Filmreise-Challenge #10: Ida

Die Filmreise-Challenge #10: Schau einen Film aus einem osteuropäischen Land. Ich habe mich für das Drama “Ida” (2014) von Regisseur Pawel Pawlikowsi aus Polen entschieden. Dieser Abenteuerurlaub ist der vorletzte Halt auf meiner Weltreise. Den Süden habe ich übersprungen. Wird aber zeitnah nachgeholt.

Ich weiß, ich weiß: Streng genommen liegt Polen in Mitteleuropa, aber ich habe beschlossen, dass es für mich weit genug im Osten ist, um als osteuropäisch zu gelten. Außerdem ist “Ida” ein faszinierender Film, sodass ich noch einen weiteren Grund habe, dass ich ihn für die Reise benutzen möchte.

Ida Poster

Poster: Arsenal Filmverleih

Die junge Anna ist Novizin in einem Kloster auf dem Land. Die Nonnen haben das Waisenkind im zweiten Weltkrieg zu sich geholt. Im katholischen Glauben erzogen und aufgewachsen, möchte sie bald ihr Gelübde ablegen. Doch ehe sie dies tut, überredet die Oberin dazu, ihre Tante Wanda in der Stadt zu besuchen. Wanda, eine dem Zynismus verfallene Alkoholikerin, nimmt Anna mit auf eine Reise in die Vergangenheit. Anna heißt eigentlich Ida und ist Jüdin. Ihre Familie hat den Holocaust nicht überlebt. Die eh schon stille und verschlossene Anna verfällt ins Grübeln. Sie wendet sich ihrem Glauben zu, um Antworten zu finden.

Der Film ist ganz in schwarz-weiß gehalten. Das wirkt zum einen trostlos und spiegelt perfekt die Stimmung des kommunistischen Polen der 1960er Jahre wider. Zum anderen kommt dadurch der Kontrast zwischen der keuschen Anna und der schamlosen Wanda noch deutlicher. Anna trägt eine helle Kutte und versteckt ihre hellen (wahrscheinlich rotblonden) Haare unter einem Kopftuch. Wanda trägt schwarze Kleidung, hat dunkle Haare, trägt hohe Schuhe. Hell ist gut, ist Unschuld und Moral. Dunkel ist böse, ist Verführung und Sünde. Bis kurz vor Ende des Films bleibt diese  Zweiteilung erhalten. Doch es ist Annas Aufgabe, diese zu durchbrechen.

“Ida” ist ein karger, düsterer Film. Die Aufnahmen zeigen eine einsame Welt. Es ist Winter. Die Atmosphäre ist bedrückend und kalt. Die Bildsprache ist gewaltig. Hier zeigt der Regisseur viel mehr durch Gesten und Taten als durch Worte. Musik setzt er spärlich doch effektiv ein. Zeitgenössischer polnischer Schlager trifft auf gedrungene Stille. Der Film ist leise. Er springt den Zuschauer_innen nicht direkt ins Gesicht. Dafür sind die Eindrücke umso lauter. Ich habe gedacht, dass mich das schwarz-weiß und die Ruhe irgendwann langweilen würden. Aber das Gegenteil war der Fall. Mit jeder Minute hat mich dieses Drama immer mehr in seinen Bann gezogen. Ein gefühlsbetontes Stück, ohne kitschig zu sein.

Bild Copyright Opus Film

 

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