Nymph()maniac – Part 1

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Seligman findet Joe an einem regnerischen Tag im Hinterhof. Sie ist geschunden, hat Wunden und Schrammen, will aber nicht ins Krankenhaus oder die Polizei verständigen. Sie faselt etwas davon, dass sie es verdient habe. Seligman nimmt sie mit zu sich nach Hause, steckt sie ins Bett und gibt ihr eine Tasse Tee. Er sitzt vor dem Bett und sie fängt an ihre Geschichte zu erzählen. Eine Geschichte von Trauer, Liebe, Besessenheit und Sex.

Lars von Triers Filme sind nie einfach. So auch Nymph()maniac nicht. Er ist grotesk, skurril, explizit, er beschönigt oder verschleiert nichts. Er erzählt die Geschichte von Joe, die sich auf der Suche nach Liebe mit jedweden Männern einlässt. Doch wenn die vermeintliche Liebe kommt, ist sie abgestumpft. Nacktheit ist im Film fast Pflicht. Er wechselt zwischen leisen, melancholischen Tönen zu lautem überdrehtem Geschrei. Zwischen diesen beiden Nuancen kommt immer wieder eine peinlich berührte, bedeutungsschwangere Stille zum Tragen. Ein Schweigen, das gefüllt werden will. Zudem weist der Filme ungewöhnliche Vergleiche auf. So werden die verschiedenen Sex-Partner mit einem polyphonen Bach-Stück verglichen oder die Jagd nach einem Sexualpartner mit der Kunst des Fliegenfischens.

Seit dem Ende des Films bin ich hin und her gerissen, ob ich mir den nächsten Teil beziehungsweise die nächsten beiden Teile anschauen möchte. Joes Erzählungen haben mich nicht sehr berührt, doch die Unterhaltungen, die sie mit Seligman führt, umso mehr.

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Philomena

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Philomena hat lange geschwiegen. Doch an Anthonys 50. Geburtstag bricht sie ihr Schweigen. Als sie 20 Jahre alt ist, lernt sie auf der Kirmes einen netten, adretten, jungen Mann kennen. Überwältig von ihren Gefühlen gibt sie sich dem jungen Mann hin und wird schwanger. Im katholischen Irland eine Unvorstellbarkeit. Ihr Vater bringt sie ins Kloster und will nichts mehr mit ihr zu tun haben. Er erzählt allen, dass sie gestorben ist. Im Kloster kommt Anthony zur Welt. Wie die anderen jungen, hart arbeitenden Mütter, darf sie ihr Kind eine Stunde am Tag sehen. Die glücklichste Stunde des Tages. Doch dann kommt der Tag an dem Anthony adoptiert wird. Für Philomena bricht die Welt zusammen und es vergeht nicht ein Tag, an dem sie nicht an ihn denkt. Zerissen zwischen der Sünde des Fleisches und der Sünde des Lügens zerbricht 50 Jahre später die Fassade und sie erzählt ihrer Tochter ihre Geschichte. Durch Zufall lernt diese den Journalisten Martin Sixsmith kennen, der durch ein nicht zu widerrufendes Missverständnis arbeitslos geworden ist. Um der Langeweile zu entfliehen, nimmt er sich Zeit für diese “Human-Interest-Story”, die ihn eigentlich nicht interessiert. Zusammen machen sich Martin und Philomena auf die Suche nach Anthony und entdecken dabei Dinge, die wohl nie entdeckt werden sollten.

Philomena ist voller Witz, Humor und Traurigkeit. Dabei ist er nie schwermütig oder kitschig, was vor allem an Philomenas Charakter liegt. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund und nennt die Dinge beim Namen. Dem verbitterten Martin Sixsmith kann man zuschauen, wie er zunehmend Interesse an der Story entwickelt, die er gar nicht schreiben wollte und seine harte Schale immer mehr auftaut. Philomena ist ein angenehmer Film mit hingebungsvollen Schauspielern. Judi Denchs Können verleiht dem Film Tiefe und Substanz. Die Tatsache, dass der Film auf einer wahren Begebenheit beruht, macht es erstaunlich, dass er nicht bedrückend oder melancholisch ist. Die Thematik ist bestimmt nicht für jedermann, aber mir hat Philomena gut gefallen.

Saving Mr. Banks

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Ein fantastischer Film!

Emma Thompson ist großartig. Warum sie noch nicht einmal eine Oscar-Nominierung bekommen hat, ist mir ein Rätsel. Der scharfe, präzise Zynismus gepaart mit einer Redegewandheit, Direktheit und unerbitterlichem Perfektionismus und Unnachgiebigkeit, der andere in den Wahnsinn treibt, sind brilliant. Sie schafft es leicht, die tiefe Verbitterung und Wehmütigkeit, die P.L. Travers in sich trägt, durchscheinen zu lassen und so die Autorin trotz allem liebeswert zu machen. Die Rückblenden in die Kindheit in Australien von Mrs. Travers zeigen auf welchem Hintergrund die Mary-Poppins-Bücher aufgebaut sind. Die einzigartige Beziehung der Autorin zu ihrem Vater steht im Mittelpunkt der Episoden ihrer Kindheit. Die Verhandlungen, um die Disney-Adaption der Bücher, stehen im Fokus der Zeit vor der Premiere des Films 1964. So entfalten sich die Ereignisse in Australien durch Rückblenden und die Arbeiten am Film parallel zueinander, um am Ende zu verschmelzen und zu einer herzergreifenden Erleichterung zu führen.

Der Gegenpol zu P.L. Travers ist Walt Disney. Ein dickköpfiger, charmanter Mann, der es nicht gewöhnt ist, dass ihm jemand widerspricht. Er ist es gewohnt, das zu kriegen, was er möchte, wie er es möchte. Was in antreibt, ist das Versprechen, das er seinen beiden Töchtern gegeben hat, nämlich, dass er Mary Poppins lebendig werden lässt. Tom Hanks blickt hinter die Fassade von Walt Disney, dem hartnäckigen Geschäftsmann und schafft die Gratwanderung zwischen der charakterlichen Wärme und Kälte der Figur.

Paul Giamatti, als Chauffeur Ralph, ist ein weiterer kleiner, unerwarteter, stiller Höhepunkt dieses Films. Die Interaktion zwischen ihm und Pamela ist unbezahlbar wundervoll. Kleine Zwischenspiele, wie die Momente, die die beiden teilen, machen Filme wie diesen mehr als liebenswert.

Ich habe gelacht, ich habe geweint, ich habe mitgesummt, war von der ersten Minute an gefesselt und bin nach dem Ende erst langsam, sehr langsam und widerwillig in die Realität zuückgekehrt. Die Reise, auf die Saving Mr. Banks einen mitnimmt, ist wunderschön. Es entfaltet sich eine Welt, von der ich vorher nichts wusste und die immer noch ein Lächeln auf mein Gesicht zaubert. Sie lässt Mary Poppins in einem neuen, tieferen Licht erscheinen. Wer Mary Poppins und Disney-Magie liebt, muss diesen Film unbedingt sehen. Alle anderen sollten ihn alleine wegen der meisterlichen Performance von Emma Thompsons sehen. A Must-See-Movie!

Monuments Men

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Es ist Mitte des Jahres 1944. In amerikanischen Kunstkreisen wird bekannt, dass Hitler hochgeschätzte Kunst verschleppt, um sie später in einem geplanten Führermuseum auszustellen. Das Museum soll die größte Kunstsammlung aller Zeiten werden. Als wertlos erachtete (jüdische) Kunstwerke werden vernichtet. Eine Gruppe Kunstexperten soll die noch vorhandenen Werke schützen und die bereits verschwundenen aufspüren, sie bewahren und zu einem sicheren Zeitpunkt an die ursprünglichen Besitzer zurückgeben. Die acht Männer, darunter fünf Amerikaner, ein Engländer, ein Franzose und ein Deutscher, durchlaufen erst eine Grundausbildung, um dann im Namen der Armee die verschiedensten Stücke, sei es Brücken, Skulpturen oder Bilder in Frankreich, Belgien und Deutschland vor Zerstörung zu retten.

Die Idee des Films ist sicher eine gute. Besonders, wenn die Grundlage eine wahre Begebenheit ist. Nur das allein macht noch keinen guten Film. So fehlt es The Monuments Men an Authentizität. Die antrainierten Akzente sind furchtbar. Cate Blanchett gibt sich redliche Mühe, scheitert aber in ihrem Vorhaben eine englischsprechende Französin zu spielen. Genauso geht es Dimitri Leonidas, der als ausgewiesener Deutscher noch nicht einmal deutsche Städte richtig ausspricht. Die Kulissen in den Städten sind recht altbacken und haben mich eher an die Zeit um den ersten Weltkrieg, als den zweiten erinnert. Spannend oder überraschend ist die Story auch nicht. Nur ab und zu bricht eine amüsante Szene den dahinplätschernden Plot.

Aus dem Material hätte ein weitaus spannenderer, intensiverer, tiefer gehender Film entstehen können. Ich war enttäuscht.