Middlesex (2)

Middlesex

Bild: Picador USA

“Outside, the Muslim Girls Training and General Civilization Class installed silkworm trays. They worked in silence, daydreaming of their various things. Ruby James was thinking about how handsome John 2X had looked that morning, and wondered if they would get married someday. Darlene Wood was beginning to get miffed because all the brothers had gotten rid of their slavenames but Minister Fard hadn’t gotten around to the girls yet, so here she was, still Darlene Wood. Lily Hail was thinking almost entirely about the spit curl hairdo she had hidden up under her headscarf and how tonight she was going to stick her head out her bedroom window, pretending to check the weather, so that Lubbock T. Hass next door could see. Betty Smith was thinking, Praise Allah Praise Allah Praise Allah. Millie Little wanted gum.”

  • Jeffrey Eugenides – Middlesex
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Middlesex

Middlesex

Bild: Picador USA

“You used to be able to tell a person’s nationality by the face. Immigration ended that. Next you discerned nationality via the footwear. Globalization ended that. Those Finnish seal puppies, those German flounders – you don’t see them much anymore. Only Nikes, on Basque, on Dutch, on Siberian feet.”

  • Jeffrey Eugenides – Middlesex

Istanbul

Istanbul

Bild: S. Fischer Verlage

“Wann immer ich von der Schönheit und Poesie Istanbuls, des Bosporus, den dunklen Straßen schwärme, warnt mich eine innere Stimme davor, es den Autoren vor mir gleichzutun und den Glanz der Stadt zu überzeichnen, um mir damit über die Unzulänglichkeiten meines eigenen Lebens hinwegzuhelfen. Kommt die Stadt uns schön und verzaubert vor, so sollte doch auch unser Leben so sein. Wenn diese Autoren sich am Reiz der Stadt berauschen, ergötze ich mich zwar an ihren Geschichten und ihrer blumigen Sprache, doch kommt mir unwillkürlich in den Sinn, daß diese Leute eben nicht mehr in den von ihnen beschriebenen Gegenden lebten, sondern der Bequemlichkeit des modernen Istanbul den Vorzug gaben.”

  • Orhan Pamuk in Istanbul – Erinnerungen an eine Stadt

Trotzki

Meine Schwester Frida

Bild: Fischer Verlag

“Es war keineswegs ungefährlich, Trotzki Unterschlupf zu gewähren, aber das war ein zusätzlicher Anreiz für Diego. Diego liebte Aufregungen! Er liebte das Risiko! Mein armer Vater war völlig verwirrt und wusste nicht einmal, wer Trotzki überhaupt war: “Ich hoffe, dieser arme Mann hat nichts mit Politik zu tun! Heutzutage ist es gefährlich, sich in die Politik zu mischen!”, sagte er in einem fort.

Was soll ich Ihnen von León Trotzki berichten? Er hatte unglaublich blaue Augen – Augen wie weite, unergründliche Seen oder wie Felder voller Hyazinthen. Man konnte sich in diesen Augen verlieren, in ihrem Blau untergehen. Sie schluckten einen regelrecht und ließen alles andere vergessen. Er trug eine Brille mit einem Gestell aus Schildpatt, wie ein Ufer oder ein Wiesenrad, an dem alles braun und golden wird. Diese Brille, also, manche können ja keine Brille tragen, aber Leóns Brille zog die Blicke an und verlockte einen, in diese geheimnisvollen Augen zu sehen. Trotzki strahlte eine ungeheure Intensität aus. Wenn er ging, marschierte er wie ein Soldat im Gleichschritt mit vorgestrecktem Kinn. Kopf hoch, Kinn vor. Manchmal, wenn man gar nicht damit rechnete, dass er einen gesehen hatte, drehte er sich plötzlich um und winkte, sodass sein weißer Kinnbart und die Schnurrbartspitzen zitterten. Er war in jeder Hinsicht fanatisch.”

  • Aus Meine Schwester Frida von Bárbara Mujica

Meine Schwester Frida

Meine Schwester Frida

Bild: Fischer Verlag

“Mein Vater ging mit uns in den Chapultepec-Park, wo Frida auf dem See ruderte. Sie lernte sogar Ringen und Boxen, und einmal, als Verwandte zu Besuch waren, verdrosch sie einen unserer Cousins dermaßen, dass er mit blutiger Nase heulend ins Haus lief.

Doktor Costa fand das Ringen für Frida nicht sonderlich passend.

“Himmel und Hölle!”, kicherte Frida, nachdem der Arzt das als geeigneteres Bewegungsspiel für ein junges Mädchen vorgeschlagen hatte.

“Himmel und Hölle!”, echote mein Vater.

Er zwickte Frida in den Ellbogen. “Was fürrr ein unmodernen Mann”, flüsterte er. “Errr mit seinem Himmel und Hölle.”

  • Bárbara Mujica – Meine Schwester Frida

Irre!

Irre

Bild: Goldmann Verlag

“Die Tyrannei der Normalität lebt von der großen Illusion der ewigen Weiterexistenz des Normalen und der Flüchtigkeit des Außergewöhnlichen. Dabei wird es wohl eher umgekehrt sein. Denn das Normale ereignet sich nicht, es ist nur der Hintergrund für das Eigentliche. Im Grunde existiert das Normale nicht, denn es hat keine Substanz. Die Frage nach der Ewigkeit stellt sich erst angesichts der Unwiederholbarkeit eines Menschen, und wer da genauer hinsieht, kann die Außergewöhnlichkeit eines jeden Menschen gewahren. Dann kommen in hellen Momenten sogar hinter dem Schleier der wohlanständigen Normalität all der Normopathen die längst vergessenen lebendigen Farben zum Vorschein, und an diese einmaligen Färbungen erinnert man sich, wenn man sich Menschen erinnert.”

  • Manfred Lütz – Irre! Wir behandeln die Falschen, Unser Problem sind die Normalen – Eine heitere Seelenkunde