DVD: Wind River

Krasser Film! Einer der besten Filme, die ich seit Langem gesehen habe. Mir ist es kalt den Rücken runtergelaufen – selbst bei 26 Grad Außentemperatur. Die Farben, der Schnee, die karge Landschaft, wenig Worte: Die Atmosphäre spiegelt den Inhalt des Films wider. Die grandiosen Leistungen der SchauspielerInnen runden das Werk perfekt ab.

Wind River Cover

Bild: Wild Bunch Germany

Im Indianerreservat (irgh, doofes Wort. Gibt es eine bessere Bezeichnung?) Wind River in den Bergen des US-Bundesstaates Wyoming findet der Jäger Cory Lambert die Leiche einer jungen Frau. Sie liegt barfuss und überhaupt viel zu dünn angezogen im tiefen Schnee. Jemand hat sie übel zugerichtet. Cory erkennt in ihr die 18-jährige Natalie. Der Polizist des Reservats und das FBI werden aktiv. Was ist passiert? FBI-Agentin Jane Banner gibt offen zu, dass sie noch unerfahren ist und bittet Lambert um Hilfe. Gemeinsam machen sie sich daran, den Fall aufzuklären. Dabei kämpft sie mit ihrer Unsicherheit, er mit seiner Vergangenheit. Zwischen den beiden entwickelt sich Schritt für Schritt eine ganz eigene Verbindung.

Es gab nur eine einzige Sequenz im Film, bei der ich mich gefragt habe, ob sie zum einen realistisch ist und zum anderen nicht hoffnungslos übertrieben. Doch dann sagt Lambert die Worte:

“Well, you know, luck don’t live out here. Luck lives in the city. It don’t live out here. You know, that’s whether you get, you know, hit by a bus or not. Whether your bank is robbed or not, or whether someone’s on their damn cell phone when they come up to a crosswalk, that’s luck. That’s winning or losing. Out here, you survive or you surrender. Period. That’s determined by your strength and by your spirit. Wolves don’t kill unlucky deer. They kill the weak ones.”

Als ich das gehört habe, hat sich die Szene perfekt in den Film gefügt. Either you kill or you get killed. Außerdem zeigt diese Szene ganz deutlich, was Langeweile bewirken kann, aber auch, dass nicht jeder, der eine Waffen tragen darf, verantwortungsvoll damit umgeht.

Ich bin schon länger ein Fan des Schauspielers Jeremy Renner. In “Wind River” liefert er eine meisterliche Performance ab. Er sagt soviel mehr mit den Worten, die er nicht ausspricht. Jeder Blick, jede Geste, jeder sorgfältig ausgewählte Satz sitzt. Auf Elizabeth Olsen war ich gespannt und sie hat mich überwältig. Sie geht in der Rolle der Jane Banner komplett auf, fällt nie aus ihrer Rolle. Die Chemie zwischen Renner und Olsen ist wie die Verbindung zwischen Lambert und Banner. Das zeigt sich besonders in den stillen Momenten.

Dass der Film auf einer wahren Begebenheit beruht, macht ihn nur noch spannender, ergreifender und auch schockierender. Ich kann “Wind River” nur empfehlen. Gänsehautfeeling vorprogrammiert. Ein super Thriller! Ein packendes Drama! Ein genreübergreifendes Kunstwerk!

Ab 08. Juni auf DVD erhältlich.

Copyright Bild: Metropolitan FilmExport

Advertisements

DVD: Star Wars VIII – Die letzten Jedi

star wars 8 Pack ShotIch bin immer noch niedergeschlagen, dass ich es nicht geschafft habe, “Die letzten Jedi” im Kino zu sehen. Nun kommt der Film auf DVD heraus und ich kann mich ein wenig damit trösten, dass ich zumindest weiß, wie die Geschichte weitergeht. Aber es ist einfach nicht dasselbe, so einen Film, der klar für die große Leinwand gemacht ist, auf meinem kleinen Laptop-Screen zu gucken. Eine riesige Leinwand und Dolby Surround Sound hat gefehlt. Ein bisschen Schwund ist immer. Gern geguckt habe ich ihn trotzdem, auch wenn mir einige Dinge nicht ganz so gut gefallen haben.

Die Geschichte geht nahtlos da weiter, wo “Das Erwachen der Macht” aufgehört hat. Die Erste Ordnung kämpft gegen die Rebellen. Kylo Ren ist verwirrt, Rey weiß nicht, wer sie ist. Die Rebellen versuchen, der Ersten Ordnung zu entkommen, aber diese spüren sie immer wieder auf. Pilot Poe widersetzt sich Befehlen und handelt auf eigene Faust, Finn muss einen Meister-Code-Knacker ausfindig machen. Über all das wacht Generalin Leia, während ihr Bruder Luke versucht, auf der felsigen Insel Ahch-To sich vor seinem Schicksal zu verbergen. Wäre da noch Snoke, der auf seinem steinernen Riesenthron sitzt und macht, dass sich alle unwohl fühlen.

Star Wars 8 Bild

Copyright The Walt Disney Company France

Was mir an Episode VII nicht so gut gefallen hat, sind Rey und Kylo Ren. Ich rede nicht von der schauspielerischen Leistung. Daisy Ridley macht ihre Sache genauso gut wie im ersten Teil und Adam Driver ist einfach toll. Aber die Geschichte zwischen den beiden, hat mich nicht überzeugt. Weder der Zwiespalt, noch die Verbindung, noch die Darstellung ihrer Beziehung. In den Momenten, wo Rey und Ren über Galaxien hinweg verbunden sind, sich sehen, fehlt mir eine überzeugende visuelle Umsetzung. Da wäre mit CGI viel mehr möglich gewesen, als der Film es mir bietet. Die Szenen wirkten sehr platt und einfallslos.

Wer mir dagegen richtig gut gefallen hat, waren die Nebenrollen. Besonders Kelly Marie Tran, die als Technikerin Rose an der Seite von Finn auf Mission geht. Aber auch Laura Dern als Vice Admiral Amilyn Holdo und Lupito Nyong’o als orakelähnliche Maz Kanata sind großartig. Neben Adam Driver bin ich auch ein großer Fan von Oscar Isaac als Pilot Poe Dameron. Und dann ist da noch Carrie Fisher als Generalin Leia. Sie leitet alles mit ruhiger, weiser Hand. Eine Star Wars Ikone! Eine letzte Episode ohne sie ist für mich unvorstellbar. Ich bin gespannt, was sich die Macher einfallen lassen.

null

Copyright 2017 Lucasfilm Ltd. & ™, All Rights Reserved. / Jonathan Olley

Es fühlt sich ein wenig so an, als wäre Star Wars in die Pubertät gekommen und nicht bereits eher ein alternder Greis. Eine Mischung aus Ambivalenz und Aufmüpfigkeit auf der einen Seite, auf der anderen das Festhalten an dem, was schon immer funktioniert hat. “Star Wars VIII – Die letzten Jedi” hat seine Schwächen, aber es ist Star Wars, das Entfliehen in eine andere Welt, eine andere Galaxis. Das einfache Gut gegen Böse und zwei die sich nicht sicher sind, auf welche Seite sie gehören. Das klappt sehr gut.

“Die letzten Jedi” ist immer noch ein toller Film. Doch im Vergleich zu den ersten Teilen, büßt er einiges an Qualität und Spannung ein. Die Skywalker-Saga ist mittlerweile einfach zu lang. Sie zieht sich hin und dann gehen auch irgendwann die Ideen aus. Aber es ist immer noch Star Wars und Star Wars ist grandios – keine Frage. Ich schaue jede Episode gerne. Ich kann mich über die schlechte Chemie zwischen Anakin und Padme freuen und den Atem bei heiklen Verfolgungsjagden durch die Galaxis anhalten. Star Wars ist einfach Kult – und das zu Recht.

Ab 26. April auf Blu-ray und DVD erhältlich.

Copyright Titelbild: Disney

DVD: Amelie rennt

“Amelie rennt” ist eine schöne Coming-of-Age Geschichte mit talentierten NachwuchsschaupspielerInnen vor wunderschöner Kulisse.

Amelie kommt nicht aus Berlin, Amelie ist Berlin. Frech, stur, unhöflich. Alles, was den Menschen aus der Hauptstadt nachgesagt wird, verkörpert die 13-jährige. Ein Problem gibt es nur: Ihre Eltern beschließen, dass Amelie die Großstadt verlassen muss. Es geht nach Südtirol in die Alpen. In den idyllischen Bergen zwischen Tannen und Weiden steht nämlich eine hervorragende Lungenklinik. Die Ärzte und Betreuer dort geben sich große Mühe, Amelie mit ihrem Asthma zu helfen. Doch Amelie hat keine Lust auf Klinik und Atemübungen. Sie reißt aus. Dorthin, wo es keiner vermutet: Immer den Berg rauf. Auf ihrem Weg zum Gipfel trifft sie den 15-jährigen Herdenmanager Bart. Dieser erzählt Amelie von dem Gipfelfeuer, das Wünsche erfüllt, wenn man über es springt. Und schon hat sich das sture Kind in den Kopf gesetzt, solange weiter zu klettern, bis sie einmal einen Satz über das Feuer gewagt hat.

Amelie rennt Poster

Poster: Farbfilm Entertainment

Amelie und Bart haben manchmal etwas von Heidi und dem Geißenpeter. Nur einen Almöhi gibt es nicht. Dafür eine Kuh, die sich am Bein verletzt hat und eine Steffi, die zu jeder (un)passenden Gelegenheit hereinschaut. Mit Mia Kasalo als Amelie und Samuel Girardi als Bart hat Regisseur Tobias Wiemann ein Duo gefunden, das vor der Kamera sehr gut harmoniert. Die beiden ergänzen sich vorzüglich und es ist ihnen anzumerken, dass sie viel Spaß an der Arbeit vor der Kamera haben. Aber auch die anderen Mitglieder des Casts sind durchaus sehenswert. Jasmin Tabatabai mag ich eh sehr gerne, auch wenn sie hier als strenge Ärztin und Leiterin der Klinik Dr. Murtsakis nicht zu hundert Prozent überzeugt. Susanne Bormann und Denis Moschitto als Amelies Eltern funkionieren getrennt, aber nicht so gut zusammen. Was aber auch daran liegen kann, dass die beiden ein Scheidungspaar sind. Unheimlich gerne mochte ich Jerry Hoffmann als Betreuer Matthias. Hier gilt: Wenige SchauspielerInnen, gute Qualität.

“Amelie rennt” nähert sich auf gefühlvolle Art und Weise dem Thema Behinderung, die auf den ersten Blick keine zu sein scheint. Natja Brunckhorst hat ein tolles Drehbuch geschrieben, in dem die Dialoge gut funktionieren. Die Jugendsprache zwischen den beiden Jugendlichen ist genauso authentisch, wie die Gespräche zwischen den Erwachsenen. Obwohl der Film ein ernstes Thema behandelt, wird er nie kitschig oder drückt auf die Tränendrüse. Er ist unterhaltsam, lustig und mitunter spannend. Weiß man, wie der Film ausgeht: Ja, sofort. Doch hier ist tatsächlich die Reise das Ziel.

Ich glaube, “Amelie rennt” ist ein Film, der Jugendlichen Mut machen kann, sich nicht unterkriegen zu lassen. Manchmal ist es aber auch gut, sich Hilfe zu holen oder helfen zu lassen. Alles in allem macht es Spaß, den Film anzuschauen. Eine witzige Teenie-Komödie mit Herz.

Ach ja! Und nicht vergessen: “Nicht erschrecken! Ich bin’s nur: die Steffi!”

Ab 20. April auf DVD erhältlich.

Copyright Titelbild: Lieblingsfilm / Martin Schlecht

DVD: Gauguin

In “Gauguin – Voyage de Tahiti” geht es um die erste Reise, die der Maler Paul Gauguin nach Tahiti, damals noch Französisch Polynesien, gemacht hat. In Paris fühlt sich Gauguin eingeengt. Er kommt mit den strengen Regeln nicht klar. Auch verstehen die Menschen seine Kunst nicht. Kurz entschlossen macht er sich auf den Weg nach Tahiti. Seine Frau und die fünf Kinder lässt er in Paris zurück. Nach wenigen Monaten schreibt seine Frau ihm dann auch, dass sie und die Kinder nicht nachkommen werden und dass sie auf Drängen ihrer Familie hin, die Scheidung einreiche. Der sowieso schon labile Künstler fällt in ein Loch. Er verliert das Bewusstsein und wacht im Krankenhaus wieder auf. Der dortige Arzt rät ihm, wieder nach Frankreich zurückzukehren. Doch davon möchte Gauguin nichts wissen. Als er die junge und schöne Tahitianerin Tehura an seiner Seite weiß, erwacht in ihm neuer Lebenswille.

Gaugin Poster

Poster: StudioCanal Deutschland

“Gauguin” ist ein Arthouse Film. Stellenweise habe ich das sehr deutlich gemerkt. Es wird viel mehr angedeutet, als tatsächlich gezeigt. Der künstlerische Aspekt steht sehr im Vordergrund. Das Malen, die Posen, der Dschungel, das Meer, alles wird in Szene gesetzt. In den Einstellungen, in denen Tehura für Gauguin posiert hat, war zu sehen, dass sich an den bekannten Bildern des Malers orientiert wurde. Das fand ich gut. Direkt am Anfang bekommen die ZuschauerInnen zu lesen, dass der Film sich am Buch “Noa Noa” anlehnt, dass wiederum auf Gauguins Tagebüchern aufbaut, die er in der Zeit geschrieben hat. Vielleicht kommt es daher, dass der Film mir das Gefühl vermittelt, dass etwas fehlt. Wer weiß, wie akribisch Gauguin sein Tagebuch geführt hat. Die ZuschauerInnen bekommen nur Bruchstücke zu sehen, die sich wie eine Collage zu einem Film zusammenfügen. Mich haben die Szenenwechsel öfter verwirrt und ich musste mich erst zurechtfinden. In einer Minute sitzt Gauguin noch mit seinen Freunden in einer Spelunke in Paris, in der nächsten hockt er auf einem Schemel und malt, während draußen die polynesische Regenzeit wütet.

Generell wird in diesem Biopic wenig gesprochen. Das hängt zum einen mit der Sprachbarriere zusammen, zum anderen aber auch damit, dass Gauguin nicht der angenehmste Zeitgenosse war und Menschen ihn – so scheint es zumindest – eher gemieden haben. Die Kommunikation zwischen Tehura und Gauguin findet in einer Mischung aus Französisch, Polynesisch (?), Blicken und Körperkontakt statt. Gesten sagen halt mehr als tausend Worte.

Auch wenn “Gauguin” für meinen Geschmack nur an der Oberfläche kratzt, gibt er doch einen guten Einblick, dass der namensgebende Künstler meist kein sympathischer Mensch war. Sehr egoistisch, egozentrisch und herrisch. In einer Szene kommt Gauguin nachts nach Hause. Seine Frau liegt nackt auf dem Bett und weint. Anstatt zu fragen, was denn los sei und ob etwas passiert sei, raunt er sie an, sie solle sich nicht bewegen. Er muss sie erst auf Papier festhalten – die perfekte Pose. Aber Gauguin sagt in dem Film auch, dass manche Menschen es nie verstehen werden, was es heißt, ein Künstler zu sein. Wenn es um solche Szenen geht, gehöre ich definitiv dazu.

“Gauguin – Voyage de Tahiti” hat mich nicht fesseln können; weder ein recht hervorragender Vincent Cassel als Paul Gauguin noch die schöne Insel mit ihren freundlichen Menschen. Der Film ist sehr seicht und traut sich, trotz Arthouse Status nicht, dahin zu gehen, wo es richtig weh tut. Das hätte dem Drama, meiner Meinung nach, gut getan. So bleibt er leider nur mittelmäßig.

Seit 08. März auf DVD erhältlich.

Titelbild: Copyright Move Movie/Studio Canal/NJJ Entertainment

DVD: Bad Moms 2

Es ist einen Tag nach dem Internationalen Weltfrauen Tag. Was passt da besser, als sich einen Film über Frauen anzugucken. In diesem Fall sind es Mütter, selbsternannte schlechte Mütter. Ist das wirklich so? Im ersten Teil haben wir ja schon erfahren, dass die Gesellschaft sie zu schlechten Müttern macht, sie deshalb aber nicht zwangsweise welche sind. In “Bad Moms 2” geht der Spaß weiter. Diesmal sind auch die Mütter der schlechten Mütter am Start. Und die sind kein bisschen besser oder schlechter als ihr Nachwuchs.

Bad Moms 2 Poster

Bilder: Tobis Film

Es ist kurz vor Weihnachten. Amy, Kiki und Carla sind voll im Stress. Das Fest der Liebe soll wie immer perfekt werden. Blöd nur, wenn die Vorstellungen von perfekt so weit auseinanderliegen wie bei Amy und ihrer perfektionistischen Mutter, die nur auf Außenwirkung bedacht ist. Kikis Mutter dagegen erkennt keine Grenzen an und möchte jede wache (aber auch schlafende) Minute mit ihrer Tochter verbringen. Da ist Carlas Mutter das ganze Gegenteil. Sie schaut nach drei Jahren bei ihrem Nachwuchs vorbei, um sich Geld zu leihen. Als wenn die festliche Jahreszeit nicht schon kompliziert genug wäre, müssen sich unsere drei schlechten Mütter auch noch mit ihren eigenen Müttern auseinandersetzen. Da sind Chaos, Komplikationen und Streit vorprogrammiert. Die vorgetäuschte Familienidylle macht es schwer, tatsächlich fröhlichen Weihnachten zu zaubern.

Mehr oder weniger durch Zufall habe ich den ersten Teil von “Bad Moms” gesehen. Ich war tatsächlich positiv überrascht. Die Komödie war bei weitem nicht so furchtbar und mit Fremdschäm-Momenten durchzogen, wie ich das gedacht habe. So milde gestimmt, habe ich mir den Nachfolger angesehen. Er war wie der Vorgänger nicht schlecht. Klar, alles ein wenig übertrieben, am Ende sehr auf die Tränendrüse gedrückt. Aber es sind  auch viele Szenen enthalten, bei denen ich Schmunzeln musste. Und jede_r, wirklich jede_r, wird irgendwo irgendwann ihre/seine eigene Mutter erkennen können.

Ich mag besonders die Paarung Kathryn Hahn und Susan Sarandon als Carla und ihre Rockerbraut-Mutter. Die beiden harmonieren sehr gut und es ist zu spüren, wo Carla ihren Humor her hat. Christine Baranski spielt Amys (Mila Kunis) überambitionierte Mutter. Als ich die erste Szene mit den beiden gesehen habe, dachte ich mir, dass Amy auch Leonard Hofstadters Schwester sein könnte. Baranskis Rolle ist ihrem Charakter als Beverly Hofstadter in The Big Bang Theory sehr ähnlich. Kristen Bell als graue Maus Kiki hat mir in der Fortsetzung sogar besser gefallen, als im Original.

Wie zu erwarten, ist “Bad Moms 2” nicht tiefgründig oder weltbewegend. Aber es ist zweifellos eine Komödie, die ihren Namen verdient hat. Es war schon ein wenig seltsam, einen Weihnachtsfilm zu schauen, jetzt, da es endlich angefangen hat, wärmer zu werden. Aber die Botschaft, dass wir nicht alles mitmachen müssen, weil wir glauben, dass es von uns erwartet wird, gilt ja nicht nur an Weihnachten. Für einen Klischee Mädelsabend, zum Vorglühen oder einem Abend auf der Couch mit seichter Kost eignet sich beide Teile von “Bad Moms”alle mal. Manchmal macht es einfach mehr Spaß, nur auf dem Trampolin zu hüpfen, als sich durch eine fünf Stunden Oper zu quälen.

Ab 09. März auf DVD erhältlich.

 

DVD: What happened to Monday?

In der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts sind die Ressourcen knapp, die Welt überbevölkert und Lebensraum platzt aus allen Nähten. Daher hat die Regierung eine Ein-Kind-Politik entwickelt. Tragisch! Vor allem, weil manipulierte Lebensmittel mehrfach Geburten provozieren. Bei der Geburt von Siebenlingen stirbt ihre Mutter. Die Mädchen wachsen bei ihrem Großvater auf. Liebevoll nennt er sie nach den Tagen der Woche: Monday, Tuesday, Wednesday, Thursday, Friday, Saturday und natürlich Sunday. Als die Mädchen alt genug sind, darf immer diejenige die Wohnung verlassen, deren Name mit dem Wochentag übereinstimmt. So wachsen die Kinder immer wachsam in einer verstörenden Welt auf. Dreißig Jahre später ist ihr Großvater gestorben und aus den Mädchen sind Frauen geworden. Es ist Sonntag. Sunday verlässt das Haus, geht zur Arbeit und kehrt abends wohlbehalten wieder zurück. Die Gruppe hält ihr mitternächtliches Treffen ab, bei dem sie sich über die Ereignisse des Tages austauschen. Doch am nächsten Tag passiert das Unvorstellbare: Monday kommt nicht mehr zurück nach Hause. “What happened to Monday?” ist die große Frage, die sich alle stellen. Besorgt, verstört und ängstlich machen sich die anderen auf die Suche nach ihr. Jede mit ihren eigenen Fähigkeiten. Es beginnt ein Wettlauf gegen einen übermächtig scheinenden Feind.

What happened to Monday Poster

Bilder: splendid Film GmbH

“What happened to Monday?” ist spannend und schnell und noch besser, als ich ihn mir erhofft habe. Noomi Rapage, die alle sieben Frauen spielt, ist sooo unfassbar gut in jeder einzelnen Rolle. Sie gibt jeder ihren ganz eigenen Charakter. Abgesehen davon, dass in der Wohnung jede Schwester anders aussieht, schafft es Rapage den Look und die Persönlichkeit einer jeden anzupassen. Auch wenn alle Frauen gleich aussehen, wenn sie ihre Perücken tragen, schafft es die Schauspielerin, dass die ZuschauerInnen sie unterscheiden können. Eine grandiose Leistung. Fast einen ganzen Film nur mit sich selber zu spielen, stelle ich mir sehr schwer vor, aber Rapage schafft das scheinbar mühelos. Ich konnte mich an ihr nicht satt sehen. Es ist nicht schwierig, einen Lieblingswochentag zu haben, obwohl ja eigentlich alle gleich sind.

Regisseur Tommy Wirkola hat eine dystopische, jedoch sehr realistische Welt geschaffen. Das macht Angst. Ich habe mich zwischendurch gefragt, wie es wäre, wenn es meinen jüngeren Bruder nicht geben würde. Ist sein früherer Film “Dead Snow” neben blutigem Zombiegemetzel stellenweise sogar lustig, gibt es hier nichts zu lachen. Auch wenn teilweise ebenfalls viel Blut fließt. Die Skrupellosigkeit der Beamten/Agenten und die Hartherzigkeit der Behörden sind erschreckend. Macht und Privilegien bringen oft sehr unschöne Seiten zum Vorschein, besonders, wenn diese in Frage gestellt werden.

Enttäuscht hat mich leider das Ende. Der Showdown war meines Erachtens zu lang und die Auflösung wiederum zu “Happy End”, die nicht zum Rest des Films gepasst hat. Trotzdem ist “What happened to Monday?” ein fesselnder Action-Thriller. Für mich eine wirkliche Überraschung und absolut sehenswert.

Ab 23. Februar auf DVD erhältlich.

DVD: Borg/McEnroe

Tennis – ein Sport dem ich wenig abgewinnen kann. Meine Oma war immer ein großer Fan dieses Ball-hin-und-hers. Oft kam es vor, dass meine Oma in ihrem Zimmer unterm Dach saß (ja, meine Oma hat lange bei uns gelebt) und mein Vater im Wohnzimmer vor dem Fernseher hockte und sie sich beide dasselbe Tennis-Match angeguckt haben. Wenn das Spiel vorüber war, kam meine Oma dann oft die Treppe herunter gepoltert und ins Wohnzimmer gestürmt: “Nee, war dat spannend!”, rief sie dann immer voller Freude. Einfach die Erinnerung an diese Momente hat mich dazu bewegt, “Borg/McEnroe” anzuschauen.

BorgMcEnroe Poster

Bilder: Ascot Elite Entertainment

Der Film arbeitet auf die Begegnung der beiden Tennis-Größen im Wimbeldon Finale 1980 hin. Auf dem Weg zum “Duell zweier Gladiatoren” – so der Untertitel – lernen die ZuschauerInnen den Werdegang der beiden Tennislegenden kennen. Der schwedische Mädchenschwarm Björn Borg und der rüpelhafte, jähzornige John McEnroe könnten verschiedener nicht sein. Der alte Hase, ruhig und zurückgezogen, bereitet sich akribisch auf jedes Match vor und hat bereits vier Mal die Trophäe in der Hand gehalten. Der Neuling, wüst und streitlustig, verlässt sich auf sein Können und seinen Kämpfergeist. In Rückblenden erzählt das Biopic von der Kindheit und dem Werdegang der beiden Profis.

Regisseur Janus Metz Pedersen hat mit “Borg/McEnroe” ein fesselndes Sport-Drama geschaffen. Es packt einen von der ersten Minute an. Dabei passiert eigentlich gar nichts. Die beiden Hauptdarsteller Sverrir Gudnason als Björn Borg und Shia LaBeouf als John McEnroe haben ein sehr gutes Gespür für ihre Charaktere. Ich muss dazu sagen, dass ich Shia LaBeouf als Schauspieler nicht wirklich mag. Aber als McEnroe hat er mir gut gefallen. Porträtiert er doch eine unangenehme Person, die meine Vorstellung von LaBeoufs Wesen sehr nahe kommt. Trotzdem muss ich anerkennen, dass er eine gute Leistung abliefert. Gudnason gefällt mir jedoch bei weitem besser. Seine leise, durchstrukturierte, überlegte Person liegt mir einfach mehr. Besonders das Zusammenspiel mit seiner Verlobten Mariana (Tova Novotny) und seinem Trainer (Stellan Skorsgård) ist sehr gut abgestimmt. Dass diese Unterhaltungen auf Schwedisch verlaufen, trägt für mich zur Authentizität des Films bei.

“Borg/McEnroe” trifft die richtige Mischung aus ruhigen Tönen und Tennis-Action. Selbst während des letzten, alles entscheidenden Spiels bleibt Zeit zu reflektieren. Das erhöht die Spannung. Dabei war ich sehr überrascht, dass das Finale nicht langatmig oder gar langweilig war. In diesem letzten Spiel gipfeln die Emotionen der beiden Kontrahenten. Auf Augenhöhe kommt es einzig und allein darauf an, wer den kühleren Kopf bewahrt. Die Anspannung findet nicht nur auf dem Bildschirm statt, sondern auch davor. Die BeobachterInnen dieses Schlagabtauschs sind am Ende genauso (nervlich) fertig wie die beiden Spieler selber.

Auch wenn Tennis nicht mein Sport ist, muss ich es doch mit den Worten meiner Oma ausdrücken: “Nee, war dat spannend!”

Ab 23. Februar auf DVD erhältlich.