Filmreise-Challenge #25: Science of Sleep

Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, alle Routen am Stück und der Reihe nach zu bereisen. Das Vorhabe hat nicht lange gehalten. Daher reise ich nun kreuz und quer. Heute bin ich auf Fantasiereise. Für die Aufgabe #25 – Schaue einen Film, in dem Träume ein zentrales Thema sind – habe ich mir den Film “Science of Sleep – Anleitung zum Träumen” (2006) von Regisseur Michel Gondry entschieden.

In diesem Film geht es um Stéphane. Ursprünglich kommt er aus Mexiko, wo sein Vater lebt. Doch nun ist er zu seiner Mutter nach Paris gezogen. Sein Französisch ist holprig. Er versteht nicht alles und drückt sich oft umständlich aus. Das führt zu manch seltsamer Situation. Sowohl auf der Arbeit als auch mit seiner Nachbarin Stéphanie.
Stéphane hat eine blühende Fantasie und sehr lebendige Träume. In seiner Vorstellung hat er eine Fernsehsendung, in der er seine eigenen Träume zusammenstellt. Auch wenn er wach ist, verliert er sich in Tagträumereien. Irgendwann weiß er nicht mehr, was real ist und was geträumt.

Und genau hier liegt das Problem. Auch ich konnte Traum und Realität am Ende nicht mehr auseinanderhalten. Die meisten Traum-Sequenzen haben irgend ein künstlerisches Detail, an dem ich gemerkt habe: “Okay, er träumt.” Sei es der Wasserstrahl aus Cellophanpapier, das aus dem Wasserhahn kommt oder die weißen Wattewolken an der Zimmerdecke. Diese Details werden im Laufe des Films immer wenig, bis sie mehr oder weniger ganz verschwinden. Es bleibt dem Zuschauer überlassen, wie er die Situation einschätzt. Ob diese Unsicherheit die Verbundenheit zu Stéphane und dessen Unsicherheit ausdrücken soll? Kann sein. Meta-Ebene lässt grüßen. Traum und Wirklichkeit verschmelzen und bilden so Stéphanes eigene Welt.

Ich habe tatsächlich noch keinen einzigen Film gesehen, in dem Charlotte Gainsbourg mitgespielt hat, der mich nicht auf irgend eine Weise verstört hat. Bei Lars von Trier-Filmen angefangen über “Everything will be fine” bis hin zu “Samba”; wobei mich in dem Film mehr ihr Charakter als der Inhalt des Films verstört hat. Die Frau ist für Charakterrollen prädestiniert. Ich finde seine hervorragende Schauspielerin. Auch in diesem Werk kommt ihre melancholische Seite zum Ausdruck. Ihre Rolle Stéphanie ist so eine Art Gegenpol für Stéphane. Sie erlaubt sich nicht zu träumen, hält sich immer an die Regeln.
Stéphane dagegen ist ein Außenseiter. Gael García Bernal trifft genau die richtige Note zwischen Genie und Wahnsinn. Bernal entwirft in Stéphane einen ganz eigenen liebenswerten, wunderlichen Charakter. Er fällt niemals aus der Rolle, ganz und gar authentisch. Gainsbourg und Bernal haben mir sowohl alleine als auch im Zusammenspiel unheimlich gut gefallen. Wobei es eine Szene gibt in der Stéphanie sagt: “Heul nicht! Eine Frau findet das unattraktiv!” Dieses Klischéebild hat mir unangenehm aufgestoßen.

Wer mir überhaupt nicht gefallen hat, sind Stéphanes Arbeitskollegin und Arbeitskollegen und die ständigen Anspielungen auf Sex. Das war alles so platt und hat überhaupt nicht zu dem künstlerischen Rest des Dramas gepasst. Außerdem nennt der Chef zwei seiner Angestellten andauernd schwul. Irgendwann sagt er dann nicht mehr schwul, sondern Lesbe. Im Untertitel – der Teil ist auf Französisch – steht: “Schwuler geht noch. Aber Lesbe geht mir zu weit.” Was sollen diese Anspielungen? Das fand ich echt doof und überflüssig. Vor allem, weil ich es kacke finde, Leute anhand ihrer Sexualität zu diskriminieren. Das hat mir den Film echt mies gemacht.

“Science of Sleep” ist ein seltsamer Film mit einer tollen Hauptdarstellerin und einem großartigen Hauptdarsteller. Die künstlerischen Träumerelemente sind sehr gut gemacht, einfallsreich und teilweise witzig. Dennoch hinterlässt das Drama bei mir eine gewisse Ratlosigkeit und einen schalen Beigeschmack; vor allem wegen seinem für mich fragwürdigen Humor.

Titelbild: Prokino Filmverleih (Fox)

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