A Long Way Down

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Es ist Silvester in London – kurz vor Mitternacht. Die ganze Stadt feiert den Jahreswechsel. Nur auf einem Hochhausdach findet eine andere Art Party statt. Vier Menschen, zwei Männer, zwei Frauen, zwei jung, zwei mittleren Alters. Aus verschiedenen Gründen wollen sie sich das Leben nehmen. Nur ist es schwer zu springen, wenn andere dabei zuschauen. So steigt einer nach dem anderen die Treppe wieder hinunter. Unter angekommen fängt es furchtbar an zu regnen. Martin Sharp, einst erfolgreicher TV-Moderator, fasst sich ein Herz und sammelt zuerst Maureen, eine alleinerziehende Mutter, ein, kurz danach auch J.J., um sie im Auto nach Hause zu fahren. Nur die exzentrische Jess ist nirgends zu finden. Die drei machen sich Sorgen. Sie spüren Jess völlig zugedröhnt in einem Club auf und bringen sie ins Krankenhaus. Die drei warten bis es allmählich hell wird. Nach und nach kommen sie sich näher. In der Morgendämmerung erscheint Jess und die vier schließen einen Pakt. Bis zum Valentinstag darf sich keiner umbringen. Diese Zeit gilt es zu überstehen.

A Long Way Down ist die Verfilmung des gleichnamigen Buches von Nick Hornby. Wie auch About a Boy ist es eine Geschichte über die Unscheinbaren, Verlorenen und vermeintlichen Loser unserer Gesellschaft. Eine Geschichte darüber, was passiert, wenn man sich zusammen tut und wie wichtig Freunde im Leben sind. Menschen, die einem vertraut sind, denen man vertraut und die einem vertrauen. Die vier Hauptdartsteller haben mir alle gut gefallen, wobei Toni Collette, Imogen Poots und Aaron Paul Pierce Brosnan ein wenig den Rang ablaufen. Sie lassen mehr Tiefe in ihren Rollen erkennen. Mir hat ein wenig der Wortwitz, der tiefere Sinn in den Worten gefehlt. Gewiss liegt das unter anderem daran, dass ich den Film auf deutsch und nicht im englischen Original gesehen habe. An Hornbys About a Boy kommt er nicht ran, aber es ist durchaus ein guter Film.

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Her

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Theodore arbeitet in einer Firma, die Briefe für andere schreibt. So verfasst er die romantischsten Liebesbriefe für Unbekannte, aber sein eigenes Leben bekommt er nicht auf die Reihe. Seit Tagen drückt er sich davor, die Scheidungspapiere zu unterschreiben und der Realität ins Auge zu blicken, dass seine Ehe gescheitert ist. Es wird nie wieder so sein, wie es einmal war. Als Ablenkung kauft er sich ein neues Operating System (OS). Es verspricht, nicht wie ein Computer zu sein, sondern wie ein Freund, ein guter Freund, vielleicht der beste. Samantha, Theodores OS, ist eine rauchige, verführerische Stimme, die niemals schläft. Nach und nach dringt Samantha tiefer in Theodores Privatleben und dadurch in seine Seele. Es entwickelt sich eine ungewöhnliche Liebe, die mit nichts zu vergleichen ist, was Theodore je erlebt hat.

Spike Jonze hat einen tiefsinnigen Film geschaffen, der auf den ersten Blick abwegig scheint, nach näherem Überlegen aber durchaus wahr werden kann. Viele Menschen sind heute schon besessen und abhängig von Computern, Tablets und Handys. Jeder einigermaßen technikaffine Mensch kennt Siri, die sprechende Software der Firma Apple. Von Siri zu Samantha ist es nur noch ein kleiner Schritt. Der Film zeigt anschaulich, wie leicht es ist, die reale Welt zu vergessen und vollkommen in eine Computerwelt abzutauchen, auch wenn Theodore durch seine Freunde, besonders Freundin Amy, die Verbindung zur Außenwelt nie ganz verliert. Jemanden zu finden, der zu einem passt, die lästige zeitaufwenige Suche nach der einen Person wird genauso überflüssig wie die ersten Dates, denn ein OS kennt bereits die intimsten Details.

Joaquin Phoenix als Theodore hat mir gut gefallen. Eine zarte, nachdenkliche Verletztheit und Einsamkeit, die nie ganz vergeht. Sein Sehnen nach Intimität und Vertrautheit ist durch den ganzen Film zu spüren. Amy Adams, die Theodores beste Freundin Amy spielt, bringt genauso wie Rooney Mara, die Theodores Ex-Frau darstellt, neue Blickwinkel und Perspektiven zur Sprache. Ebenso verzaubernd wie der Film, ist sein Soundtrack. Allen voran der Moon-Song.

Aber ist das Leben noch lebenswert, wenn es keine Überraschungen für uns bereit hält? Was nützt die Liebe in Gedanken, wenn sie nicht physisch ausgelebt werden kann? Werden wir immer weiter hinter unseren Handys verschwinden und die wertvollen zwischenmenschlichen Beziehungen vernachlässigen oder gar ganz aufgeben? Fragen auf die der Film keine eindeutigen Antworten gibt, die aber dennoch in mir nagen.

August: Osage County

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Es ist Hochsommer in Oklahoma. Beverly sitzt in seinem Arbeitszimmer. Er ist in die Alkoholsucht geflüchtet, seine Frau ist nicht nur tablettensüchtig, sondern auch krebskrank – Mundkrebs. Das hält sie aber nicht vom Rauchen ab. Die Ureinwohnerin, die ihm geduldig zugehört hat, verzieht keine Miene. Sie soll sich um seine Frau und den Haushalt kümmern. Wie auf ein Stichtwort platzt Violet völlig zugedröhnt ins Arbeitszimmer und macht eine Szene. Sie weigert sich zuzugeben, dass sie Hilfe braucht. Erst recht nicht von einer Ureinwohnerin.

Barbara, die älteste Tochter wird verständigt, als Beverly für Tage nicht nach Hause gekommen ist. Sie fährt mit ihrem Ehemann und ihrer pubertierenden Tochter nach Osage County. Dort findet sie ihre jüngste Schwester Ivy vor, die sich um die Mutter gekümmert hat. Anstatt dankbar zu sein, macht Violet Ivy nur Vorwürfe und ist froh, dass Barbara endlich da ist. Als Beverly tot aus dem nahe gelegenen See gezogen wird, kommt auch die mittlere Schwester Karen mit dem aktuellen Mr. Perfect zur Beerdigung ebenso wie Violets Schwester Mattie Fae und ihr Mann Charles. Beim Leichenschmaus, an dem auch Mattie Faes und Charles Sohn (Not so) Little Charles teilnimmt,  zerfällt die instabile Fassade und die Hölle bricht aus.

Mit Violet und Barbara treffen zwei Dickköpfe aufeinander. Barbara hat zu lange geschwiegen und zuviel durchgemacht, um weiter zuzusehen, wie alles den Bach runter geht. Violet verletzt mit ihrer offen zynischen Art und ihrem Pessimismus alle um sie herum und kann nicht verstehen, warum jemand deswegen sauer auf sie ist oder sich angegriffen fühlt. Sie spricht doch nur die Wahrheit aus. Karen versucht sich alles schön zu reden Sie will sich nicht eingestehen, dass ihre Familie nicht so idyllisch ist, wie sie es sich erträumt. Die loyale, pflichtbewusste Ivy hat es nicht geschafft, dem Elternhaus den Rücken zu kehren. Doch sie hält den Hohn und Spott nicht mehr aus und möchte fliehen. Alle Darsteller sind fest mit ihren Rollen verwurzelt, spielen mit Hingabe und Leidenschaft. Vor allem Meryl Streep als Violet und Julia Roberts als Barbara liefern eine beeindruckende Performance ab. Julia Roberts spielt ihre Rolle mit unheimlichen wandelbarem Facettenreichtum.

“Thank God, we can’t tell the future or we’d never get out of bed!” fasst den Film hervorragend zusammen. So schlimm wie diese Familie, kann die eigene nie sein! Oder doch?

The Grand Budapest Hotel

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Der Schriftsteller begibt sich auf eine Reise in das Grand Budapest Hotel. Dort trifft er auf Concierge Zéro, der ihn nach kurzem Gespräch für den Abend ins Hotelrestaurant einlädt. Das Hotel wirkt heruntergekommen. Nur wenige Gäste haben sich im Hotel einquartiert und sich ebenfalls an anderen Tischen im Speisesaal eingefunden. Nach kurzer Zeit beginnt Zéro über die guten alten Zeiten des Hotels zu plaudern und seine Geschichte zu erzählen.

Bonbonrosafarben, in den idyllischen Bergen eines imaginären Landes im Osten Europas gelegen, ist es das Zuhause des über alles geschätzten Concierge Gustave H. Er ist die Seele des berühmten Grand Budapest Hotel. Dort geht es zu wie in einem Bienenstock. Alles ist in Bewegung. Es herrscht geschäftiges Treiben und Mitten drin der junge Zéro Moustafa, der im Hotel als Lobby Boy anfangen möchte. Gustave H. nimmt ihn unter seine Fitiche, woraufhin ihm Zéro nur noch in Ausnahmefällen von der Seite weicht. Madame H., eine alte Dame und Stammgast im Hotel, wird von Monsieur Gustave persönlich betreut. Sie macht sich unter Protest auf den Weg zu ihrer Familie ins Vorkriegsdeutschland. Wenige Tage nach ihrer Abreise wird bekannt, dass sie gestorben ist. Gustave und Zéro machen sich sofort auf den Weg nach Deutschland, um der Beerdigung beizuwohnen. Bei der Testamentsverlesung wird eröffnet, dass Madame H. dem Concierge das kostbare Gemälde “Junge mit Apfel” vererbt hat. Die Familie ist empört und versucht die Entwendung des Bildes mit allen Mitteln zu verhindern. Ein rasantes Katz- und Maus-Spiel beginnt.

Der Film spielt vor einer Kulisse, die aussieht als wäre sie aus Pappmachee gemacht und könnte bei jeder Berührung umfallen. Dazu tragen auch die pastelligen Farben, in denen die Kulissen gehalten sind, bei. Im Kontrast dazu steht das prunkvolle Innere des Hotels. Alles im Film, sowohl Dialoge als auch Handlung, sind ein wenig absurd und dennoch subtil witzig. Regisseur Wes Andersons Humor ist bei Zeiten gewöhnungsbedürftig. Die meisten Szenen passen eher zu einer Theateraufführung, was aber einen großen Teil zum Charme des Films beiträgt. Ralph Fiennes als Concierge Gustave H. ist meisterhaft, ebenfalls das Zusammenspiel mit Tony Revolori, seinem Lobby Boy. Der wohl prägenste Satz des Films ist Gustaves Satz: “I go to bed with all my friends!” Diese großzügige, ehrliche Liebe ist die Grundlage des ganzen Films.

Grand Budapest Hotel ist ein kurzweiliger Film mit einem gewaltigen Staraufgebot bis in die kleinste Nebenrolle. Er ist weder übermässig spannend, noch zu Tränen rührend oder schenkelklopferkomisch. Er ist einfach nur gute Unterhaltung. Manchmal braucht es nicht mehr.