Filmreise-Challenge #62: The Boys in the Band

Ursprünglich hatte ich gar nicht vor, zu “The Boys in the Band” einen Blogpost zu schreiben. Ich wollte mir einfach einen hoffentlich guten Film anschauen. Aber der Film ist so gut, dass ich ihn nicht unkommentiert lassen kann. Als ich dann auch noch gelesen habe, dass er auf einem Theaterstück aus dem Jahr 1968 basiert, war klar, dass er der perfekte Film für die Aufgabe #62 der Filmreise-Challenge ist: Schaue die Verfilmung eines internationalen postmodernen Dramas.

Copyright: Netflix

In “The Boys in the Band” geht es um keine tatsächliche Band mit Sänger, Schlagzeuger, Keyboarder und so weiter, sondern um eine Gruppe, die zusammengehört. Eine Gruppe, die etwas gemeinsam hat, die etwas verbindet. In diesem Fall ist es ihre Liebe zu Männern. (Ursprünglich hatte ich hier Homosexualität geschrieben, doch im Drama ist mindestens einer der Charaktere bisexuell). Michael hat seine Freunde zu sich eingeladen, um Harolds Geburtstag zu feiern. Die sieben Männer möchten einen schönen Abend auf Michaels Dachterrasse verbringen, den Ausblick auf New York genießen, die Seele baumeln lassen und dem Alkohol fröhnen. Dieses Vorhaben wird gestört, als Alan auftaucht, Michaels ehemaliger (heterosexueller) Mitbewohner aus dem College. Auch nach mehr als zehn Jahren versucht Michael immer noch aus Angst und Scham seine Identität vor ihm zu verstecken. So nimmt der Abend eine beklemmende Wendung.

Das macht acht Männer, richtig. Aber auf dem Plakat sind neun zu sehen. Ebenfalls richtig. Der letzte im Bunde ist Cowboy, ein argloser, naiver, leicht begriffsstutziger Call-Boy, den Emory, einer der Gäste, Harold für eine Nacht zum Geburtstag geschenkt hat. Schon an der Besetzung der Charaktere ist zu erkennen, wie unterschiedlich homosexuelle Männer sind, dass es nicht den einen stereotypen Schwulen gibt. Es ist, wie es unter der kompletten Bevölkerung ist: eine bunte Mischung. Natürlich gibt es diese Stereotypen aus einem Grund, aber das Drama zeigt eindrucksvoll, dass es sich lohnt, hinter diese Fassaden zu blicken.

Das Theaterstück von Mart Crowley wurde 1968 am Off-Broadway uraufgeführt. Damals war Schwulsein in keinster Weise in der Gesellschaft akzeptiert. So war es für die Originalbesetzung ein großes Risiko, ihre Rollen zu spielen. Sie nahmen in Kauf, als Schwuchteln verschrieen zu sein und setzten so ihre Karrieren aufs Spiel. 1970 wurde das Drama schon einmal verfilmt. Erneut in den Fokus rückte das Stück 2018, als die Cast, die auch im Film zu sehen ist, das Drama zum 50. Jubiläum erneut auf die Broadwaybühne brachte. Filmregisseur Joe Mantello war so begeistert davon, dass er den Stoff 2020 in einen Film verwandelte. Das besondere an dieser Cast? Alle neun Männer sind offen schwul lebende und liebende Männer. Von Jim Parsons über Zachary Quinto bis Matt Bomer und Charlie Carver spielen in diesem Film nur Männer mit, die zu ihrer Homosexualität stehen und sich deswegen nicht verstecken. They are out and proud! Auch wenn das Thema Homosexualität heute nicht mehr so verpönt ist, wie noch vor 50 Jahren, ist es doch bei weitem immer noch nicht als normal angesehen.

Dem Drama ist anzumerken, dass es für die Bühne und nicht für die Leinwand geschrieben wurde. Aber das macht nichts, denn die Umsetzung ist exzellent. Die Kulisse – Michaels Wohnung – ist geschmackvoll und genau an die Gegebenheiten angepasst. Die Positionierung der Kamera ist sehr genau auf die verschiedenen Szenen angepasst. Die intensiven Dialoge lassen eine immense Spannung entstehen und doch ist manchmal ein ungesagtes Wort mehr Wert als jeder Satz, ein Seufzer mehr als eine Träne und ein Augenverdreher führt leicht zu einem Lächeln. In diesen Dialogen besonders, wenn Alan ins Spiel kommt, spiegeln, wie oft diese Männer mit Vorurteilen konfrontiert werden und wie müde sie sind. Es gipfelt in Michaels theatralischem Monolog am Ende.

Auch wenn es in “The Boys in the Band” um Männer geht, habe ich mich darin doch mehr verstanden gefühlt, als in vielen anderen sogenannten Lesbenfilmen.

Titelbild: Copyright Scott Everett White/NETFLIX

Zitat: Grey’s Anatomy

“We’ll try again and we’ll fail again because that’s what progress looks like. Progress looks like a bunch of failures. And you’re going to have feelings about that because it’s sad, but you cannot fall apart. And then one day, we will succeed and save a person’s life and we will walk on the moon.”

  • Dr. Meredith Grey in Grey’s Anatomy (Staffel 10, Folge 11)

Zitat: Sowas kann auch nur mir passieren

“Weißt du, ich habe Robin nicht gut genug kennengelernt, um die Dunkle Triade zu diagnostizieren, aber es würde mich nicht überraschen.
“Das klingt wie eine Hip Hop Band.”
“Narzissmus, Manipulation, fehlende Empathie”, zählt Rav die Merkmale an den Fingern ab und greift dann nach der offenen Tüte Walker’s Chips. “Leute, die dich einverleiben und wieder ausspucken, ohne das geringste Schuldgefühl.”

  • aus Sowas kann auch nur mir passieren von Mhairi McFarlane

Zitat: Illegal

Ebo: “Razak, do not let go!”
Razak: “I’m not going to. But soon my hands will do it for me. We tried our best for Europe, but everything was against us.”
Ebo: “Keep hold, Razak, please!”
Razak: “I’m not going to. I…”

  • aus der Graphic Novel “Illegal” von Eoin Colfer und Andrew Donkin illustriert von Giovanni Rigano

Zitat: Es war einmal ein blauer Planet

“Als ich hörte, wie sie “mein Lieber” sagte, überfluteten mich Glücksgefühle.
Und jetzt, wo ich in der Beobachtungskabine sitze und die Sterne betrachte, hält dieses Glück noch immer an.”

  • Robin in Es war einmal ein blauer Planet von Franois Lelord
Ich habe leider nichts Passendes zum Buch gefunden. Daher hier ein Video, dass einen beim Lesen begleiten kann.