Trotzki

Meine Schwester Frida

Bild: Fischer Verlag

“Es war keineswegs ungefährlich, Trotzki Unterschlupf zu gewähren, aber das war ein zusätzlicher Anreiz für Diego. Diego liebte Aufregungen! Er liebte das Risiko! Mein armer Vater war völlig verwirrt und wusste nicht einmal, wer Trotzki überhaupt war: “Ich hoffe, dieser arme Mann hat nichts mit Politik zu tun! Heutzutage ist es gefährlich, sich in die Politik zu mischen!”, sagte er in einem fort.

Was soll ich Ihnen von León Trotzki berichten? Er hatte unglaublich blaue Augen – Augen wie weite, unergründliche Seen oder wie Felder voller Hyazinthen. Man konnte sich in diesen Augen verlieren, in ihrem Blau untergehen. Sie schluckten einen regelrecht und ließen alles andere vergessen. Er trug eine Brille mit einem Gestell aus Schildpatt, wie ein Ufer oder ein Wiesenrad, an dem alles braun und golden wird. Diese Brille, also, manche können ja keine Brille tragen, aber Leóns Brille zog die Blicke an und verlockte einen, in diese geheimnisvollen Augen zu sehen. Trotzki strahlte eine ungeheure Intensität aus. Wenn er ging, marschierte er wie ein Soldat im Gleichschritt mit vorgestrecktem Kinn. Kopf hoch, Kinn vor. Manchmal, wenn man gar nicht damit rechnete, dass er einen gesehen hatte, drehte er sich plötzlich um und winkte, sodass sein weißer Kinnbart und die Schnurrbartspitzen zitterten. Er war in jeder Hinsicht fanatisch.”

  • Aus Meine Schwester Frida von Bárbara Mujica
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