Meine Schwestern

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Der Film ist vorbei, das Licht geht an. Im Kino ist es still, keiner bewegt sich, niemand atmet. Erst langsam fangen die ersten an sich aus ihrer ungläubigen Starre zu lösen. Von Anfang an war klar, wie dieser Film enden wird und trotzdem ist man wie gelähmt.

Linda wird mit einem Herzfehler geboren und hat laut Ärzten keine Chance, das Leben kennenzulernen. Nun ist sie 30 Jahre alt und tot – bei der letzten Operation gestorben. Doch Linda ist nicht traurig. Sie schaut liebevoll auf ein erfülltes Leben zurück. Die letzten Tage vor der Operation hat sie mit den Menschen verbracht, die sie liebt: ihren beiden Schwestern, Katharina – die große, verantwortungsbewusste, starke – und Clara – die kleine, verträumte Idealistin. Zuerst fahren sie nach Tating, dem Ort an dem sie jeden Ferien ein Stück erwachsener geworden sind. Und aus einer Laune heraus, geht es weiter nach Paris. Tante Leonie besuchen.

Einen Ausflug in die Kindheit, einen Blick in die Zukunft, die es für Linda nicht geben wird. Manchmal muss man Dinge in Frage stellen, sich von dem lösen, was von einem erwartet wird, um weiterzukommen. So kommen sich auf der Reise nicht nur Katharina und Clara näher, sondern bereiten Linda ungewollt einen wunderschönen Abschied. Die Magie, die nur Geschwister haben, ist fast greifbar. Am Anfang ist Meine Schwestern ein wenig steif und hölzern, ein wenig zu gewollt, aber das legt sich schnell, als die drei auf der Reise sind. Auch die Schauspielerinnen sind bemerkenswert. Sowohl die nüchterne Opportunistin Linda, als auch die steife, durchgeplante Katharina und die verträumte Clara schließt man ins Herz. Wenn es droht zu unerträglich kitschig zu werden, kriegt der Film elegant die Kurve. Auf die kleinen Ungereimtheiten im Film kann man mit einem kurzen Stutzen hinwegsehen.

Meine Schwestern ist witzig, traurig, humorvoll, melancholisch, ein wenig kitschig und beklemmend. Ein schöner Film.

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Dallas Buyers Club

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Dallas, Texas, 1985. Ron Woodroof: Säufer, Spieler, Raucher, homophob, sexfanatisch und ein riesengroßer Rodeo-Fan. Ein Lebemann, ständig auf der Suche nach dem nächsten Kick, zieht er auch mal seine Wettpartner und Freunde über den Tisch, um dann doch zu verlieren. Er wohnt in einer Wohnwagen Siedlung und arbeitet als Elektriker. An einem diesigen Tag wird er zu einem Unfall gerufen. Das Bein seines illegal beschäftigten Kollegen ist in den Hexler gekommen. Um ihm zu helfen, will er den Strom abstellen. Dabei bekommt er einen immensen Stromschlag und wacht im Krankenhaus wieder auf. Er will gerade gehen, als ein Arzt und seine Kollegin hereinkommen und ihm eröffnen, dass er sich wieder ausziehen soll. Er hat noch ungefähr einen Monat zu leben, denn er hat Aids. Außer sich vor Wut, stürmt er aus dem Krankenhaus. Er will es nicht wahr haben. Doch nach intensiver Recherche wird ihm klar, dass es bei weitem nicht nur eine Schwulen- und Junkie-Krankehit ist und die Möglichkeit doch besteht, dass er sich angesteckt hat. Widerwillig geht er zurück zur Klinik, um sich behandeln zu lassen. Die Teilnahme an einer klinischen Studie für ein neues Medikament verläuft nicht so, wie er sich das vorstellt. Ein Pfleger des Krankenhauses gibt ihm die Adresse eines Doktors in Mexiko, der ihm weiterhelfen kann. Er macht sich auf den Weg und wird dort mit in den USA nicht zugelassenen Medikamenten wieder aufgepäppelt. Woodroof riecht einen Deal und schleust die Medikamente in hohen Mengen über die Grenze, um nicht nur sich zu helfen, sondern auch Profit daraus zu schlagen, indem er die Medikamente an andere Aids-Patienten weiterverkauft. Von seinen Freunden verlassen, baut er auf Raymond aka Rayon, eine Mitpatientin, die er im Krankenhaus kennengelernt hat.  Sie soll ihm Kunden vermitteln. Da Ron und Rayon nicht ständig die Polizei im Nacken haben wollen, beschließen sie den Dallas Buyers Club zu gründen. Eine Mitgliedschaft kostet monatlich 400 Dollar, die Medikamente gibt es dafür umsonst. Der Club wird ein riesen Erfolg, der eine Menge Probleme mit sich bringt.

Der Film ist in vielerlei Hinsicht augenöffnend. Er zeigt auf eine nüchterne Art und Weise, dass Profit über Menschenleben geht und stellt die Pharmaindustrie an den Pranger. Außerdem wird den Vorurteilen gegenüber Schwulen und der immer noch weitläufigen Meinung, dass Aids eine Schwulenkrankheit ist, entgegetreten. Es geht um Menschenwürde und menschenwürdiges Leben und Sterben. Dallas Buyers Club, inspiriert von einer wahren Geschichte, ist beeindruckend. Matthew McConaughey als eigensinniger, durchtriebener Ron Woodroof ist einmalig. Abgemagert, dass es beim Ansehen weh tut, erlebt man den Wandel von einem egoistischen, homophoben Eigenbrödler zu einem knallharten Geschäftsmann mit Herz. Der Einzige, der ihm den Rang abläuft, ist Jared Leto als dickköpfige Transgender Rayon. Das Engagement und die Leidenschaft, die in diese Rolle fließen, zeugen vom wahrem Verständnis der Seelenqualen dieser einzigartigen Person. Eine brillante Leistung.

Dallas Buyers Club – unbedingt sehen. Es ist das Geld wert und erst recht die Zeit.

All is lost

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Das Meer ist ruhig, die Sonne strahlt vom Himmel, ein wolkenloser Morgen. Irgendwo in der Nähe der Meerenge von Sumatra treibt ein Segelboot. An Bord ein namenloser Mann, der in seiner Kajüte liegt und langsam aufwacht. Ein herrenloser Schiffscontainer hat ein Loch in die Außenwand seines Bootes gerissen und nun steht das Wasser im Inneren bis über die Knie. In mühsamer Arbeit macht er sich an die Reparatur des Lochs und pumpt das Wasser aus dem Boot. Doch als alles wieder heile und trocken ist, zieht ein Unwetter herauf und zerstört seine ganze Arbeit. Ein abgesetzter Notruf bleibt ungehört, sein Boot ist verloren. Er flüchtet sich ins Rettungsboot. Ohne Trinkwasser mit wenig Proviant beginnt der Kampf ums Überleben.

Ein beeindruckender Film, der zeigt, dass ein Film auch ohne aufwendige Dialoge und packende Actionszenen spannend sein kann. Ich habe von der ersten bis zur letzten Minute mitgefiebert, mitgelitten, mitgebangt, mitgehofft, konnte die Enttäuschung und Verzweiflung am eigenen Leib spüren. Das einzige, was mir nicht gefallen hat, waren die zu offensichtlich computeranimierten Stürme, die das ganze Spektakel irreal erscheinen lassen, weil man sehen kann, dass das Boot nicht im Meer schwimmt, sondern auf einem Gerüst steht und das Meer auf einer Leinwand im Hintergrund tobt. Herausragend ist Robert Redford als einziger Schauspieler, der durch seine facettenreiche Ausdrucksweise den Film trägt. Eine grandiose Leistung. Robert Redford at his best!

American Hustle

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Irving Rosenfeld ist stolz auf seine fünf über New York verteilten Reinigungen. Noch stolzer ist er auf das kleine Vermögen, dass er mit nicht sehr legalen Machenschaften im Hinterzimmer einer dieser Reinigungen eintreibt. Zum einen verleiht er Geld an verzweifelte Menschen, die ihm als Provision 5000 Dollar geben, aber niemals Geld sehen. Zum anderen verkauft er gefälschte Kunstwerke. Auf einer Party lernt er Sydney kennen. Eine charmante, gut aussehende Frau, die ihn genauso faszinierend findet, wie er sie. Schnell weiht er sie in seine Machenschaften ein und sie spielt ihre Rolle als eloquente, kokette und doch versierte und vertrauenswürdige Kunstkennerin Lady Edith Greensly aus England mit Leidenschaft und Hingabe. Die beiden führen ein aufregendes Leben bis ihnen das FBI auf die Schliche kommt und sie hoch nimmt. Um einer Strafe zu entgehen, gehen die beiden mit dem exzentrischen und überambitionierten FBI-Agenten Richie DiMasio einen Deal ein. Irving und Sydney sollen straffrei davon kommen, wenn sie vier hochrangige Kommunal- und Staatspolitiker ans FBI ausliefern. Die beiden stimmen widerwillig zu und zu dritt entwickeln sie einen Plan. Doch nicht nur Irvings überdrehte, ständig betrunkene Frau Rosalyn, die sich zwischen Irving und Sydney schlägt, ist ein nicht kalkulierbarer Faktor. Auch Richie, der Gefallen an Lady Edith findet, die ihm ebenfalls nicht abgeneigt ist verkompliziert das Gelingen. Zu guter Letzt hat auch die Mafia ihre Finger im Spiel, an der widerum Rosalyn gefallen findet. Ein Durcheinander sondergleichen.

American Hustle ist überzogen und aufgesetzt, aber auf so eine fatale Art und Weise, dass er sowohl abstrus als auch erheiternd ist. Oft habe ich da gesessen und den Kopf geschüttelt ohne dabei ein Schmunzeln unterdrücken zu können. Alles ist so gewollt unrealistisch, dass es unerklärlich ist, dass diese verworrene Geschichte tatsächlich auf einer wahren Grundlage gebaut ist. Die Story ist herrlich grotesk, die Schauspieler geben ihr Bestes und das nicht nur äußerlich. Bei Sydney (Amy Adams) habe ich die ganze Zeit darauf gewartet, dass ihr Dekolleté verrutscht und sie blank zieht, Irving (Christian Bale) mit seinem Wohlstandsbauch und dem furchtbaren falschen Haarteil, bei dem ich immer denken musste: “Oh nein, Batman! Wie furchtbar!” und Richie (Bradley Cooper) mit einer furchtbaren Minipli-Frisur sind vor keiner 70er-Jahre Style-Sünde sicher. Der fatalste Szene im Film ist, als Lady Edith Richie offenbart, dass sie will, dass alles wirklich ist, alles “real”. Ein skuriller Wunsch, dem schon bei der Aussprache der Boden entzogen ist und die Quintessenz des Films darstellt. Nichts ist real, egal wie sehr man sich um Authenzität bemüht.

Man darf diesen Film nicht ernst nehmen, nur dann kann man ihn genießen. Er hat einen bizarren Plot und grandiose Schauspieler, die ihre Charaktere mit Leidenschaft spielen. Genau deshalb ist der Film absolut sehenswert.

The Wolf of Wall Street

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Jordan Belfort ist 22, als er bei einer Broker-Firma an der Wall Street anfängt. An seinem ersten Arbeitstag wird er von seinem Boss zum Mittagessen eingeladen. Dabei lernt er, dass es in dieser Branche nur auf Drogen, Sex und seine eigene Bereicherung ankommt. Ein paar Stunden später, bricht die Börse zusammen. Nun ist er auf Jobsuche und wird bei einer kleinen Hinterhof-Firma fündig, die Penny-Stocks verkauft. Schnell wird aus dem Nobody und der kleinen Firma, der eloquente, charmante Jordan Belfort, Chef der anerkannten Broker-Firma Stratton-Oakmont. Die Kasse klingelt, die Drogen fließen und die Mädels kommen. Doch wenn die Gier zu groß ist, wird einem irgendwann schlecht.

The Wolf of Wall Street ist laut, sehr laut. Es wird gejubelt, geschrien und gestritten. Dabei geht viel an Seriosität verloren und auch die paar leisen, durchaus ansprechenden Szenen gehen unter. Leonardo di Caprio hat mir als Jordan Belfort nicht gefallen. Was nicht an seiner schauspielerischen Leistung liegt – diese ist auf jeden Fall erwähnenswert -, sondern daran, dass der von ihm gespielte Jordan Belfort fast 20 Jahre jünger ist als er. Das macht manche Eskapaden peinlicher als sie ohnehin schon sind. Der Film, basierend auf Jordan Belforts Biographie, dreht sich um Geld, Drogen, Sex, Lügen, Betrug und Geld. Nebenbei vielleicht noch darum, was mit einem passiert, wenn man zulässt, dass Geld die Kontrolle über einen übernimmt. Der Film zeigt wie man vom Tellerwäscher zum Millionär zum Betrüger zum Verlierer wird. Eine Moral ist nicht erkennbar, denn Belfort scheint nicht zu bereuen, was er getan hat. Auch eine Kritik am System ist nicht fassbar. Ich kann nur vermuten, dass der Film zeigen will, dass Geldgier und ein unbedachtes Leben im Überfluss nicht glücklich machen, aber auch das wäre nicht gelungen.