Zitat: Frühstück mit Elefanten

Frühstück mit Elefanten

Cover: Ullstein Verlag

“Eine Herde Elefanten badet in einem Wasserloch, Impalas grasen auf weiter Flur, ich höre Senegalliesten singen, (…) deren Gesang sich anhört , als würden sie eine Treppe herunterfallen. Und schon sind alle Gedanken an Zukunft und Vergangenheit, an Pläne und Sorgen vergessen. Alles, was zählt, ist dieser Moment.”

  • Gesa Neitzel in Frühstück mit Elefanten
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Buch: Wenn Männer mir die Welt erklären

Rebecca Solnit ist sauer. Das habe ich ziemlich schnell gemerkt. Obwohl sauer das falsche Wort ist. Sie empört sich, legt den Finger in die Wunde und ist dabei mitunter sehr nüchtern, zynisch und abgeklärt. „Wenn Männer mir die Welt erklären“ ist ein Essaysammelband und der zweite Band der sogenannten Solnit-Trilogie. Ich habe schon das ein oder andere Buch über Feminismus gelesen, aber so klar, wie die Autorin hat noch keine geschrieben, was sich konkret ändern muss. Sie spricht über Gewalt und Schuld – wobei Gewalt der Mann und Schuld die Frau ist -, Unterdrückung, das Ungewisse der Zukunft und Virgina Woolf, die sie bewundert und schätzt.

Wenn Männer mir die Welt erklären

Cover: btb

Das Buch liest sich schnell. Die Sätze sind zwar teilweise verschachtelt und lang, aber sie sind nicht schwer zu lesen. So läuft der Leser/die Leserin jedoch Gefahr, über wichtige Passagen hinweg zu lesen. Immer wieder ist es mir passiert, dass ich mich gefragt habe, was ich denn da gerade genau gelesen habe. Ein gründliches (nochmal-)lesen einiger Abschnitte ist durchaus empfehlenswert. Auch jetzt glaube ich, dass ich das Buch und seine Aussage nicht in seiner Gänze erfasst habe. Was mich abgeschreckt hat, ist, ihre teilweise selbstgerechte Art. Sie schreibt, dass sie diese Essays schreibt, damit Frauen wissen, dass sie mit ihren Erfahrungen nicht alleine sind, dass es anderen Frauen auch so geht. Dabei bleibt für mich auf der Strecke, dass die Erlebnisse die Frauen haben, auf dasselbe Problem hinweisen, jede aber ihr ganz persönliche Geschichte hat.

Als US-Amerikanerin schreibt Solnit hauptsächlich aus der Sicht einer US-Amerikanerin und fokussiert ihre Beispiele und Statistiken darauf. Das ist nachvollziehbar. Doch kommen die Aussagen des Buches nicht so nah an mich heran, wie es lokale Vorkommnisse tun. (Während des Lesens habe ich mich gefragt, wie die Vergewaltigungrate an deutschen Universitäten aussieht. Bei Gelegenheit werde ich das einmal nachschauen. Dadurch, dass es in Deutschland ein ganz anderes universitäres System gibt, kann ich mir durchaus vorstellen, dass es da Unterschiede gibt.) Trotzdem habe ich durch das Buch viel gelernt. Es hat mir eine Menge Denkanstöße gegeben. Besonders die letzten beiden Aufsätze „Woolfs Dunkelheit. Das Unerklärliche bejahen“ und „Die Büchse der Pandora und die Freiwilligenpolizei“ haben mir gut gefallen. Im ersteren finden sich die Sätze „Sie [Susan Sontag] vertrat die Ansicht, dass wir aus Prinzip Widerstand leisten sollten, selbst wenn es vermutlich nichts bewirkt. Ich hatte gerade angefangen, in meinen Texten für Hoffnung zu plädieren (…)“. Das Element der Hoffnung findet sich immer wieder in Solnits Aufsätzen, nur manchmal ist zu merken, dass sie ein wenig mürbe wird, diese aufrechtzuerhalten.

Rebecca Solnit: Wenn Männer mir die Welt erklären

Verlag: btb
Erschienen: Januar 2017
Genre: Sachbuch
Seitenzahl: 176
ISBN: 978-3-4427-1439-1
Bindung: Broschiert
Preis: 10,00 €

Stellenweise ist mir das Geschriebene zu pauschal. Zwar betont Solnit immer wieder, dass es durchaus auch andere Männer gibt, Männer, die verstanden haben, dass es im Feminismus nicht darum geht, Männer zu hassen, sondern darum eine gleichberechtigte Welt für alle zu schaffen. Doch ist sie in ihren Aussagen so rabiat und aggressiv, dass diese Hintergrundaussage schnell vergessen ist. Ich frage mich, ob so eine Pauschalisierung, wie Gewalt sei ein rein männliches Problem, richtig ist. Schreckt es doch die ab, die schon einen oder mehrere Schritte in die gemeinsame Richtung gemacht haben. Andererseits glaube ich, dass nur durch diese überspitzten Verallgemeinerungen wirklich klar wird, wie groß das Problem der Ungleichheit, der Gewalt und des Hasses wirklich ist. Wenn alles klein und schön geredet wird, wird sich nie etwas ändern.

 

Titelbild: pixabay/StockSnap

Zitat: Wenn Männer mir die Welt erklären

Diese Woche ist das Zitat mal wieder ein wenig kontroverser.

Wenn Männer mir die Welt erklären

Cover: btb

“Ich will nicht auf Männern herumhacken. Ich bin einfach der Ansicht, wenn wir zur Kenntnis nähmen, dass Frauen insgesamt erheblich weniger gewalttätig sind, ließe sich auf fruchtbarere Weise ergründen, woher Gewalt kommt und was wir dagegen tun können.”

  • Rebecca Solnit in Wenn Männer mir die Welt erklären

Kino: #Female Pleasure

Und auch wenn der Titel für manch eine/n etwas anderes vermuten lässt, ist es ein Dokumentarfilm.
Der Untertitel des Films lautet Fünf Kulturen, fünf Frauen, eine Geschichte. Die ZuschauerInnen begleiten Deborah Feldman, Leyla Hussein, Rokudenashiko, Doris Wagner und Vithika Yadav auf ihrem Weg, sich gegen Religion, herrschende gesellschaftliche Zwänge und Ungerechtigkeiten in Bezug auf Sexualität und Geschlecht aufzulehnen. Alle auf ihre eigenen Weisen wollen zum einen Aufmerksamkeit auf Missstände leiten und dadurch Veränderung herbeiführen.

female pleasure Poster

Poster: X-Verleih

Deborah Feldman möchte eine weibliche Rebellion gegen das ultra-orthodoxe Judentum anführen. Sie hat sich in der Gemeinde der chassidischen Juden in Williamsburg, Brooklyn, New York noch nie wohlgefühlt. Das Klima von Unterdrückung von Frauen, das Zusammenspiel von Zwang und Gehorsam und die vielen Vorschriften und die Geburt ihres Kindes, das einmal ein besseres Leben haben sollte, führten dazu, dass Deborah in einer riskanten Flucht aus ihrer Gemeinde verließ, bis nach Berlin rannte und seitdem nicht zurückgeblickt hat. In einem Buch hat sie ihre Erlebnisse aufgeschrieben. In Berlin arbeitet sie mit anderen Gleichgesinnten zusammen. Gemeinsam erstellen sie Fotos, die provokant jedoch stilvoll Tabubrüche des Glaubens zeigen.

Leyla Hussein kämpft für die sexuelle Selbstbestimmung im fundamentalistischen Islam. Vor allen Dingen aber kämpft sie für die Abschaffung der weiblichen Beschneidung bzw. Genitalverstümmelung. Sie selbst musste sich mit sieben Jahren diesem grausamen Ritual unterziehen, damit sie als rein galt. Damit dies nicht mehr passiert, arbeitet sie an Aufklärungskampagnen und engagiert sich sowohl in Großbritannien als auch in Afrika, um Mädchen vor diesem bestialischen Akt zu schützen.

Rokudenashiko ist Künstlerin in Japan und kämpft für die künstlerische Befreiung des weiblichen Körpers im Buddhismus. Während es im Buddhismus ein Fest gibt, um den Penis zu ehren, ein Festakt, wo Menschen überdimensionierte Phallussymbole durch die Straßen tragen und junge Mädchen an Penislutscher lecken, gab es in Japan einen nationalen Aufschrei, ein Aufbegehren gegen die Künstlerin, die einen Gipsabdruck ihrer Vulva machte, ihn farbig an malte und diesen als Kunst präsentierte. Rokudenashiko wurde verklagt. Sie solle dieses obszöne Verhalten unterlassen.

Doris Wagner kämpft gegen den sexuellen Missbrauch im erzkatholischen Christentum. Sie selber hat als Novizin und Nonne sexuellen Missbrauch durch einen Pater erfahren. Sie kämpfte sich nach Jahren der Misshandlung aus der Abhängigkeit und versucht nun, unter Papst Franziskus Gerechtigkeit zu erlangen.

Vithika Yadav setzt sich für die sexuelle Befreiung im ultra- nationalistischen Hinduismus in Indien ein. Unter anderem kämpft sie gegen die Zwangsehe und propagiert eine Eheschließung aus Liebe. Doch vor allen Dingen geht es ihr darum, dass Mädchen und Frauen nicht mehr als Objekte angesehen werden. Sie hat die Internetseite “Love Matters” gegründet, auf Aufklärungsprojekt, das nicht indische Mädchen und Frauen über Sexualität, Liebe und Gleichberechtigung informiert.

So nobel dieser Dokumentarfilm auch ist, so erzählt er den Menschen doch nichts Neues, die auch nur ein wenig mit dem Thema Feminismus beschäftigt haben und beschäftigen. Da unsere Welt, was die Geschlechterverhältnisse angeht, im Ungleichgewicht steht, ist offensichtlich. Das Religionen einen großen Einfluss auf dieses Ungleichgewicht haben auch. Offensichtlich zeigt Doris Miller hier die extremen Beispiele. Doch wie anders soll sie eine Öffentlichkeit auf diese Ungleichheiten aufmerksam machen, wenn nicht durch Extreme.

Natürlich ist es absurd, dass Menschen große Penisstatuen durch Städte tragen, es aber nicht okay ist, wenn eine Frau in einem Kanu über einen Fluss fährt, der eine 3D Printvergrößerung ihrer Vulva ist. Sex ist überall und doch ist er tabu. Sexismus ist überall und doch soll sich frau nicht so anstellen. Es ist schließlich als Kompliment gemeint.

Wie gesagt, ich kannte fast alle Frauen und ihre Geschichten schon. Trotzdem habe ich im Kino gesessen und mich vor imaginärer Schmerzen leicht gekrümmt, als Leyla an einem überdimensionalen Knet-Modell einer Vulva gezeigt hat, welche Teile (innere/äußere Schamlippen und die Klitoris) bei der weiblichen Beschneidung entfernt werden und dann beherzt mit einer großen Schere die entsprechende Teile abschnitt. Der Film ist eher an eine breite Öffentlichkeit als an ein “Fach”-Publikum gerichtet. Eine Öffentlichkeit, die gerne genau hinschauen darf, denn sehenswert ist die Dokumentation allemal. Manchmal ist es wichtig, das Extreme zu sehen, um es im Kleinen zu erkennen.

Ab 08. November im Kino.

Titelbild: Copyright X Verleih AG

Zitat: The Five People You Meet in Heaven

The Five People you meet in Heaven

Cover: sphere

Wenn der erste Satz eines Buches gut ist, freu ich mich noch mehr darauf weiterzulesen. Hier ist der erste Absatz aus The Five People You Meet in Heaven:

“This is a story about a man named Eddie and it begins in the end, with Eddie dying in the sun. It might seem strange to start a story with an ending. But all endings are also beginnings. We just don’t know it at the time.”

  • Mitch Albom in The Five People You Meet In Heaven

Buch: Mit kleinem Gepäck

Mit leichtem Gepäck

Cover: Güterloher Verlagshaus

Erst seit Kurzem zieht mich das Genre Reiseliteratur magisch an. Andere Städte und Länder entdecken, andere, fremde Kulturen erforschen und reisen generell ist etwas, das ich sehr gerne mache, aber über die Erlebnisse anderer lesen – das Interesse ist neu. Als ich gesehen habe, dass Tamina Kallert, die (Reise-)Journalistin und Moderatorin der Sendung “Wunderschön” ein Buch geschrieben hat, hat es mich neugierig gemacht. So macht diese Frau doch das, was ich mir durchaus auch als meinen Beruf vorstellen kann. Reisejournalismus, hach ja. Dream big or go home! Nachdem ich das Buch gelesen habe, ist der Wunsch Reisejournalistin immer noch da, aber anders als vorher. Habe ich doch durch die Lektüre so einiges gelernt. Sowohl über den Beruf als auch über mich.

Das Buch “Mit kleinem Gepäck – Wunderschöne Geschichten vom Reisen” ist in neun Kapitel eingeteilt. Davor gibt es als Einstimmung einen Prolog über ihren allerersten Drehtag auf Sylt und am Ende, wie sollte es anders sein, eine Danksagung. Die Kapitel tragen so schöne Überschriften wie “Im Canal du Midi”, “Sechs Tage Dauerregen” oder “Die Teefee”. Bei einigen Titel hilft ein genaues lesen dabei, sich auf das Folgende einzustimmen. Sollte dennoch nicht klar sein, was folgt, hilft ein einprägsames Zitat am Anfang beim Vorahnen. In den Kapiteln erfahren die LeserInnen Ereignisse aus verschiedenen Drehorten. Meist sind ein bis drei Orte an bestimmte Überschriften gebunden. Städte und Landschaften innerhalb Deutschlands sind dabei ebenso vertreten wie das ferne Südafrika oder das allseites beliebte Reiseziel Mallorca. Lebhaft und anschaulich erzählt die Autorin das, was sie bewegt (hat) und was ihr wichtig ist: Offenheit, Neugier und Toleranz.

Tamina Kallert: Mit kleinem Gepäck – Wunschöne Geschichten vom Reisen

Verlag: Gütersloher Verlagshaus
Erschienen: September 2018
Genre: Reiseliteratur
Seitenzahl: 224
ISBN: 978-3-5790-8720-7
Bindung: Gebundenes Buch mit Schutzumschlag
Preis: 20,00 €

Mir hat gefallen, wie persönlich das Buch ist. Frau Kallert spricht nicht nur über die Sonnenseiten ihres Berufs, sondern auch intensiv über die Schattenseiten. Oft sieht es im Fernsehen viel einfacher aus, als die Situation in Wirklichkeit war. Das zeigt schon die Beschreibung des besagten ersten Drehtages auf Sylt. Auch die Ausdauer und Geduld, die ein Dreh abverlangen, beschönigt sie genauso wenig wie der Fakt, dass sie auf Reisen ständig von anderen Menschen umgeben ist. Ruhe ist da selten zu finden. Das sich das Team nicht ständig an die Gurgel geht, zeugt von Charakterstärke.

Doch ebenso schreibt sie mit ansteckender Begeisterung von ihrem Beruf, den Reisen, den Menschen, denen sie begegnet und mit denen sie zusammenarbeitet. Die Leidenschaft ist zwischen den Zeilen spürbar. Ihre Beschreibungen eines typischen Arbeitstages vor Ort haben meine Begeisterung für den Journalismus und das Reisen weiter entfacht. Was es mir aber auch bewusst gemacht hat, ist, dass ein Beruf vor der Kamera nichts für mich ist. Das ist mir viel zu aufregend.

 

Titelbild: pixabay/StockSnap

Zitat: Ein unvergänglicher Sommer

Ein unvergänglicher Sommer

Cover: Suhrkamp verlag

“Zum ersten Mal spürte sie ihre eigene Seele wie ein Glimmen in ihrem Innern, das sie aufrecht hielt, ein Glimmen, das ewig war und von den Bestrebungen des Daseins unberührt. Sie fand einen Punkt vollkommener Ruhe in ihrer Mitte. Nichts war zu tun, nichts, außer zu warten. Den Lärm der Welt zum Schweigen bringen. So empfand ihre Mutter die Nähe des Todes, und als Lucía das klar wurde, schwand der Schrecken, der sie beherrscht hatte beim Anblick ihrer Mutter, die weniger wurde und verlosch wie eine Kerze.”

  • aus Ein unvergänglicher Sommer von Isabel Allende