Die Filmreise-Challenge #6: Moolaadé

Die Filmreise-Challenge #6 – Weltreise (Pauschalreise): Schaue einen Film aus einem afrikanischen Land.

Ich habe mich für “Moolaadé – Bann der Hoffnung” aus dem Senegal entschieden.

Moolaadé Poster

Poster: Neue Visionen

Lange hatte ich keine Zeit weiterzureisen und es ist auch schon eine Weile her, dass ich den Film gesehen habe. Dennoch berührt er mich immer noch und die Kraft der Bilder wirkt nach. Gesehen habe ich “Moolaadé” im Kino in Köln, als er in der Reihe Lieblingsfilme gezeigt wurde. Beschneidung von Frauen oder weibliche Genitalverstümmelung sind zum Glück Themen, die für mich nie akut waren. Vor vielen Jahren habe ich das Buch “Wüstenblume” von Waris Dirie gelesen. Das war mein erster Kontakt mit dem Thema. Ein Plakat in der U-Bahn hat mich auf den Film aufmerksam gemacht und ich habe nicht bereut, ihn mir angeschaut zu haben.

Das Drama zeigt beeindruckend den Zwiespalt zwischen Tradition und Moderne. Frauen wollen diese Tortur der weiblichen Beschneidung für ihre Kinder nicht mehr. Mütter wollen ihre Mädchen nicht mehr an dieses barbarische Ritual verlieren. Zu stark ist die Erinnerung an die Zeremonie, in denen ihnen im Namen der Tradition “Heilerinnen” die Schamlippen und die Klitoris entfernt haben. Frauen wollen selber über ihre Körper bestimmen und sich nicht mehr nur hörig den Männern hingeben.

Die Zeit für das Ritual ist wieder gekommen. Die “Heilerinnen” (Ich habe sie aus Mangel eines besseren Begriffs so betitelt) wollen vier junge Mädchen aus dem Stamm abholen, um bei ihnen die Beschneidung vorzunehmen. Alle Kinder haben Angst. Da ergreift Collé Ardo die Initiative und verhängt über ihren Hof das “Moolaadé” – eine Art Bann, der es allen, die nicht innerhalb des Hofes leben, verbietet, das Territorium zu betreten. Die Mädchen, die sich in Collé Ardos Obhut befinden, sind sicher, bis diese das “Moolaadé” aufhebt. Ich weiß nicht genau, ob das zu hundert Prozent stimmt, aber es ist das, was ich verstanden habe. Das Dorf, besonders die Männer und die traditionsbewussten älteren Frauen sind in Aufruhr. Wie kann Collé Ardo es wagen, sich gegen das Patriarchat und die Tradition aufzulehnen. Es entfacht ein bitterer Streit.

Der Originalton des Dramas ist senegalesischer Dialekt und Französisch. Geholfen hat da der deutsche Untertitel, der aber ein wenig holprig war. Gesprochen haben die Bilder jedoch meist für sich alleine. Ich kann mir nicht vorstellen, wie es ist, wenn ein Mann über mein Leben bestimmt, er das Recht hat, mich bei Ungehorsam auszupeitschen und er sich meines Körpers bedienen kann, wann und wie er möchte. Traditionen sind so eine Sache, die sehr schwer aus den Köpfen der Menschen zu entwurzeln sind. “Moolaadé” hat mir die Augen noch weiter geöffnet, dass es sich lohnt, mutig zu sein und für das einzustehen, an das ich glaube. Auch wenn die Schauspielkunst nicht überragend und ausgefeilt ist, es keine Spezialeffekte gibt und der Schnitt an manchen Stellen ein wenig unsauber ist, hat Regisseur Ousmane Sembène mit “Moolaadé” bei mir eindeutig Spuren hinterlassen. Unbedingt empfehlenswert!

Copyright Titelbild: Les Films du Paradoxe

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4 thoughts on “Die Filmreise-Challenge #6: Moolaadé

  1. Ma-Go says:

    Oha! Der klingt aber echt krass. Genau für solche Filme ist die Challenge u.a. gedacht.

  2. nomadenseele says:

    80 Euro bei Amazon – schade, ich hätte den Film gerne gesehen.

  3. steffelowski says:

    Puh, klingt nach harter Kost. Hut ab, dass du dich drauf eingelassen hast. Schade, dass der Film so teuer ist; würde mich auch wirklich sehr interessieren.

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