Kino: Wonder Wheel

 

Wonder Wheel Poster

Bild: Warner Bros. GmbH

Spätestens alle zwei Jahre schmeißt Woody Allen einen neuen Film auf die Leinwand. So fühlt es sich zumindest an. Und daher heißt der neue Streifen aus seiner Feder “Wonder Wheel” benannt nach dem Riesenrad auf Coney Island, dem Vergnügungspark in New Jersey. Genau dort spielt das Drama. Humpty, Ginny und ihr Sohn aus erster Ehe Richie teilen sich ein kleines heruntergekommenes Apartment über der Schießbude des Freizeitparks. Ginny fristet ihr Dasein als Kellnerin im ansässigen Lobsterrestaurant, Humpty betreut das Karussell und der vor-pubertierende Richie zündet liebend gerne Mülleimer an. Diese Idylle wird jäh unterbrochen, als Humptys Tochter Carolina auftaucht und bei ihm Schutz sucht. Sie ist vor ihrem Ehemann, dem Mafia-Gangster, geflohen. Er möchte sie gerne tot sehen, weil sie mehr mitbekommen hat, als ihm lieb ist. Diese illustre Geschichte um Liebe, Enttäuschung, Verzweiflung und verletzter Gefühle erzählt der Rettungsschwimmer Mickey, der eigentlich Dichter und Schriftsteller ist. Bisher hat ihn nur noch niemand entdeckt.

“Wonder Wheel” fühlt sich an, wie ein recycelter Film. Die Geschichte mit Mafia und Betrug erinnert sehr an Café Society. Nur das wir uns diesmal in den 50er Jahren befinden, ungefähr zehn Jahre später. Ginnys Charakter, gespielt von Kate Winslet, ähnelt sehr der Hauptfigur aus Blue Jasmine. Sie meint, sie hat so viel mehr Potential und viel mehr verdient, als ihr alle zukommen lassen. Immer haben die anderen die Schuld. Juno Temple als naive, geläuterte Tochter Carolina hat es mir angetan. Sie ist ein guter Gegenpol zur hoffnungslosen Ginny. Aber sie erinnert stark an das dumme Blondchen (obwohl sie das nicht wirklich ist). Die Erzählweise hat mir gut gefallen. Justin Timberlake als Mickey, Protagonist, Berichterstatter und weissagendes Orakel in einem, ist stellenweise so lakonisch abgeklärt, dass es gut zum Stil des Films passt. Es ist aber nichts neues. Die Stimme aus dem Off benutzt Allen bei weitem nicht zum ersten Mal.

Es ist noch nicht mal, dass die Schauspielerinnen und Schauspieler schlecht spielen. Die Geschichte ist nur einfach langweilig, schon zu oft gezeigt. Sie bringt nichts unvermitteltes, aufregendes, überraschendes. Schon am Anfang ist klar, was am Ende passieren wird. Was im Laufe des Films zunimmt, ist nicht die Spannung, sondern das Geschrei.

Was “Wonder Wheel” dezent sehenswert macht, sind die Kostüme, die Kulisse und besonders, die Beleuchtung beziehungsweise das Licht. Speziell die Szenen im durch die breite Fensterfront gekonnt ausgeleuchteten Wohnzimmer sind ein Traum. Da habe ich schon mal vergessen, dass der Film nur so vor sich hin plätschert. Bis dann doch eine neue Schlacht des ehelichen Bürgerkriegs losgeht, Ginny laut schluchzend in noch mehr Selbstmitleid zerfließt oder der eigentlich trockene Humpty (James Belushi) die Küche auf der Suche nach Alkohol auseinandernimmt.

Ich habe die ganze Zeit darauf gewartet, dass alle anfangen zu singen und das ganze zu einem Musical wird. Das hätte mir definitiv gut gefallen. In meinen Augen hätte das den Film besser gemacht, ein wenig aufgelockert und zur zynischen Stimmung beigetragen. So nach dem Motto: Gute Miene zum bösen Spiel. Die Voraussetzungen wären auf jeden Fall da gewesen. So ist es ein bedrückendes Drama, in dem alle unzufrieden sind. Ein typischer Woody Allen? Ich habe mich gefragt, ob der Titel “Wonder Wheel” aussagt, dass am Ende wieder alles so ist wie am Anfang, es also ein Kreislauf ist. Das würde zu dem Rad passen. Aber ein Wunder habe ich in diesem Drama nicht gefunden. Schade!

Ab 11. Januar im Kino.

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