Deadpool

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Lang, lang ist’s her, seit ich diesen Film gesehen habe, aber wie war das: “Life is what happens while you are busy making other plans!” Hier ist also mein Eindruck von meinem ersten Marvel-Film – und ich hätte mir keinen besseren aussuchen können.

Wade Wilson verdient seinen Lebensunterhalt, indem er als Auftragskiller arbeitet und lebt mit seiner Freundin zusammen ein glückliches Leben. Doch bald ist es mit der Idylle vorbei. Es stellt sich heraus, dass er an Krebs leidet und sterben wird. Um dem zu entgehen, verlässt er bei Nacht und Nebel seine Verlobte und begibt er sich in die Hände des mehr als zwielichtigen Ajax, der diverse unschöne Experimente an ihm durchführt. Nun ist nicht mehr der Krebs, sondern Ajax Wades Gegner, dem es zu entkommen gilt. Nichts leichter als das. Er befreit sich aus den Fängen seines Erzfeindes, nur um herauszufinden, dass er nun zwar enorme Selbstheilungskräfte hat, doch auch (wie er findet) extrem scheiße aussieht. Da kommt der rot-schwarze-Superheldenanzug gerade recht. Und so wird aus Söldner Wade Wilson Deadpool. Bösewicht Ajax möchte die Degradierung nicht auf sich sitzen lassen. Deadpool widerum möchte sich für seine körperliche Verstümmelung rächen. Folglich versuchen die beiden einander kalt zu machen. Immer an Ajax’ Seite ist Angel Dust. Deadpool bekommt Unterstützung von Metallmann Colossus und der explosiven Negasonic Teenage Warhead.

Der Film ist super! Viel Bumm-Bumm, Hau-drauf, Crashs, coole Sprüche, coole Charaktere und tiefschwarzer Humor. Deadpool ist grandios sarkastisch-ironisch, guckt immer wieder direkt in die Kamera und spricht offen mit den Zuschauern. Ich hab mich sofort mehr ins Geschehen eingebunden gefühlt. Eben mittendrin statt nur dabei. Ryan Reynolds macht seine Sache als Deadpool aber auch echt gut. Eingebildet, schon fast an der Grenze zu unerträglich überheblich und trotzdem mit einem weichen Kern; clever mit einem furztrockenen Humor. Alle drei Frauen, egal ob gut oder böse – wobei die beiden Seiten eh sehr verschwommen sind -, sind super. Wobei ich zugeben muss, dass ich seit dem Film ein großer Fan coolen Negasonic (Brianna Hildebrand) bin. Ein paar Gesten reichen, um die anderen Charaktere in ihre Schranken zu weisen. Die wenigen Worte, die sie sagt, treffen, da ist auch Deadpool mal kurzzeitig verdutzt. Der Film ist so großartig, dass mir selbst die Liebesgeschichte nichts ausgemacht hat. Ich sollte mehr (Anti-)Helden-Filme gucken…!

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Easter

I have just come back from a walk through my wonderful neighborhood. While I was approaching an intersection, I saw a gay couple, an elderly german couple and a muslim couple. They were all going their separate ways but were all enjoying the sunshine and the beautiful weather on this (deceivingly) peaceful day.

This leaves me wondering: If we are all enjoying the same things – maybe, just maybe, we are not that different after all!

Happy Easter everybody!

Eine andere Welt

“Als Pythagoras ausrief “Alles ist Zahl”, meinte er nur ganze Zahlen und Brüche. Für ihn lag die Schönheit der Mathematik in der Vorstellung, daß mit diesen einfachen Zahlen alle natürlichen Phänomene zu erklären seien. Diese philosophische Grundannahme machte Pythagoras blind für die irrationalen Zahlen und trieb ihn vielleicht dazu, einen seiner Schüler hinzurichten.”

  • Simon Singh – Fermats letzter Satz (Die abenteuerliche Geschichte eines mathematischen Rätels)

Spotlight

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Spotlight ist ein grandioser Film, der zurecht den Oscar als bester Film bekommen hat. Ein tolles Schauspieler-Ensemble und ein super Regisseur (Tom McCarthy), die das höchst prekäre Thema Pädophilie in der katholischen Kirche, meisterhaft umgesetzt haben.

Das Team der Spotlight-Redaktion ist eine kleine Gruppe bestehend aus vier Journalisten. Es ist Teil der traditionsreichen Zeitung Boston Globe, der sich mit investigativem Enthüllungsstories beschäftigt. Sie haben gerade eine Story abgeschlossen und sind auf der Suche nach einem neuen, vielversprechenden Thema. Zum Teil animiert durch ihren neuen Chefredakteur fängt das Team an, sich mit bereits bekannten Missbrauchsfällen in verschiedenen katholischen Gemeinden in Boston zu beschäftigen. Was sie finden, ist haarsträubend. Je tiefer sie graben, umso mehr vor Dreck bereits stehende Wäsche kommt zum Vorschein. Das Team ist erschüttert, wie weit sich die Kreise des Skandals ziehen und wie manipulativ der Einfluss der Kirche ist. Es geht soweit, dass sie merken, dass es auch jeden von ihnen hätte treffen können.

Der auf wahren Begebenheiten beruhende Film hat mich umgehauen. Als der Abspann lief, habe ich still in meinem Kinosessel verharrt und musste meine Gedanken erstmal sortieren. Da war ganz schön viel Unverständnis und auch ein wenig Hass in mir. Wie kann über so eine horrende Geschichte so lange hinweggesehen worden sein? Was wäre passiert, wenn sich die Journalisten hätten bestechen oder einschüchtern lassen und nicht so beharrlich nach den Wurzeln der Wahrheit gegraben hätten? Mir schwirren immer noch sehr viele Fragen durch den Kopf.

Dadurch, dass sich Spotlight auf die Journalisten und ihre Recherche konzentriert, ist der Zuschauer nah am Geschehen und bekommt die Informationen in verträglichen Dosen verabreicht. Es ist eigentlich mehr ein Film über sehr gut betriebenen Journalismus, als ein Film über den Missbrauchsskandal. Gerade das macht ihn so gut. Denn die Gefühle, die von der Leinwand aus projeziert werden, sind echt. Verwunderung, Wut, Zorn, Trauer, Ungläubigkeit, Zweifel – alle Emotionen kommen ungefiltert beim Publikum an.

Spotlight ist ein Must-See-Movie! Und danach unbedingt Zeit zum Verdauen lassen. Entweder beim Gespräch mit guten Freunden oder bei einem Spaziergang!

The Hateful 8

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Im verschneiten Winter von Wyoming treffen in einer Blockhütte im Nirgendwo acht finstere Gestalten aufeinander. Der Bürgerkrieg ist vorbei, doch ist immer noch eine feindselige Stimmung spürbar. Keiner traut dem anderen auch nur ein Stück über den Weg. “Don’t trust anyone!” scheint das Motto der Acht (oder sind es doch Neun?) zu sein. Wegen eines Schneesturms sitzen zwei Kopfgeldjäger, einer mit  seiner Geisel, der angebliche zukünftige Sheriff von Red Rock, ein Konföderierter, ein alter Südstaaten-General, ein Cowboy, zwei zwielichtige Burschen gemeinsam in dieser Hütte fest. Jeder verdächtigt die Anderen irgendwelcher kruden Machenschaften. Selbst angebliche Kumpanen, sind voll gegenseitigem Misstrauen. Schnell wird klar, dass irgendwas an der ganzen Situation zum Himmel stinkt. Wo sind die Besitzer der Hütte und des darin befindlichen Ladens? Wer sind die ganzen Männer wirklich? Und wer wird die Hütte lebend verlassen? Denn das Blut fließen wird, ist schnell klar.

Wie habe ich mich auf den Film gefreut. Endlich mal wieder ein herrlicher Splatter-Film. Bei Tarantino mag ich sogar den tiefschwarzen Humor dazu. Es dauert zwar ein wenig bis das Gemetzel in die Gänge kommt, aber dann geht’s richtig los. Jeder kriegt sein Fett weg, jeder der Protagonisten kriegt mal einen derben Spruch gedrückt. Die Enge des Raumes und die geniale Kameraperspektive machen den Handlungsspielraum übersichtlich, tragen aber auch zur beklemmenden und bedrohlichen Stimmung bei. Die Schauspieler sind alle samt super. Sie spielen ihre verschrobenen Charaktere mit viel Liebe. Man merkt ihnen an, dass es ihnen Spaß macht, sich mal so richtig verdorben, düster und verwegen zu benehmen. Jennifer Jason Leigh als Geisel steht den Männern dabei in nichts nach. Sie rotzt, rülpst, flucht und spuckt, was das Zeug hält. So gar nicht lady-like und deshalb umso dreckiger. Das einzige, was ich mich in Bezug auf die Schauspieler gefragt habe, ist, ob Tarantino für die Rolle des Oswaldo Mobray (gespielt von Tim Roth) ursprünglich Christoph Waltz im Kopf hatte. Ausdrucksweise, Gestik und Mimik weisen für mich klar darauf hin. Aber Tim Roth spielt die Rolle exzellent, daher will ich mich nicht beschweren.

Der Film ist mit fast drei Stunden Laufzeit lang – ja, aber der kleine Gimmick in der Mitte des Sterbens ist ein gelungener Streich und schafft Zeit, damit das Publikum sich refokusieren kann.

Die Story ist plausibel, aber am Ende bleiben doch noch ein paar Fragen offen. Wer Tarantino nicht mag und mit Splatter nichts anfangen kann, wird diesem Film nichts abgewinnen können. Wer Tarantino mag, kommt an The Hateful 8 nicht vorbei. Vielleicht nicht Tarantino at his best, aber schon kurz davor.