit den Soldaten kommt Captain Alex ums Leben. Niemand hat etwas gesehen, niemand weiß etwas. Da schaltet sich sein Bruder ein. Er will den Tod des Captain rächen. Eine wilde Jagd entfacht. Alle ballern munter um sich und wenn das nicht mehr hilft, behelfen sich die Kämpfer mit atemberaubenden Kung-Fu Einlagen. Zu sehen ist der ugandische Bruce Lee, auch genannt Bruce U. Das Filmblut spritzt in alle Richtungen und bei den Faustkampfszenen klatschen die Akteure immer ein wenig zu spät. Die Gesichter der Piloten sind per Fotoshop in die Helikopter eingefügt. Eine Panflötenversion von Seals “Kiss from a Rose” rundet dieses amüsante Bild ab. Alles deutet eher auf ein Heimvideo hin. Und das sollte es ursprünglich auch sein. Doch eins ist klar: Für ein Erstlingswerk aus dem Hinterhof mit einem geschätzten Budget von 200 Dollarn ist dieser Film ein Meisterwerk.

Wer also siebzig Minuten Zeit hat, dem englischen mächtig ist, schlechte Bildqualität und abrupte Schnitte vertragen kann und “Mystery Science Theater 3000” zu anspruchsvoll findet, dem sei dieser Actionfilm wärmstens ans Herz gelegt. Ich habe mich bei einem Film lange nicht mehr so amüsiert.

DVD: Amelie rennt

“Amelie rennt” ist eine schöne Coming-of-Age Geschichte mit talentierten NachwuchsschaupspielerInnen vor wunderschöner Kulisse.

Amelie kommt nicht aus Berlin, Amelie ist Berlin. Frech, stur, unhöflich. Alles, was den Menschen aus der Hauptstadt nachgesagt wird, verkörpert die 13-jährige. Ein Problem gibt es nur: Ihre Eltern beschließen, dass Amelie die Großstadt verlassen muss. Es geht nach Südtirol in die Alpen. In den idyllischen Bergen zwischen Tannen und Weiden steht nämlich eine hervorragende Lungenklinik. Die Ärzte und Betreuer dort geben sich große Mühe, Amelie mit ihrem Asthma zu helfen. Doch Amelie hat keine Lust auf Klinik und Atemübungen. Sie reißt aus. Dorthin, wo es keiner vermutet: Immer den Berg rauf. Auf ihrem Weg zum Gipfel trifft sie den 15-jährigen Herdenmanager Bart. Dieser erzählt Amelie von dem Gipfelfeuer, das Wünsche erfüllt, wenn man über es springt. Und schon hat sich das sture Kind in den Kopf gesetzt, solange weiter zu klettern, bis sie einmal einen Satz über das Feuer gewagt hat.

Amelie rennt Poster

Poster: Farbfilm Entertainment

Amelie und Bart haben manchmal etwas von Heidi und dem Geißenpeter. Nur einen Almöhi gibt es nicht. Dafür eine Kuh, die sich am Bein verletzt hat und eine Steffi, die zu jeder (un)passenden Gelegenheit hereinschaut. Mit Mia Kasalo als Amelie und Samuel Girardi als Bart hat Regisseur Tobias Wiemann ein Duo gefunden, das vor der Kamera sehr gut harmoniert. Die beiden ergänzen sich vorzüglich und es ist ihnen anzumerken, dass sie viel Spaß an der Arbeit vor der Kamera haben. Aber auch die anderen Mitglieder des Casts sind durchaus sehenswert. Jasmin Tabatabai mag ich eh sehr gerne, auch wenn sie hier als strenge Ärztin und Leiterin der Klinik Dr. Murtsakis nicht zu hundert Prozent überzeugt. Susanne Bormann und Denis Moschitto als Amelies Eltern funkionieren getrennt, aber nicht so gut zusammen. Was aber auch daran liegen kann, dass die beiden ein Scheidungspaar sind. Unheimlich gerne mochte ich Jerry Hoffmann als Betreuer Matthias. Hier gilt: Wenige SchauspielerInnen, gute Qualität.

“Amelie rennt” nähert sich auf gefühlvolle Art und Weise dem Thema Behinderung, die auf den ersten Blick keine zu sein scheint. Natja Brunckhorst hat ein tolles Drehbuch geschrieben, in dem die Dialoge gut funktionieren. Die Jugendsprache zwischen den beiden Jugendlichen ist genauso authentisch, wie die Gespräche zwischen den Erwachsenen. Obwohl der Film ein ernstes Thema behandelt, wird er nie kitschig oder drückt auf die Tränendrüse. Er ist unterhaltsam, lustig und mitunter spannend. Weiß man, wie der Film ausgeht: Ja, sofort. Doch hier ist tatsächlich die Reise das Ziel.

Ich glaube, “Amelie rennt” ist ein Film, der Jugendlichen Mut machen kann, sich nicht unterkriegen zu lassen. Manchmal ist es aber auch gut, sich Hilfe zu holen oder helfen zu lassen. Alles in allem macht es Spaß, den Film anzuschauen. Eine witzige Teenie-Komödie mit Herz.

Ach ja! Und nicht vergessen: “Nicht erschrecken! Ich bin’s nur: die Steffi!”

Ab 20. April auf DVD erhältlich.

Copyright Titelbild: Lieblingsfilm / Martin Schlecht

Kino: Lady Bird

“Lady Bird”, ein Film auf den ich mich sehr gefreut habe. Konnte er meine Erwartungen erfüllen? Fast.

Wir folgen der Protagonistin, die sich selber Lady Bird getauft hat. Sie besucht die High School. Ihr letztes Schuljahr ist angebrochen. Sie ist nicht gut in Mathe und sie hasst Kalifornien, wo sie in einer Kleinstadt lebt. Es soll ein College an der Ostküste werden. Die Menschen dort sind wenigstens kultiviert. Nicht so wie ihre Eltern und ihre Geschwister, mit denen sie auch noch auf der falschen Seite der Schienen lebt. Alles peinlich. Und weil das alles so peinlich ist, denkt sich Lady Bird gerne mal Geschichten über sich und ihr Leben aus. Der Name Christine reichte auch nicht mehr. Etwas dramatischeres musste her und Lady Bird war geboren. Wir erleben einen typischen Teenager mit allen Höhen und Tiefen. Doofe Schule, Theater-AG, erste Liebe(n), Streit mit der besten Freundin und Höllenqualen zu Hause, obwohl die Mutter eigentlich gar nicht so schlimm ist – manchmal zumindest. Wenn sie halt nicht gerade peinlich ist.

Lady Bird Poster

Poster: Universal Pictures Germany

Regisseurin Greta Gerwig hat mit diesem Film eine tolle Mischung aus Komödie und herzzerreißendem Teenie-Drama geschaffen, ohne das ganze ins Lächerliche zu ziehen, zu übertreiben, aber auch untertreiben. Es hilft, dass Christine eine sehr exzentrische Persönlichkeit ist. Es wird nicht langweilig, ihr dabei zuzuschauen, wie sie sich selber unwissentlich zum Affen macht. Irgendwie waren wir alle mal so und das zeigt der Film, ohne zu werten. Das dürfen die ZuschauerInnen selber machen. Saoirse Ronan spielt eine exzellente Christine. Sie sieht manchmal ein wenig zu alt aus für eine 17-jährige, aber das ist nur ein kleiner Wermutstropfen. Wer mir richtig gut gefallen hat, ist Laurie Metcalf als Christines Mutter Marion McPherson. Sehr facettenreich und nachvollziehbar, tolle Körpersprache und Mimik. Wer mich allerdings nicht überzeugen konnte, ist Timothée Chalamet. Er war mir zu einseitig und oberflächlich. Dabei hat er mir in “Call me by your name” so gut gefallen. Das hat aber wohl zum einen mit der Person zu tun, die er darstellt, zum anderen mit meinem Kritikpunkt den ich habe, ohne dass es wirklich ein Kritikpunkt sein kann beziehungsweise darf.

Ich habe den Film in der deutschen Synchro-Version gesehen. Dabei habe ich mal wieder festgestellt, dass sich Jugendsprache sehr schwer in andere Sprachen übersetzen lässt. Das hat für mich dem Ganzen einen kleinen Dämpfer gegeben, weil es dem Drama eine Menge Authentizität genommen hat. Ich werde mir “Lady Bird” auf jeden Fall noch einmal ansehen und dann im Original. Besonders, weil ich auch neugierig bin, wie sich Saoirse Ronans Englisch in diesem Film anhört. Ihre verschiedenen englischen Akzente sind so wandelbar. Das finde ich sehr faszinierend.

Alles in allem ist “Lady Bird” ein süßer Film. Ein schöner Film über die Zeit, in der wir denken, dass wir alles können, alles werden können und uns die ganze Welt offen und zu Füßen liegt. Das Universum wartet auf genau uns… Es hat es nur noch nicht realisiert.

Ab 19. April im Kino.

Titelbild: Copyright Universal Pictures / Merie Wallace, courtesy of A24

Captain Fantastic

Captain Fantastic

Poster: Universum Film

“When you have sex with a woman, be gentle and listen to her. Treat her with respect and dignity even if you don’t love her. (…) Always tell the truth. Always take the high road. (…) Live each day like it could be your last. Drink it in. Be adventurous, be bold, but savour it. It goes fast. (…) Don’t die.

  • Ben in Captain Fantastic

Die Filmreise-Challenge #6: Moolaadé

Die Filmreise-Challenge #6 – Weltreise (Pauschalreise): Schaue einen Film aus einem afrikanischen Land.

Ich habe mich für “Moolaadé – Bann der Hoffnung” aus dem Senegal entschieden.

Moolaadé Poster

Poster: Neue Visionen

Lange hatte ich keine Zeit weiterzureisen und es ist auch schon eine Weile her, dass ich den Film gesehen habe. Dennoch berührt er mich immer noch und die Kraft der Bilder wirkt nach. Gesehen habe ich “Moolaadé” im Kino in Köln, als er in der Reihe Lieblingsfilme gezeigt wurde. Beschneidung von Frauen oder weibliche Genitalverstümmelung sind zum Glück Themen, die für mich nie akut waren. Vor vielen Jahren habe ich das Buch “Wüstenblume” von Waris Dirie gelesen. Das war mein erster Kontakt mit dem Thema. Ein Plakat in der U-Bahn hat mich auf den Film aufmerksam gemacht und ich habe nicht bereut, ihn mir angeschaut zu haben.

Das Drama zeigt beeindruckend den Zwiespalt zwischen Tradition und Moderne. Frauen wollen diese Tortur der weiblichen Beschneidung für ihre Kinder nicht mehr. Mütter wollen ihre Mädchen nicht mehr an dieses barbarische Ritual verlieren. Zu stark ist die Erinnerung an die Zeremonie, in denen ihnen im Namen der Tradition “Heilerinnen” die Schamlippen und die Klitoris entfernt haben. Frauen wollen selber über ihre Körper bestimmen und sich nicht mehr nur hörig den Männern hingeben.

Die Zeit für das Ritual ist wieder gekommen. Die “Heilerinnen” (Ich habe sie aus Mangel eines besseren Begriffs so betitelt) wollen vier junge Mädchen aus dem Stamm abholen, um bei ihnen die Beschneidung vorzunehmen. Alle Kinder haben Angst. Da ergreift Collé Ardo die Initiative und verhängt über ihren Hof das “Moolaadé” – eine Art Bann, der es allen, die nicht innerhalb des Hofes leben, verbietet, das Territorium zu betreten. Die Mädchen, die sich in Collé Ardos Obhut befinden, sind sicher, bis diese das “Moolaadé” aufhebt. Ich weiß nicht genau, ob das zu hundert Prozent stimmt, aber es ist das, was ich verstanden habe. Das Dorf, besonders die Männer und die traditionsbewussten älteren Frauen sind in Aufruhr. Wie kann Collé Ardo es wagen, sich gegen das Patriarchat und die Tradition aufzulehnen. Es entfacht ein bitterer Streit.

Der Originalton des Dramas ist senegalesischer Dialekt und Französisch. Geholfen hat da der deutsche Untertitel, der aber ein wenig holprig war. Gesprochen haben die Bilder jedoch meist für sich alleine. Ich kann mir nicht vorstellen, wie es ist, wenn ein Mann über mein Leben bestimmt, er das Recht hat, mich bei Ungehorsam auszupeitschen und er sich meines Körpers bedienen kann, wann und wie er möchte. Traditionen sind so eine Sache, die sehr schwer aus den Köpfen der Menschen zu entwurzeln sind. “Moolaadé” hat mir die Augen noch weiter geöffnet, dass es sich lohnt, mutig zu sein und für das einzustehen, an das ich glaube. Auch wenn die Schauspielkunst nicht überragend und ausgefeilt ist, es keine Spezialeffekte gibt und der Schnitt an manchen Stellen ein wenig unsauber ist, hat Regisseur Ousmane Sembène mit “Moolaadé” bei mir eindeutig Spuren hinterlassen. Unbedingt empfehlenswert!

Copyright Titelbild: Les Films du Paradoxe