Room

Raum

Bild: Universal Pictures

Trailer

Room (dt. Raum) ist einer der krassesten Filme, die ich seit langem gesehen habe. Als der Film zu Ende war, habe ich erstmal im Kino gesessen und brauchte ein Weile, um mich zu orientieren und meine Tränen trocknen zu lassen. Nachdem ich Spotlight schon gesehen hatte, habe ich gedacht, dass Room nicht mehr so schlimm werden könnte. Falsch gedacht. Das Drama hat meine Tränendrüse ganz schön in Anspruch genommen, aber es war jede Sekunde wert.

Schnell wird klar, dass der kleine Jack den Schuppen, in dem er mit seiner Mutter wohnt, nie verlassen hat. Er ist darin geboren worden. Die einzige Verbindung zur Außenwelt ist ein Oberlicht, durch das er den Himmel, Blätter und manchmal ein paar Vögel sehen kann. Die Tage in “Room”, wie er den Schuppen liebevoll nennt, sind immer gleich. Essen, ein improvisiertes Sportprogramm, viel spielen und ab und zu vorlesen. Nachts kommt oft ein seltsamer Mann. Dann muss sich Jack im Wandschrank verstecken.

Für ihn ist es schwer zu verstehen, als Ma ihm erzählt, dass sie nicht immer in “Room” gelebt hat. Sie möchte versuchen, aus “Room” zu entfliehen und er soll ihr dabei helfen. Ma entwirft einen Fluchtplan für Jack – und er geht tatsächlich auf! Nun beginnt die (Re-) Sozialisierung in einer Welt, die hungrig nach Sensation ist. Einer Welt die fremd (geworden) ist und die erbarmungslos mit alles und jedem ins Gericht geht. Einer Welt, die überwältigend ist, im guten und im schlechten Sinn und bei der man nicht weiß, ob sich der Kampf in ihr zu überleben überhaupt lohnt.

Room ist ein intensiver Film. Er geht unter die Haut. Brie Larson hat zurecht den Oscar für ihre umwerfende Darstellung der Ma bekommen. Aber auch der kleine Jacob Tremblay hat eine außergewöhnliche Mimik. Ich kann nicht genug Loblieder auf diesen Film singen. Das Schauspieler-Ensemble ist großartig. Da Emma Donoghue, die Autorin der Romanvorlage, auch das Drehbuch geschrieben hat, sind die Dialoge weder aufgesetzt noch gekünstelt, sondern authentisch und nachvollziehbar. Regisseur Lenny Abrahamson hat mit Room etwas geschaffen, das tief geht. Wer ein Drama erwartet, in dem am Ende alles gut wird und der Mythos der heilen Welt gewinnt, der ist bei Room falsch. Wer sich aber mit der Vielseitigkeit der menschlichen Psyche, gepaart mit ein wenig Gesellschaftskritik auseinandersetzen will, für den ist der Film genau richtig.

Room hat mich von der ersten Minute an in seinen Bann gezogen und mich am Ende verheult und erschüttert wieder in die Realität gespuckt. Unbedingt sehenswert!

Ab 28. Juli auf DVD erhältlich

 

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Hail, Caesar!

Hail

Bild: Universal Pictures

Trailer

Bei Filmen der Coen-Brüder weiß ich am Ende nie, was ich von ihnen halten soll. Hail, Caesar! ist da keine Ausnahme. Es laufen mehrere Handlungsstränge nebeneinander und  am Schluss ist alles ein wenig verwirrend – aber das ist ja nichts neues.

Der Film spielt 1951 in der Traumfabrik Hollywood. In den verschiedenen Studios werden unterschiedliche Filme gedreht. In einem steht der gegenwärtige Publikumsliebling Hobie Doyle für den nächsten Film des Star-Regisseurs Laurence Laurentz vor der Kamera. Im nächsten Studio wird eine Wasserballettszene aufgenommen und wieder eine Tür weiter tanzen Matrosen für ein Musical auf den Tischen einer Bar. Das Hauptaugenmerk gilt aber der großen Produktion des Epos Hail, Caesar!, in dem Topstar Baird Whitlock die Hauptrolle spielt. Das Blatt wendet sich, als Baird Whitlock entführt wird und die “Zukunft” 100.000 Dollar Lösegeld für seine Freigabe verlangt. Eddie Mannix, Privatermittler der Capitol Studios, macht sich auf die Suche nach Whitlock und gerät dabei in so manche Schwierigkeit. Besonders, weil bald auch die Presse von einigen Machenschaften Wind bekommt und ein wenig Kommunismus darf natürlich auch nicht fehlen.

Die Coen-Brüder haben ein exzellentes Schauspielerensemble zusammenbekommen. Tilda Swinton in ihrer Doppelrolle als die Reporterzwillinge Thora und Thessaly Thacker ist superb. Eine tolle Persiflage auf die Klatschpresse. Hobie Doyle (Alden Ehrenreich), welcher der Inbegriff des lonesome Cowboys sein soll, der sich aber nichts sehnlicher wünscht, als ein wenig Nähe, ist so niedlich, dass man ihn einfach nur in den Arm nehmen möchte. Scarlett Johansson als Wassernixe DeeAnna Moran spielt nur eine Nebenrolle, aber ihr Sprung aus höchster Höhe in die Tiefen des Schwimmbeckens ist sehr schön anzuschauen (auch wenn klar ist, dass sie das nicht selber gemacht hat). Auch ihre Flirtkünste, die spontan an Jonah Hill abprallen, sorgen mindestens für einen breiten Schmunzler. Der verpeilte vermeintliche Hauptdarsteller Baird Whitlock (George Clooney) ist heller als man auf den ersten Blick meint. Es ist ihm anzusehen, wie seine grauen Zellen arbeiten – tolle Gesichtsausdrücke, tolle Mimik. Richtig beeindruckt hat mich Channing Tatum, der eine grandiose Steptanz-Nummer hinlegt. Das hat richtig Spaß gemacht und mich an alte Fred-Astair-Filme erinnert. Ein wenig habe ich mich wie Eddie Mannix, gespielt von Josh Brolin, gefühlt. Immer einen Schritt hinterher und trotzdem ist am Ende alles gut, obwohl wir nicht wirklich verstanden haben, warum. Gut, dass er nach Hause zu seiner umsorgenden Ehefrau gehen kann.

Ein toller Film. Ganz im Stil der Gebrüder Coen, eher so bizarr wie Burn After Reading weniger so deprimierend wie No Country for Old Men.

Hail, Caesar! – Ab heute auf DVD, Blu-Ray und VoD erhältlich.

Suffragette

Trailer

Der Film Suffragette – Taten statt Worte befasst sich mit dem Kampf um das Frauenwahlrecht in England. Wir befinden uns in London Anfang des letzten Jahrhunderts. Die Protagonistin Maud ist bereits im Waschhaus, in dem sie seit ihrem siebten Lebensjahr arbeitet, geboren worden. Mittlerweile ist sie Anfang zwanzig und lebt mit ihrem Ehemann, der ebenfalls in der Großwäscherei arbeitet, und ihrem kleinen Sohn in einer winzigen Wohnung im Londoner East End. Dem stickigen Waschhaus ist sie jedoch nicht entkommen. Dort schuftet sie immer noch Tag ein, Tag aus. Ihr Boss beschimpft und belästigt sie. Schon lange ist sie mit ihrer Situation unzufrieden, doch ist sie auch von ihrem Job und der Gunst ihres Chefs abhängig. Auf einem Botengang entdeckt sie ihre Kollegin Violet, die sich als engagierte Suffragette erweist. Maud ist fasziniert und sieht im Kampf für das Frauenwahlrecht eine Chance auf ein besseres Leben. Vor Maud und ihren Mitstreiterinnen liegt ein langer und steiniger Weg, der so manches Opfer fordert. Doch der Preis für die Verwirklichung ihres Traums ist hoch. Dafür nehmen sie zahllose Beschwerlichkeiten auf sich.

Ich finde, Suffragette ist ein guter Film, besonders, weil das Thema Frauenrechte für mich wichtig ist und ich die Schauspielerin Carey Mulligan mag. Sie spielt die Hauptdarstellerin Maud Watts überzeugend. Sie stellt Mauds inneren Konflikt und ihre Gefühlslage dar. Genau genommen hat mir das ganze Filmensemble gefallen. Das die Männer, besonders Mauds Ehemann und der Boss der Wäscherei, schlecht wegkommen, ist sicher Teil der Botschaft des Films. Hier geht es um Frauen und ihre Rechte. Da müssen Männer auch mal als festgefahrende, ängstliche, engstirnige Idioten herhalten. Helena Bonham Carter spielt ihre Rolle wie gewohnt brilliant. Wovon ich mir mehr erhofft hatte, war der Auftritt von Meryl Streep. Dafür, dass sie sowohl im Trailer, als auch auf dem Filmplakat zu sehen ist, habe ich gedacht, dass sie eine größere Rolle spielt. Die kurzen Male, die sie im Film auftaucht, machen sie, wenn es hoch kommt, zur Nebenrolle. Historisch betrachtet muss die Bedeutung Emmeline Pankhursts beachtlich gewesen sein, daher ist wohl eine so grandiose Schauspielerin wie Meryl Streep genau die Richtige, aber für den Werbeaufwand, der betrieben wurde, hätte ich mehr Präsenz erwartet.

Eine große Unstimmigkeit hat der Film für mich leider. Und zwar kann ich mir nicht vorstellen, dass die ganzen Frauen, die in einer Großwäscherei arbeiten – besonders, wenn sie wie Maud dort geboren und aufgewachsen sind -, Lesen und Schreiben konnten. Dass sie ihren Namen unter ein Stück Papier kritzeln können: ja, aber dass sie in der Lage waren lange Briefe zu lesen und zu schreiben, wage ich zu bezweifeln. Das hat den Film für mich ein Stück weit unglaubwürdig gemacht.

Trotzdem ist es immer noch ein ansehnlicher Film, wenn man über einige Widersprüche  hinweg sieht.

Ab  16. Juni auf DVD erhältlich.

Filme aus dem Flugzeug

In den letzten Wochen war es auf meinem Blog sehr ruhig. Der Grund dafür ist, dass ich mir eine längere Auszeit bei meiner Familie in den USA verschrieben habe. Nun ist das Kinovergnügen dort recht teuer, was dazu geführt hat, dass ich keine neuen Filme geschaut habe. Aber es gibt ja diese elendlangen Flüge über den Atlantik, während denen ich wunderbar ein paar nicht ganz aktuelle Filme schauen konnte, dich ich in Deutschland auf der Kinoleinwand verpasst habe oder die mich eigentlich gar nicht interessiert haben. Im folgenden gibt es also fünf Kurzrezensionen zu Cake, Elysium, Jupiter Ascending, Nachts im Museum 3 und Kingsman.

Cake

Worum es geht: Cake handelt von einer Frau, Claire, die versucht, sich nach einem schweren Autounfall wieder ins Leben zurückzukämpfen.

Was ich denke: Ich habe mir von dem Film mehr erwartet. Auch wenn Jennifer Aniston eine hervorragende Leistung abliefert, kratzt der Film nur an der Oberfläche. Er hört da auf zu graben, wo es wirklich weh tut. Ich hätte mir einen weitaus tieferen Einblick in Claires Seelenleben gewünscht. Zwar ist eine Entwicklung in ihrem Charakter sichtbar, doch ist auch diese sehr oberflächlich. Am Ende des Films wird klar, dass ein einziger Augenblick neu gewonnene Hoffnung sofort wieder zerstören kann. Aber das ist auch alles. Es ist schön zu sehen, dass Jennifer Aniston auch andere Rollen spielen kann, als die am Ende immer glückliche Mainstream-Frau, doch reicht das nicht, diesen Film wirklich sehenswert zu machen.

Elysium

Worum es geht: Auf Elysium, einer geräumigen Raumstation, wohnen die Reichen, Schönen und Privilegierten und genießen ihr Leben. Auf der Erde wohnen die Armen und Kranken, die dafür arbeiten müssen, dass Elysium funktioniert. Max wird beauftragt, in Elysium einzudringen und das Computersystem neu zu programmieren, um die Sonderrechte und die Mißverhältnisse zu beenden.

Was ich denke: Was für ein großartiger Scheiß! Der Film ist laut, vorhersehbar und langweilig. Die Unterdrückten müssen sich gegen die Unterdrücker wehren, dann wird alles wieder gut, denn alle Menschen sind gleich. Das ist so abgedroschen und platt dargestellt, dass es wirklich keinen Spaß macht, zuzuschauen. Da hilft Jodie Foster leider auch nicht mehr.

Jupiter Ascending

Worum es geht: Jupiter Jones (Mila Kunis) findet heraus, dass sie zu einem außerirdischen Adelsgeschlecht gehört und ihr die Erde gehört. So verlockend dieses neue Leben auch ist, bringt es auch allerhand Probleme mit sich. Am Ende steht eine große Entscheidung und ein riesiger Show-down. Das alles ist gepaart mit einer netten Liebesgeschichte.

Was ich denke: Genauso wie Elysium behandelt der Film die Würde und den Wert des Menschen. Auch wenn Jupiter Ascending ebenso actionreich ist, ist er doch bei weitem witziger. Eddie Redmayne zeigt auch in diesem Film, was für ein genialer Schauspieler er ist. Der Gedanke, der hinter diesem Film steckt, ist erschreckend. Kein Must-See, aber immer noch ein guter Film.

Nachts im Museum 3: Das geheimnisvolle Grabmal

Worum es geht: Wie schon in den beiden Filmen davor, werden nachts dank einer magischen Tafel die Museumsexponate lebendig. Doch die Tafel läuft langsam dunkel an und die Exponate werden steif oder fallen in Ohnmacht. Um herauszufinden, wie er den Verfall aufhalten kann, muss Nachtwächter Larry ins Naturkunde Museum in London reisen.

Was ich denke: Wer die vorherigen beiden Teile mag, wird auch bei diesem auf seine Kosten kommen. Kurzweilig, humorvoll und amüsant bietet der Film nette Unterhaltung. Im Grunde kann man mit dem Film nichts falsch machen, wenn man eine nette Komödie schauen möchte. Rebel Wilson ist großartig.

Kingsman: The Secret Service

Worum es geht: Eggsys Vater starb bei einem Einsatz des Secret Service seiner Majestät. Nun, 15 Jahre später, liegt es an Eggsy, zu zeigen, was in ihm steckt und ob er sich selber aus der Misere ziehen kann, die er Leben nennt. Um sich gegen seine Mitstreiter durchzusetzen, muss er einige Aufgaben bestehen. Aber auch an der Seite seines Mentors Harry Hart, muss er manche geplanten, aber auch unerwarteteten Schwierigkeiten meistern. Am Ende müssen sie – wie kann es anders sein – die Welt retten. Schließlich ist das hier ein britischer Geheimagentenfilm.

Was ich denke: Der Film startet ein wenig schleppend, aber dann besticht er durch seine Balance aus Action und britischem Humor. Colin Firth als Harry Hart und Samuel L. Jackson als lispelnder Bösewicht sind meisterhaft. In den ersten zwanzig Minuten habe ich gedacht, das wird nie was und dann wurde er immer besser und besser. Ein wenig klischeehaft ist er schon, aber das schadet nicht. Einige brutalere Szene gibt es auch, die nichts für zartbesaitete Gemüter sind. Alles in allem ein guter Film mit ein paar unvorhergesehenen Twists.

Watermark

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Der Kanadier Edward Burtynsky hat mit Watermark eine beeindruckende Dokumentation über den Einfluss von Wasser auf unser Leben und unsere Umwelt geschaffen. Der Untertitel “Wie wir das Wasser verändern und wie das Wasser uns verändert” bringt es auf den Punkt.

Der Fotograf und Künstler Edward Burtynsky hat seinen Film an zehn verschiedenen Schauplätzen gedreht, hinter denen sich die unterschiedlichsten Geschichten verbergen. Da ist zum einen ein großes Staudammprojekt in China oder ein ausgetrocknetes Flussbett in Mexiko. Zum anderen reist der Zuschauer nach Indien an den Ganges, um den Hindus zuzuschauen wie sie sich von ihren Sünden reinwaschen. Diese und andere spektakuläre Bilder werden begleitet von kurzen Interviews, die die Situation der Menschen beschreiben oder unterstreichen. So sitzt ein junger Mann auf dem obersten Plateau einer Reisanbauterasse und erzählt, dass er hier sitzt und darauf aufpasst, dass seine Nachbarn den Wasserzufluss seiner Familie nicht behindern. Zwischendurch finden sich aber auch Einspieler, die zeigen, wie die Bilder, die diesem Film entnommen sind, für einen Ausstellungskatalog bearbeitet und zusammengefügt werden. Alle Elemente zusammen, schaffen ein bemerkenswerten Kunstwerk, dass die Kraft und Wichtigkeit von Wasser in unserem Leben unterstreicht. Ein See, der austrocknet, weil der Mensch das Wasser abgepumpt hat und nun giftiger Sand in alle Winde verstreut wird oder die Aufnahmen aus einer Gerberei, in der Wasser zur Bearbeitung der Lederhäute gebraucht wird und so allerhand schädliche Stoffe in den Fluss gelangen, alle diese Aufnahmen wirken ohne einen erhobenen Zeigefinger. Die Bilder und Worte sprechen für sich.

Am Ende bleibe ich als Zuschauer still und nachdenklich sitzen. Der Film führt mir etwas vor Augen, worüber ich schon lange nicht mehr nachgedacht habe: Auch Wasser ist eine endliche Ressource, die respektvoll behandelt werden möchte. Die Schönheit und Eindringlichkeit der Bilder und Worte wirken und klingen noch lange nach. Watermark ist ein vielseitiges, sehenswertes Gesamtkunstwerk!

Nymph()maniac – Part 2

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Der zweite Teil der Nymph()maniac-Reihe des Regisseurs Lars von Trier steigt ohne Umscheife wieder ins Geschehen ein. Joe und Seligman sitzen im bekannten Zimmer und sie trägt immer noch den alten gestreiften Männerschlafanzug. Sie fängt wieder an zu erzählen. Nachdem Joe bekommen hat, wonach sie sich gesehnt hat und nun mit Jerôme zusammen ist, baut ihre Lust immer weiter ab. Am Ende macht sie das, was sie so sehr begehrt hat, überhaupt nicht mehr an. Sie greift zu drastischeren Mitteln und begibt sich in die Hände eines Dominus. Je intensiver die Beziehung zwischen den beiden wird, umso mehr leiden ihre anderen Beziehung. Sowohl privat, als auch auf der Arbeit. Ihr Leben gerät immer mehr aus den Fugen. Doch die Suche nach ihrer verlorenen Sexualität, lässt sie nicht los. Sie ist besessen von dem Gedanken, wieder Befriedigung zu finden.

So sehr mich im ersten Teil die Dialoge zwischen Joe und Seligman noch angesprochen haben, so habe ich in diesem Film nichts mehr entdeckt, dass mich gereizt hat. Im ersten Teil geht es um Joes Sexleben. Sie bestimmt, was sie tut, verführt und gibt sich hin. Sie ist Herr ihrer Befriedigung. Im zweiten Teil wird sie dominiert. Sie wird degradiert und erniedrigt. Auf einer Art scheint sie verzweifelt. Doch sehnt sie sich nur nach ihrer Sexualität und Befriedigung. Der zweite Teil ist genauso explizit wie der erste. Doch diesmal geht es weniger um den tatsächlichen Geschlechtsverkehr, als um Erniedrigung und Machtausübung. Die peinlich berührte, bedeutungsschwangere Stille füllt intensiver als im ersten Teil den Raum. Doch auch in diesem Teil gibt es keine Antwort auf das fast bedrohliche Schweigen. Mit jeder Minute wurde es anstrengender, den Film anzuschauen. Als sich Seligman am Ende dann auch noch jeglicher Mann-Frau-Klischees in Bezug auf Sex bedient, war ich endgültig genervt und angewidert. Da der zweite Teil mit der Erzählung da aufhört, wo der erste Teil angefangen hat, steh ich nun wieder vor der Frage, ob ich mir den dritten Teil auch noch anschaue. Ganz ehrlich, ich bin versucht es zu tun, weil schlimmer, als der zweite Teil, kann er nicht werden.

Meine Bewertung zum ersten Teil könnt ihr hier lesen.

Nymph()maniac – Part 1

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Seligman findet Joe an einem regnerischen Tag im Hinterhof. Sie ist geschunden, hat Wunden und Schrammen, will aber nicht ins Krankenhaus oder die Polizei verständigen. Sie faselt etwas davon, dass sie es verdient habe. Seligman nimmt sie mit zu sich nach Hause, steckt sie ins Bett und gibt ihr eine Tasse Tee. Er sitzt vor dem Bett und sie fängt an ihre Geschichte zu erzählen. Eine Geschichte von Trauer, Liebe, Besessenheit und Sex.

Lars von Triers Filme sind nie einfach. So auch Nymph()maniac nicht. Er ist grotesk, skurril, explizit, er beschönigt oder verschleiert nichts. Er erzählt die Geschichte von Joe, die sich auf der Suche nach Liebe mit jedweden Männern einlässt. Doch wenn die vermeintliche Liebe kommt, ist sie abgestumpft. Nacktheit ist im Film fast Pflicht. Er wechselt zwischen leisen, melancholischen Tönen zu lautem überdrehtem Geschrei. Zwischen diesen beiden Nuancen kommt immer wieder eine peinlich berührte, bedeutungsschwangere Stille zum Tragen. Ein Schweigen, das gefüllt werden will. Zudem weist der Filme ungewöhnliche Vergleiche auf. So werden die verschiedenen Sex-Partner mit einem polyphonen Bach-Stück verglichen oder die Jagd nach einem Sexualpartner mit der Kunst des Fliegenfischens.

Seit dem Ende des Films bin ich hin und her gerissen, ob ich mir den nächsten Teil beziehungsweise die nächsten beiden Teile anschauen möchte. Joes Erzählungen haben mich nicht sehr berührt, doch die Unterhaltungen, die sie mit Seligman führt, umso mehr.