“The truth was very different from what we learned at school. The truth was that the line between the living and the dead could be, it seemed, murky and blurred.”

  • Alice Sebold – The Lovely Bones

Truth

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Brooklyn

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In Brooklyn (- Eine Liebe zwischen zwei Welten) geht es um Eilis, die Anfang der 50er Jahre ihr irisches Heimatdorf verlässt und sich auf den Weg nach New York, genauer gesagt Brooklyn, macht. Obwohl sie ein schönes neues Zuhause in einem Boarding House findet und der Pfarrer der irischen Gemeinde ihr einen Job im Kaufhaus besorgt hat, ist sie tottraurig und hat herzzerreißendes Heimweh und vermisst ihre Mutter, aber besonders ihre ältere Schwester sehr. Das alles ändert sich, als sie Tony kennenlernt, einen adretten Mann aus einer italienischen Einwandererfamilie. Alles ist perfekt, bis Eilis einen Anruf aus Irland erhält, der alles wieder verändert.

Brooklyn hat eine schöne, aber vorhersehbare Geschichte. An Emotionen ist von Himmel-hoch-jauchzend bis zu-Tode-betrübt alles dabei. Er hat definitiv auch seine kleinen überraschenden Momente, doch nichts Unvorhergesehenes. Eilis ist für die Zeit, in der sie lebt, sehr selbstbewusst und forsch. Doch bleibt sie (fast) immer ihren ganz eigenen Prinzipien treu. Das Frauenbild, welches der Film porträtiert, gefällt mir sehr gut, doch da ich nicht ganz so romantisch veranlagt bin, war es einfach nicht meine Art von Film (zumindest nicht zu dem Zeitpunkt). Seoirse Ronan spielt die junge, dynamische Eilis sehr überzeugend und sie ist diejenige, die den ganzen Film zusammenhält. Obwohl dieser Film nicht langweilig ist, hatte ich das Gefühl, dass er eher vor sich hin plätschert. Selbst als die Story eine Wendung nimmt, ist das Ende vorprogrammiert. Wenn es anders gekommen wäre, dann wäre es eine Überraschung gewesen. So hat mir einfach die Spannung gefehlt. Es ist durchaus ein ansehnlicher Film und für einen romantischen Abend sehr empfehlenswert. Spannungsgeladene Aktion oder schenkelklopfer Comedy bietet dieses Drama aber nicht.

The Revenant

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Trapper Hugh Glass zieht am Anfang des 19. Jahrhunderts mit einer Expedition durch das Gebiet um den Missouri. Der sonst so erfahrene Mann ist nur einen Moment unachtsam und schon sieht er sich einer wütenden Bärenmutter gegenüber, die ihn umbringen will. Nur mit Mühen kann er sich retten. Da ein Indianerstamm den Expeditionstrupp jagt, entscheidet der Anführer der Expedition Captain Andrew Henry, Glass mit seinem Sohn und zwei anderen Trapper zurückzulassen. Sie sollen so schnell wie möglich nachkommen. Durch widrige Umstände muss Glass mitansehen, wie John Fitzgerald – einer der beiden Trapper – seinen Sohn umbringt und danach versucht, ihn selber lebendig zu begraben, da Fitzgerald davon ausgeht, dass Glass eh an seinen Verletzungen verenden wird. Glass überlebt, schwört Fitzgerald Rache und macht sich auf den Weg, es allen heimzuzahlen, die sich an ihm und seiner Familie vergangen haben.

The Revenant (- Die Rückkehrer) ist voller Rachsucht und Hass. Das spiegelt sich auch in der kalten, eisigen Landschaft wieder. Das war für mich das schönste am ganzen Film. Die Landschaftsaufnahmen sind spektakulär. Es ist bemerkenswert, dass Regisseur Alejandro González Inárritu darauf bestanden hat, nur in natürlichem Licht Alaskas zu filmen, auch wenn das bedeutete, dass zum Filmen nur ungefähr eine Stunde am Tag zur Verfügung stand. Davon profitiert die düstere Stimmung des Films ungemein. Das unschuldige weiß des Schnees ist ein starker Kontrast zum rauen Felsgestein. Genauso wie der reißende Fluss im Gegensatz zum stillen, unheilverkündenden Wald steht. Rohe Gewalt spiegelt sich in der Einöde der Natur. Die Symbolik der Landschaftsbilder des Films ist atemberaubend.

Die Story des Films hat mich nicht überzeugt, was vor allem an der Hauptfigur liegt. Ich habe das Gefühl, dass in den USA im Moment ein Bedürfnis herrscht, die Vergangenheit aufzuarbeiten. Erst 12 Years A Slave, dann Selma und nun ist es anscheinend an der Zeit, sich mit den Ureinwohnern auseinanderzusetzen. Doch der Konflikt zwischen den Native Americans und den Siedlern beziehungsweise Trappern steht nicht im Vordergrund, obwohl das Thema definitiv einen eigenen Film verdient hat.

Ansonsten hat The Revenant  – auch wenn er wohl auf wahren Begebenheiten beruht – für mich irgendwann seine Glaubwürdigkeit verloren. Spätestens nach dem dritten großen Kopfschüttelmoment war es mir zuviel. Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand alles überlebt, was Hugh Glass (Leonardo DiCarprio) zugestoßen ist, ist verschwindend gering. Auch wenn er voller Wut ist und seine Rachegelüste ihn vorwärts treiben, hat der menschliche Körper seine Grenzen. Der Film selber ist brutal, explizit und beschönigt nichts; das macht ihn authenthisch und steht ganz im Gegensatz zur Figur von Hugh Glass. Meinetwegen kann Leonardo DiCaprio für die Hauptrolle den Oscar bekommen, aber in Anbetracht der anderen nominierten Filme, hat ihn The Revenant, meines Erachtens nach, nicht verdient.

Sisters

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Die Wahrscheinlichkeit, dass ich mich freiwillig in Sisters gesetzt hätte, ist verschwindend gering. Da ich aber spontan zum ersten Mal in meinem Leben in einem Sneak Preview war, konnte ich ihm nicht entkommen.

Maura und Kate Ellis sind in Orlando, Florida aufgewachsen. Nun sind beide schon in ihren dreißigern und stehen mehr oder weniger auf eigenen Beinen. Doch ihre Eltern bestellen sie wieder zurück nach Hause. Sie haben das alte Familien-Zuhause verkauft und sie sollen ihre Kinderzimmer ausräumen. Als sie in ihren alten Sachen herumkramen, kommen bei den Schwestern schnell alte Erinnerungen hoch. Die beiden Partyköniginnen wollen die gute alte Zeit aufleben lassen und mit ihren ebenfalls in die Jahre gekommenen High-School-Freunden noch eine letzte der berüchtigten Ellis-Island-Parties schmeißen.

Ein paar Dinge vorweg: Wo es nur geht, schaue ich mir die Filme, wenn sie auf Englisch sind, im Originalton an. Mich stört es einfach, wenn ich an den Lippen sehen kann, was eine Person eigentlich gesagt hat. Aber auch schon das bewegen der Lippen zu nicht vorhandenen Lauten und komische Mundgymnastik zu nicht passendem Text, kann mich leicht verrückt machen. Daher wäre der Film für meine Ohren und Augen noch genießbarer gewesen, wenn ich ihn im Original geschaut hätte. Außerdem kann ich mir gut vorstellen, dass der Film auf Englisch nochmal witziger ist und durch das Übersetzen zumindest ein bisschen Wortwitz verloren gegangen ist.

Am Anfang habe ich mich gefragt, was denn da auf mich zukommt und ob ich das überleben werde? Ich muss sagen, der Film war bei weitem besser, als der Trailer mich hat glauben lassen. Ja, manchmal ist er platt und auch ein wenig peinlich, aber Amy Poehler als Maura und Tina Fey als Kate sind dabei so sympathisch, dass ich mich nicht so sehr fremdgeschämt habe, wie es sonst oft der Fall ist. Sisters ist eine wunderbare Persiflage auf die heutige (nicht-nur) amerikanische Gesellschaft. Er ist eine überspitzte Komödie, die manchmal so sehr über das Ziel hinausschießt, dass es nichts anderes als komisch sein kann. Außerdem kommt er ganz ohne Fäkalhumor aus. Das rechne ich ihm hoch an. Er bietet durchweg gute, doch wenig anspruchsvolle Unterhaltung. Wer die beiden Comedy-Queens aus den USA mag, wird nicht enttäuscht, doch im Gedächtnis bleibt der Film nicht.