Buch: Die Unsterblichen

Manchmal lasse ich mich dazu verleiten, etwas zu lesen, was von vielen Menschen hoch gelobt wird. So war es auch bei “Die Unsterblichen” von Chloe Benjamin. Ich habe nur Gutes darüber gehört und gelesen. Um ehrlich zu sein, hat mich der Roman nicht vom Hocker gerissen. Er ist ganz nett, aber nett ist ja die kleine Schwester von sch…e. Das trifft hier nicht zu, aber mir fällt keine andere Beschreibung ein.

Die Unsterblichen

Cover: btb

In diesem Buch geht es um die Geschwister Varya, Daniel, Klara und Simon. Als sie alle noch Kinder sind, besuchen sie aus reiner Neugierde eine Wahrsagerin. Einer nach dem anderen geht zu ihr hinein. In ihrer finsteren Wohnung erfahren sie, wann sie sterben werden. Alle stehen in irgend einer Weise unter Schock und verarbeiten die Neuigkeiten ganz unterschiedlich. Aber das Erlebnis prägt sie alle. Im Verlauf des Romans steht geschrieben, wie die Kinder einstigen Kinder von damals sterben.

Das Buch ist in vier große Abschnitte eingeteilt. Jeder Abschnitt steht für eines der Geschwisterkinder. Es sind also mehr oder weniger in sich abgeschlossene Geschichten, die sich am Ende zu einer großen Erzählung zusammenfügen. Außerdem wird jeder Abschnitt aus der Perspektive des Geschwisterkindes dargelegt. Keine allwissende Erzählerin oder jemand, der einen auf eine falsche Fährte lockt.

Chloe Benjamin: Die Unsterblichen

Verlag: btb
Erschienen: Oktober 2018
Genre: Roman
Seitenzahl: 480
ISBN: 978-3-442-75819-7
Bindung: Gebunden
Preis: 20,00 €

Die Idee ist nicht neu, passt in meinen Augen aber wunderbar zu diesem Roman. Es war einfach, dass mich das Buch am Anfang gepackt hat und dann relativ schnell wieder losgelassen hat. Der Prolog macht neugierig und auch die Sprache am Anfang fand ich sehr schön stimmig. Doch dann baut die Spannung leider immer mehr ab. Das Ende der ersten beiden Abschnitte fand ich vorhersehbar. Die Teile über Daniel und Varya waren mir viel zu abwegig und unglaubwürdig. Nicht in der Art, dass so etwas nicht passieren kann, sondern, dass es einfach nicht zum Buch passt. Es war alles so gewollt und gezwungen. Dabei steckt die Story voller Emotionen. Aber die Gefühle sind einfach nicht bei mir angekommen. Ich konnte mich mit keinem der Charaktere identifizieren oder irgendeine Bindung aufbauen. Das Drama, das jedem einzelnen widerfährt, hat mich nicht berührt.

Es tut mir sehr leid, dass mir das Buch nicht viel besser gefallen hat. Wie gesagt: Die Idee finde ich super, aber ich konnte einfach nicht zwischen den Zeilen abtauchen. So schlimm, wie es sich jetzt vielleicht lesen mag, finde ich den Roman auch nicht. Er ist für mich Durchschnitt, aber nachdem ich soviel Gutes gehört und gelesen habe, habe ich einfach mehr als Mittelmaß erwartet.

Titelbild: pixabay/stocksnap

Advertisements

Zitat: Chimamanda Ngozi Adichie

“The problem…, the problem with gender is that it prescribes how we should be rather than recognizing how we are. Now imagine how much happier we would be, how much freer to be our true individual selfs if we didn’t have the weight of gender expectations.”

  • Chimamanda Ngzoi Adichie

Filmreise-Challenge #59: The Salesman

Mit “The Salesman” setze ich meine Bildungsreise weiter fort. Die Aufgabe für #59 war: Schaue einen Film, in einer dir fremden Sprache. Ich habe mich für “The Salesman” (Originaltitel: Forushande) entschieden. Die Originalsprache ist des Films ist Farsi. Ich habe ihn mir mit deutschen Untertiteln angeschaut. Im Jahr 2016 hat das Drama von Regisseur Asghar Farhadi den Oscar für den Besten Fremdsprachigen Film bekommen.

The Salesman Poster

Poster: Prokino Filmverleih

Der Film leitet seinen Namen vom Theaterstück “Death of a Salesman” von Arthur Miller ab. Leider ist es zu lange her, dass ich das Stück in der Schule gelesen habe, deswegen kann ich nicht genau sagen, wie viele Parallelen es zwischen dem Stück und dem Film gibt. Die Verbundenheit der beiden Werke ist aber nicht von der Hand zu weisen.

Das Ehepaar Emad und Rana muss fluchtartig seine Wohnung verlassen, weil Bauarbeiten das Fundament beschädigen. Das Haus droht einzustürzen. Überall sind Risse. Fensterscheiben gehen durch die Erschütterungen zu Bruch. Zum Glück weiß einer aus der Theatergruppe, in der beide spielen, eine Wohung, die gerade frei geworden ist. Froh, eine Bleibe gefunden zu haben, die ihnen gefällt, stellen Emad und Rana auch keine Fragen, sondern denken sogar über Nachwuchsplanung nach. Nach einer Probe mit der Theatergruppe – sie wollen “Death of a Salesman” von Arthur Miller bald aufführen – geht Rana schon nach Hause, während Emad noch im Theater bleibt, um drei Details mit der Kulturbehörde zu besprechen. Während Emad nicht da ist, überfällt ein Unbekannter Rana in der Wohnung und verletzt sie so sehr, dass Emad sie Krankenhaus wiederfindet.

In diesem zarten Drama geht es um die Beziehung zwischen Rana und Emad und wie der Überfall die Dynamik zwischen den beiden verändert. Es geht um Rache und Vergebung. Emad ist besessen davon, denjenigen zu finden, der Rana das Leid angetan hat. Stellenweise ähnelt der Film mehr einem Krimi. Nach und nach setzt Emad Puzzleteile zusammen, während Rana versucht, in ihr normales Leben zurückzufinden. Shahab Hosseini als Emad und Taraneh Alidoosti als Rana spielen ihre Rollen hervorragend. Die Liebe, aber auch Verzweiflung und Wut ist roh und unverfälscht und unmittelbar spürbar. Die Chemie zwischen den beiden Hauptcharakteren stimmt bis ins kleinste Detail. Er ist ihr aufgebrachter Held, der sie gerne retten möchte. Sie ist das Opfer, das lieber alles vergessen möchte, als zu sehen, dass Heldentaten vollbracht werden. Weiß sie doch, dass Verbitterung und Hass zu nichts Gutem führen kann. Zwei tolle Schauspieler!

Ich bin sehr froh, dass ich das Drama im Original gesehen habe. Besonders, wenn die Übersetzung so weit weg ist, dass die Mundbewegungen so gar nicht mehr zu den vermeintlichen Worten passen leidet für mich die Glaubwürdigkeit. Oft kommen auch ganz seltsame deutsche Sätze aus den Mündern, um sie den Mundbewegungen anzupassen. Doppelt gruselig. Außerdem ist die Klangfarbe der Stimmen oft eine ganz andere als die im Original. Das verzerrt wiederum die Bedeutung. Und Mimik spielt da dann ja auch nochmal eine Rolle. Bei oberflächlichen Filmen kann ich das meist irgendwie überspielen, aber nicht bei einem so intensiven Drama wie “Forushande”.

Ich war sehr gespannt auf das Drama. Nicht nur, weil es oscarprämiert ist, sondern auch weil ich nur Positives über den Film gehört habe. Er ist ganz schön schwere Kost und Triggerwarnungen sind definitiv angebracht. Aber besonders, weil sich so viel auf einer zwischenmenschlichen Ebene abspielt. Die SchauspielerInnen deuten mehr an, als dass sie etwas aussprechen. Über gewissen Dinge zu sprechen, ist im Iran einfach tabu. So ist Diskretion auch auf die Wahl der Worte angebracht. Durch das verbale Unwohlsein intensiviert es die Story noch einmal. Meine Meinung: Absolut sehenswert!

Titelbild: Copyright Habib Majidi

 

Kino: Der Junge muss an die frische Luft

Den Trailer zu “Der Junge muss an die frische Luft” habe ich gesehen, als ich im Kino war, um mir die “Phantastischen Tierwesen” anzusehen. Der kurz Clip hat mich überraschenderweise total angesprochen. Das hätte ich nicht gedacht. Als meine Freundin dann noch meinte, sie würde den Film gerne sehen, war das Schicksal besiegelt. Kurzerhand haben wir einen Abend zwischen Weihnachten und Neujahr zur Date Night gemacht. Und sie war ein voller Erfolg. Der Film hält, was der Trailer verspricht. Auch wenn er trauriger ist, als er auf den ersten Blick zu sein scheint.

Der Junge muss an die frische Luft Poster

Poster: Warner Bros. GmbH

“Der Junge muss an die frische Luft” sagt Opa Willi, als die Familie an einem Tiefpunkt angekommen ist. Opa und der kleine Hans-Peter machen sich auf den Weg in die Berge, wo sie die Ruhe genießen wollen. Aber es ist gar nicht ruhig. “Opa, ich kann die Kuhglocken hören!” Tja, da hat er recht. Es sind die kleinen Sätze, die in diesem Film ein Lächeln auf meine Lippen gezaubert hat. Das, und die brutale Ehrlichkeit des kleinen Hans-Peter. Richtig gelacht habe ich aber auch. Die kleinen Späße, die schon im Trailer zu sehen sind, lassen das Komiker-Talent des heutigen Mannes erkennen. So kreativ und schonungslos wie nur Kinder sein können. Außerdem hat der kleine Hans-Peter eine intensive Beobachtungsgabe und eine Begabung zur Imitation. Einen Jungen zu finden wie Julius Weckauf, der in der Rolle total aufgeht, ist ein Glücksgriff. Weckauf holt aus dem tollen Charakter das beste raus.

Der Film ist gespickt mit Seitenhieben, auf den späteren Mann – visuell und akustisch. Das tut gut. Es zeigt mir, dass schon damals ein großes Talent in dem kleinen Jungen steckt. Das hat Oma Anne auch sofort gemerkt. “Der Junge muss an die frische Luft” ist aber nicht nur lustig, sondern sehr tiefsinnig. Das Schicksal, das Hans-Peter in jungen Jahren erfährt, prägt ihn für sein Leben. Mehrmals habe ich im Kino gesessen und still geweint. Da ist es gut, wenn Opa Willi dem Jungen sagt, dass er nicht allein ist, weil es genau das ist, was ich ihm auch sagen möchte.

Regisseurin Caroline Link hat einen sehr einfühlsames Drama geschaffen, dass sehr feinfühlig mit dem Stoff der Romanvorlage umgeht. Ihren Respekt gegenüber Hape Kerkeling zeigt sie auch darin, dass sie ihm im Abspann für sein Vertrauen dankt. Ich selber habe das Buch nicht gelesen, aber nachdem die Figuren im Film so lebhaft dargestellt sind, möchte ich das gerne nachholen. Ich bin mit der Erwartung ins Kino gegangen, einen lustigen Film zu sehen, der mich gut unterhält. Gesehen habe ich eine vielschichtige Familiengeschichte mit tollen Schauspielern und Schauspielerinnen. Eine Story über Depressionen, Verlust und Einsamkeit, aber auch über Zusammenhalt, Liebe und Mut. Eine Geschichte, die mich tief berührt hat.

Titelbild: Copyright Warner Bros. / Julia Terjung

Film: Der Schneemann

Heute ist der erste Weihnachtsfeiertag. Ein Tag, an dem viele Menschen Weihnachten feiern. Hoffentlich genießt auch ihr die Zeit und verbringt schöne Feiertage. Ich wünsche euch auf jeden Fall auf diesem Weg fröhliche Weihnachten.

Der Schneemann PosterIn diesem Jahr, mehr noch als in den letzten, sehne ich mich nach ein wenig Ruhe. Ich weiß nicht, ob es damit zusammenhängt, aber seit Anfang der Weihnachtszeit schwirrt mir ein Lied im Kopf herum und auch verschiedene Filmsequenzen, deshalb habe ich mich dazu entschlossen, einen Blogpost zu diesem tollen Zeichentrickfilm zu schreiben. “Der Schneemann” ist ein Weihnachtsfilm, den ich mit ganz vielen schönen Erinnerungen verbinde. Erinnerungen an meine Kindheit und an Weihnachten. Dabei ist er ein ganz leiser Zeichentrickfilm aus Großbritannien. Er kommt ohne Worte aus und ist nur mit Musik untermalt.

Eines Morgens im Winter wacht der Junge James auf. Es hat geschneit. Immer noch fallen dicke weiße Flocken vom Himmel. Schnell zieht er sich an und rast in den Garten. Dort spielt und tobt er, bis er am Nachmittag einen riesigen Schneemann baut. Als er zum Abendessen reingehen muss, ist er ganz traurig und guckt immer wieder aus dem Fenster. Doch alles Sehnen hat keinen Zweck. Um halb acht ist Schlafenszeit. Müde fällt James ins Bett. Als um Mitternacht die Standuhr läutet, ist er hellwach. Vorsichtig schaut er aus dem Fenster und sieht, dass sein geliebter Schneemann zum Leben erweckt. Schnell flitzt James vor die Tür und holt ihn ab. Er zeigt dem Schneemann das ganz Haus. Sie spielen die ganze Nacht. Auf einmal nimmt der Schneemann James an die Hand und sie fliegen durch die Luft – zu einem Besuch beim Weihnachtsmann. Alles sehr aufregend.

Ich mag den Film, weil er so liebevoll gemacht ist. Natürlich mag ich auch Filme wie “Liebe braucht keine Ferien” und “Love Actually” (an Weihnachten darf es auch einmal kitschig sein). Aber dieser Film berührt mich auf eine ganz andere Art und Weise. Der Film ist von 1982 und hat nichts an Aktualität verloren. Er ist noch nicht mal eine halbe Stunde lang, aber genau das macht ihn aus. Schlicht und einfach und schön sind die Buntstiftstriche, die gut zu erkennen sind. Außerdem sind die kleinen Details so wundervoll. Die Mutter, die James unbedingt eine Mütze aufzieht, ehe er nach draußen geht, aber eine Jacke braucht das Kind nicht. Oder die typisch britische Tea Time, zu der das Kind nach Hause muss.

Die ganze Geschichte strahlt soviel Freude und Liebe aus. Und genau darum soll es an Weihnachten doch eigentlich gehen: Ruhe, Freude und Liebe. Für mich kommt bei “Der Schneemann” dann noch eine Portion Zufriedenheit und schöne Erinnerungen dazu und fertig ist einer meiner Lieblingsweihnachtsfilme. Wer auf der Suche nach einem etwas anderen Weihnachtsfilm ist, dem kann ich “Der Schneemann” nur empfehlen.

Titelbild: pixabay/brisch27