Carol

Trailer

Carol von Regisseur Todd Haynes behandelt die Liebesgeschichte zwischen zwei Frauen in den 50er Jahren. Therese ist Mitte zwanzig und arbeitet in einem Kaufhaus, als sie eines Tages Carol entdeckt, die in der Spielwarenabteilung die passenden Weihnachtsgeschenke sucht. Therese ist sofort fasziniert von dieser scheinbar unnahbaren älteren Frau. Ihre Blicke treffen sich und alles um sie herum scheint still zu stehen. Beide spüren die Anziehung, als Carol zu Therese an den Verkaufstresen kommt und ein Eisenbahnset zu sich nach Hause bestellt. Doch genauso wissen beide, dass ihre Gefühle in diesen strengen, konservativen Zeiten nicht sein dürfen, ganz besonders nicht, weil Carol verheiratet ist. Doch Liebe findet bekanntlich ihre Wege und so begehen die beiden eine steinige Straße zu ihrem Glück.

Carol hat mich erst auf den zweiten Blick beeindruckt. Nach dem recht abrupten Ende war ich enttäuscht. Die Presse und Kritiker standen dem Film so wohlwollend gegenüber, dass meine Erwartungen dementsprechend hoch waren. Ich saß in meinem Kinosessel und beobachtete eine kindliche Rooney Mara als Therese, die die sehr kühle, distanzierte und reservierte Carol – gespielt von Cate Blanchett – anhimmelt. Dieses Ungleichgewicht hat mich irritiert. Therese scheint wie Carols Spielzeug, aber nicht wie eine ebenbürtige Partnerin. Außerdem lässt Carol sehr viel mehr Herz und Wärme gegenüber ihrer Tochter, als gegenüber Therese erkennen.

Das hat mich stutzig gemacht. Wie kann eine so – zwar hervorragend gespielte – aber dennoch kalte und lieblose Carol diesen Film glaubwürdig machen? Das führte dazu, dass ich mich mehr mit dem Hintergrund der Geschichte auseinandergesetzt habe und mehrere Artikel im New Yorker – die die Romanvorlage mit einbeziehen – und Interviews der Schauspielerinnen gelesen und gesehen habe. Langsam wurde mir klar, dass Cate Blanchett es geschafft hat, Carol genau so darzustellen, wie sie im Buch porträtiert wird. Dass es Carol einfach nicht möglich war, ihre Fassade fallen zu lassen und Gefühle zuzulassen und offen zu zeigen, die in ihr walten. Und dass in dieser Zerrissenheit zwischen der Liebe zu einer Frau und dem Verrat gegenüber ihrem Ehemann, ihrer Tochter, ja, sogar der Gesellschaft, die Stärke der Rolle liegt. Therese dagegen ist ein wenig wie der Zuschauer. Sie wartet ab, wird immer wieder vor den Kopf gestoßen, ist verwirrt und hofft doch auf das Überwinden des gesellschaftlichen Korsetts.

Carol ist leise. Selbst laute Stimmen klingen wie ein Wasserfall und nicht wie eine Motorsäge. Der Film ist von den Kostümen bis zur Musik anmutig, wie die beiden Hauptdarstellerinnen. Auf den zweiten Blick ein sehr gelungener Film, der mich dazu gebracht hat, tiefer zu schauen. Ein Film, auf den nicht nur die LGBTQ-Szene stolz sein kann, ja sogar stolz sein muss!

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