Film: Galloping Mind

Galloping Mind Poster

Bild: Savage Film

“Galloping Mind” habe ich vorletztes Jahr im Zuge eines Filmfestivals in Köln gesehen. Ich saß mit einem Freund zusammen in einem Tanzstudio, das der Besitzer zu einem Kinosaal umfunktioniert hat. Die Leinwand war weit weg und die Stühle unheimlich unbequem. Doch das alles war vergessen, als das eh schon schummrige Licht ausging und der Film anfing. Von der ersten Minute haben die Bilder mich in ihren Bann gezogen.

In dem Drama geht es um Zwillinge, ein Junge und ein Mädchen. Durch einen Zwischenfall kurz nach der Geburt wachsen die beiden Kinder getrennt voneinander auf und wissen auch nicht, dass der beziehungsweise die Andere existiert. Sie leben zwei vollkommen unterschiedliche Leben. Durch Zufall treffen sie sich eines Tages und fühlen sich sofort zueinander hingezogen. Doch die Geschichte dreht sich nicht nur um die beiden Kindern, sondern auch um ihre Eltern und Freunde. “Galloping Minds” erzählt über Schicksal und Zufall, Verlust und Angst, Anziehung und Zusammenhalt. Ein faszinierender Film über ein Geschwisterpaar in einer vermeintlich perfekten Welt. Was auch immer perfekt für den Einzelnen bedeutet.

Der belgische Regisseur Wim Vandekeybus hat mit “Galloping Mind” ein vielschichtiges Drama geschaffen. Der Film ist mit englischen Untertiteln ausgestattet, weil er zwischen französisch, englisch und auch ungarisch wechselt. Das erzeugt aber weder Chaos noch Unverständnis, sondern verleiht den Charakteren und ihrer Darstellung nur noch mehr Authentizität. Die Kommunikation liegt eh weniger in der gesprochenen als in der Körpersprache. Lachen, Blicke und Gesten sagen so viel mehr als auch nur ein Laut. Das ist aber nur möglich, weil alle Schauspielerinnen und Schauspieler verstehen, was sie tun. Dabei ist die Leistung der Kinder noch beeindruckender als die der Erwachsenen. Der Zuschauer wird Teil des Films, ein Teil der Gang oder der Familie. Nichts kann ihn aufhalten, über den Strand zu reiten, von einer Brücke zu springen, unter freiem Himmel zu schlafen. Doch zwischen dieses Gefühl der Freiheit mischt sich etwas beklemmendes, eine Angst, die einen nicht loslässt und gebannt in seinem Sitz verharren lässt.

Das Licht im Film spielt ebenfalls eine große Rolle. Zwischen harten Linien in der Nacht und im Haus und weichen, sonnendurchfluteten Aufnahmen am Strand und im Lager der Gang spiegelt die Beleuchtung die Stimmung der Charaktere und ihrer Beziehung zueinander. Genauso ist es mit der musikalischen Untermalung. Harte Klänge in der Nacht, weiche Klänge, wenn die Geschwister zusammen sind. Beides trägt noch mehr zu der mystischen Seite des Dramas bei und lässt einen noch tiefer in diese bizarre Filmwelt abtauchen.

“Galloping Mind” ist definitiv kein Film für das Mainstream-Publikum. Er ist ein Wagnis. Aber wer es schafft, das Gesehene einfach auf sich wirken zu lassen, wird in eine andere Welt entführt, die es mehr als wert ist, entdeckt zu werden.

 

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