Das Mädchen Hirut (Difret)

Trailer

1996 im Hinterland Äthiopiens, ungefähr drei Stunden von Addis Abeba entfernt: Die vierzehnjährige Hirut auf dem Weg von der Schule nach Hause, als sie von einer Gruppe Reiter entführt und in einen Schuppen gesperrt wird. In der Nacht kommt einer der Männer zu ihr. Er schlägt und vergewaltigt sie und lässt sie danach bewusstlos liegen. Am nächsten Morgen kommt er wieder und bringt Hirut einen kleinen Becher Kaffee. Etwas erregt die Aufmerksamkeit des Mannes und er geht vor die Tür. Dabei lässt er sein Gewehr neben der offnen Schuppentür stehen. Hirut ergreift die Gunst der Stunde, schnappt sich das Gewehr und schleicht leise davon. In letzter Minute wird ihre Flucht entdeckt. Sie hetzt in den nahen Wald, die sechs Männer hinter ihr her. Schnell haben die Männer sie eingeholt. In ihrer Panik erschießt sie ihren Peiniger und rennt davon. Für ihre Tat wird Hirut verhaftet und soll mit dem Tod bezahlen. Als die junge Anwältin und Frauenrechtlerin Meaza Asenafi im Radio erfährt, was geschehen ist, macht sie sich auf den Weg ins Dorf, um Hirut zu helfen. Meaza arbeitet für Andinet, eine Organisation, die für die Rechte der Frauen eintritt. So entwickelt sich ein Kampf zwischen der Tradititon einer patriarchialischen, konservativen Gesellschaft und dem modernen geschriebenen Recht.

Difret, so der Titel des Originals, heißt in der Landessprache Amharic ‘Mut’ oder ‘sich etwas trauen’. So beweist Meaza Mut, sich mit den äthiopischen Behörden anzulegen. Sie traut sich mit Traditionen zu brechen, um Gerechtigkeit zu erlangen. Meron Getnet spielt eine engagierte, sture und zähe Meaza Asenafi. Sie scheint voll hinter dieser Rolle zu stehen und überzeugt daher von Grund auf. Doch ist Meron Getnet auch die einzige professionelle Schauspielerin im Ensemble. Besonders der zweiten Hauptdarstellerin Tizita Hagere als Hirut merkt man das deutlich an. Ihr Spiel ist nicht so überzeugend und durchdringend und verliert daher an Intensität. Doch ist die Botschaft des Films viel wichtiger, als die teilweise noch verbesserungswürdigen schauspielerischen Leistungen. Ein weiterer außerfilmischer Kritikpunkt ist, dass der Film auf einer wahren Geschichte beruht, doch hielten es Regisseur Zeresenay Berhane Mehari und sein Team anscheinend nicht für nötig Aberash Bekele, das Vorbild für Hirut, davon in Kenntnis zu setzen, dass sie diesen Film planen. Durch Zufall hat Bekele von den Dreharbeiten erfahren und war schockiert darüber. Sie sagte, sie fühle sich zum zweiten Mal vergewaltigt.

Trotzdem ist Das Mädchen Hirut ein gutes Beispiel dafür, dass Gleichheit zwischen Frauen und Männer noch lange nicht erreicht ist. Zum Weltfrauentag ist es ein ansehnliches Beispiel, dass der Weg noch weit ist, aber aufgeben einfach nicht in Frage kommt. Dass diese Ungerechtigkeiten nicht nur im fernen Äthiopien geschehen, sondern direkt vor jeder Haustür stattfinden, sollte jeder Frau und jedem Mann bewusst sein.

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