The Danish Girl

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Kopenhagen, 1925: Einar ist ein erfolgreicher Maler. Seine Bilder der immer selben Landschaft seines dänischen Heimatdorfs verkaufen sich gut. Seine Frau Gerda – ebenfalls Malerin – und er führen ein Bilderbuchleben bis zu dem Tag, an dem Gerda Einar bittet, Frauenkleider für ihn anzuziehen, um ihr bei einem Porträt zu helfen. Am Anfang amüsiert Gerda die Vorliebe ihres Mannes für Frauenkleider, doch irgendwann merkt sie, dass viel mehr dahinter steckt, als das bloße Verlangen, die Gesellschaft an der Nase herumzuführen. Für Einar beginnt eine lange, doch auch heiß ersehnte Reise nach seinem wahren Ich. Gerda hingegen sieht sich einer vollkommen neuen Aufgabe gegenüber, die ihr viel Kraft und Toleranz abverlangt und die Liebe auf eine neue Stufe stellt.

Die Kostüme sind herrlich anzuschauen und vermitteln einen guten Eindruck der Ära. Frauen in bauschigen Stoffen, eng an der Taille gebunden, in schillernden Farben und wehenden Schals. Die Männer förmlich und zugeknöpft in mehrteiligen Anzügen. Auch mit den Städten Kopenhagen, Paris und Dresden ist die Szenerie in drei wunderschöne Städte gelegt. Aus dem zwar geräumigen, jedoch spärlich eingerichteten Studio-Apartment haben Einar und Gerda mit ihrer Kunst und durch ihre Liebe ein wunderbares Zuhause geschaffen. Man fühlt förmlich, wie die alten Holzdielen unter jedem Schritt knarzen. Das Licht der hohen Fenster dringt vorsichtig in den großen Innenraum. Die Wohnung ist die Bühne des lebenshungrigen Ehepaars.

Die schauspielerische Leistung des ganzen Ensembles ist großartig, wobei ich sagen muss, dass mir Alicia Vikander als Gerda noch besser gefällt, als Eddie Redmayne, der sowohl Einar, als auch später Lili Elbe (seine wahre Identität) spielt. Vikander kann mit einem einzigen Blick ihrer großen kastanienbraunen Augen Bände sprechen. Redmayne hingegen ist mir oft zu affektiert und übertrieben. Er bemüht sich – genauso wie Lili – eine Frau perfekt zu imitieren, dabei schießt er manchmal über das Ziel hinaus und es scheint aufgesetzt. Was wohl Schüchternheit und Zurückhaltung ausdrücken soll, vermittelt Überheblichkeit und Unnahbarkeit. Das macht den Film für mich leider ein Stück weit unglaubwürdig. Es wirkt immer gespielt und erreicht nie das Stadium, wo ich überzeugt bin, dass er tatsächlich eine Frau sein möchte/ist. Das ist sehr schade, weil es einen Dämpfer auf einen sehr einfühlsamen, schönen Film legt. Trotzdem ist The Danish Girl unbedingt sehenswert und lenkt die Aufmerksamkeit auf ein wichtiges Thema, dass viel Aufmerksamkeit verdient.

Star Wars Episode VII: The Force Awakens

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“It is such a good movie!”, waren die ersten Worten, die ich meinem Bruder aufgeregt entgegenbrüllt habe. Ich glaube, er hätte mich auch ohne Telefon gehört. Danach haben wir eine gefühlt die halbe Nacht andauernde Geek-Out-Session über den Film gehabt. Wir sind uns beide der Schwächen des Films bewusst und doch ist es so ein geiler Film! (Ich werde versuchen, mich demnächst wieder gewählter auszudrücken.) Außerdem sind wir beide mehr als froh, dass Disney es geschafft hat, dem Krieg-der-Sterne-Vermächtnis gerecht zu werden und nicht den totalen Bofo daraus zu machen. Schon nach den ersten Minuten war klar, dass der Film nicht doof werden kann. Dafür war der Anfang bereits zu gut. Ein Stormtrooper mit Gewissen – was für eine geniale Idee. Außerdem ist die Hauptdarstellerin Rey eine junge Frau und starke Frauenrollen machen mich immer glücklich.

Worum es in dem Film geht? Es ist Star Wars – da kämpfen die Guten gegen die Bösen; in diesem Fall die Rebellen gegen “the first order”, die erste Ordnung, die das Imperium abgelöst hat. Wir treffen alte Bekannte wieder, lernen aber auch neue Helden und fiese Schurken kennen. Und wie schon in Episode IV gibt es eine Verbindung zwischen der guten und der dunklen Seite. Eine menschliche Verbindung, die hoffentlich in den kommenden Teilen noch weiter erklärt wird.

Für manche ist die Handlung von Das Erwachen der Macht zu nah an Episode IV, aber das fand ich nicht schlimm. Es schien mir eher, wie ein vorsichtiges Herantasten an das neue Universum. Vielleicht lernt Rey auch zu schnell, die Macht zu kontrollieren. Aber für mich war die einzige wirkliche Schwachstelle, die Szene auf der Brücke, wo Han Solo mit Kylo Ren spricht. Das war mir zu oberflächlich und Manches auch nicht verständlich. Ansonsten ist der Film voll gepackt mit schneller Action und Spannung, aber auch Weisheit und Witz. Die Technik und Special-Effects sind grandios. Da ich schon immer eine Schwäche für R2D2 hatte, ist es nicht verwunderlich, dass mein neuer Lieblingsroboter BB8 heißt. Der ist so süß!

Mein geekiges Herz ist glücklich – aufgeregt klatschende Hände am Ende des Films inklusive!

Carol

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Carol von Regisseur Todd Haynes behandelt die Liebesgeschichte zwischen zwei Frauen in den 50er Jahren. Therese ist Mitte zwanzig und arbeitet in einem Kaufhaus, als sie eines Tages Carol entdeckt, die in der Spielwarenabteilung die passenden Weihnachtsgeschenke sucht. Therese ist sofort fasziniert von dieser scheinbar unnahbaren älteren Frau. Ihre Blicke treffen sich und alles um sie herum scheint still zu stehen. Beide spüren die Anziehung, als Carol zu Therese an den Verkaufstresen kommt und ein Eisenbahnset zu sich nach Hause bestellt. Doch genauso wissen beide, dass ihre Gefühle in diesen strengen, konservativen Zeiten nicht sein dürfen, ganz besonders nicht, weil Carol verheiratet ist. Doch Liebe findet bekanntlich ihre Wege und so begehen die beiden eine steinige Straße zu ihrem Glück.

Carol hat mich erst auf den zweiten Blick beeindruckt. Nach dem recht abrupten Ende war ich enttäuscht. Die Presse und Kritiker standen dem Film so wohlwollend gegenüber, dass meine Erwartungen dementsprechend hoch waren. Ich saß in meinem Kinosessel und beobachtete eine kindliche Rooney Mara als Therese, die die sehr kühle, distanzierte und reservierte Carol – gespielt von Cate Blanchett – anhimmelt. Dieses Ungleichgewicht hat mich irritiert. Therese scheint wie Carols Spielzeug, aber nicht wie eine ebenbürtige Partnerin. Außerdem lässt Carol sehr viel mehr Herz und Wärme gegenüber ihrer Tochter, als gegenüber Therese erkennen.

Das hat mich stutzig gemacht. Wie kann eine so – zwar hervorragend gespielte – aber dennoch kalte und lieblose Carol diesen Film glaubwürdig machen? Das führte dazu, dass ich mich mehr mit dem Hintergrund der Geschichte auseinandergesetzt habe und mehrere Artikel im New Yorker – die die Romanvorlage mit einbeziehen – und Interviews der Schauspielerinnen gelesen und gesehen habe. Langsam wurde mir klar, dass Cate Blanchett es geschafft hat, Carol genau so darzustellen, wie sie im Buch porträtiert wird. Dass es Carol einfach nicht möglich war, ihre Fassade fallen zu lassen und Gefühle zuzulassen und offen zu zeigen, die in ihr walten. Und dass in dieser Zerrissenheit zwischen der Liebe zu einer Frau und dem Verrat gegenüber ihrem Ehemann, ihrer Tochter, ja, sogar der Gesellschaft, die Stärke der Rolle liegt. Therese dagegen ist ein wenig wie der Zuschauer. Sie wartet ab, wird immer wieder vor den Kopf gestoßen, ist verwirrt und hofft doch auf das Überwinden des gesellschaftlichen Korsetts.

Carol ist leise. Selbst laute Stimmen klingen wie ein Wasserfall und nicht wie eine Motorsäge. Der Film ist von den Kostümen bis zur Musik anmutig, wie die beiden Hauptdarstellerinnen. Auf den zweiten Blick ein sehr gelungener Film, der mich dazu gebracht hat, tiefer zu schauen. Ein Film, auf den nicht nur die LGBTQ-Szene stolz sein kann, ja sogar stolz sein muss!

Frohes neues Jahr!

Ich wünsche euch allen ein wunderbares, gesundes, abenteuerliches und zufriedenstellendes neues Jahr! Möge das nächste Jahr voller Wunder, Lachen und Freude sein. Ich wünsche mir, dass wir achtsamer miteinander umgehen, nicht so schnell werten, das Unbekannte erforschen, weniger misstrauisch sind und wieder mehr auf unser Herz hören. Es gibt soviel zu entdecken auf dieser Erde (und außerhalb), lasst es uns gemeinsam tun, miteinander teilen anstatt einander anzufeinden!

Set your mind to great things and the rest will follow!

Eure Rebecca