Kino: Ocean’s 8

Was war ich auf den Film gespannt. Als ich Anfang des Jahres gehört habe, dass ein neuer Teil der Ocean’s-Reihe rauskommt, habe ich mich mega gefreut. Und dann habe ich gesehen, dass es die Besetzung fast ausschließlich weiblich ist und dass Sandra Bullock die Hauptrolle spielt. Ich habe innerlich Purzelbäume gemacht.

Oceans8 Poster

Poster: Warner Bros. GmbH

Danny Oceans Schwester Debbie kommt endlich aus dem Gefängnis frei. Natürlich erzählt sie den Behörden, dass sie einfach ein ruhiges, unauffälliges Leben führen möchte und keine krummen Dinger drehen wird. Glaubhaft gespielt und schon ist sie draußen. Was macht die Gute als erstes? Sie geht ins Luxus-Kaufhaus und klaut. Sehr stilsicher und gekonnt. Nachdem sie sich auf fremde Kosten in einem Hotelzimmer eingenistet hat, trifft sie sich mit ihrer Freundin Lou auf einen Kaffee. Acht Jahre hatte Debbie Zeit ihren Plan zu entwerfen und zu perfektionieren. Er steht und ist bombensicher. Sieben Frauen braucht es, um auf der diesjährigen Met Gala, eine Halskette im Wert von 150 Millionen Dollar zu stehlen. Die beiden Frauen machen sich an die Umsetzung. Natürlich geht etwas schief. Aber Debbie ist und bleibt eine Ocean und ist auf alles vorbereitet.

Die Frauen stehen den Männern in nichts nach. Was ich nicht anders erwartet habe. Toll wäre es natürlich gewesen, wenn auch eine Frau Regie geführt hätte, aber Gary Ross hat das schon gut gemacht. Es ist auch gut zu wissen, dass Steven Soderbergh, der Regisseur der anderen Ocean’s Teile, dieses Mal als Produzent fungiert hat.

“Ocean’s 8” hat den Namen Komödie verdient. Wortwitz, Situationskomik, Ironie, Slap-Stick, alles vorhanden und passt zusammen. Außerdem ist das Star-Aufgebot neben den SchauspielerInnen riesig. Im Hintergrund der Met Gala laufen Anna Wintour, ein paar Kardashians, Heidi Klum und wahrscheinlich noch ein Haufen mehr Stars und Sternchen, die ich mangels Interesse gar nicht kenne, die breite Treppe rauf oder runter. War das für mich oder den Film wichtig? Nein! Aber es hat für nette Überraschungen gesorgt. Eine Augenweide sind aber nicht nur die Stars, sondern auch die atemberaubenden Kostüme. Dabei meine ich nicht nur die Gala-Roben der Schauspielerinnen, sondern auch ihre Alltagskleidung. Ich würde sehr gerne mal in Lous Kleiderschrank stöbern. Kostümbildnerin Sarah Edwards hat die Persönlichkeiten der einzelnen Personen in ihrer Garderobe haargenau widergespiegelt.

Ganz ehrlich: Awkwafina und Rihanna haben mich überhaupt nicht überzeugt. Beide gingen mir eher auf die Nerven. Besonders in einer Szene, in der Rihanna alias Nine Ball sich mit ihrer kleinen Schwester trifft, habe ich nur die Augen verdreht. Vielleicht sind die beiden dabei, um ein jüngeres Publikum anzusprechen. Mir persönlich wären andere, etabliertere Schauspielerinnen lieber gewesen. Aber wer weiß, was da noch kommt. Der Rest der Cast ist einfach wunderbar. Sandra Bullock, Cate Blanchett, Helena Bonham Carter, Sarah Paulson, Mindy Kaling und Anne Hathaway sind perfekt aufeinander eingespielt. Die Chemie stimmt. Nichts auszusetzen. Wobei ich mit Sandra Bullock, Helena Bonham Carter und Sarah Paulson auch meine Lieblinge habe.

Doch besonders Sandra Bullock (Debbie Ocean) und Cate Blanchett (Lou Miller) sind atemberaubend zusammen. Die Anziehung zwischen den beiden ist so stark zu spüren, dass viele ZuschauerInnen mutmaßen, dass die beiden Charaktere eine Beziehung führen, die über Freundschaft hinausgeht. Ich bin da keine Ausnahme. Das wäre ein sehr heißes Paar! Doch in einem Interview haben die beiden gesagt, dass es zwar eine Hintergrundgeschichte gibt, aber ein Paar seien sie nicht.

Wer kann, sollte sich den Film auf jeden Fall im Original anschauen. Es wartet die ein oder andere sprachliche Überraschung. Trotz einzelner kleiner Schwächen und Plotholes hat mich der Film unheimlich gut unterhalten. Ich habe kein einziges Mal auf die Uhr geguckt, wann es denn vorbei sein könnte, sondern habe einfach nur genossen. Ich könnte noch so viel mehr gutes sagen. Ein unheimlich tolles Feel-Good-Movie. Einfach angucken gehen.

Ab 21. Juni im Kino.

Titelbild: Copyright 2018 Warner Bros. Entertainment Inc.

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DVD: Wind River

Krasser Film! Einer der besten Filme, die ich seit Langem gesehen habe. Mir ist es kalt den Rücken runtergelaufen – selbst bei 26 Grad Außentemperatur. Die Farben, der Schnee, die karge Landschaft, wenig Worte: Die Atmosphäre spiegelt den Inhalt des Films wider. Die grandiosen Leistungen der SchauspielerInnen runden das Werk perfekt ab.

Wind River Cover

Bild: Wild Bunch Germany

Im Indianerreservat (irgh, doofes Wort. Gibt es eine bessere Bezeichnung?) Wind River in den Bergen des US-Bundesstaates Wyoming findet der Jäger Cory Lambert die Leiche einer jungen Frau. Sie liegt barfuss und überhaupt viel zu dünn angezogen im tiefen Schnee. Jemand hat sie übel zugerichtet. Cory erkennt in ihr die 18-jährige Natalie. Der Polizist des Reservats und das FBI werden aktiv. Was ist passiert? FBI-Agentin Jane Banner gibt offen zu, dass sie noch unerfahren ist und bittet Lambert um Hilfe. Gemeinsam machen sie sich daran, den Fall aufzuklären. Dabei kämpft sie mit ihrer Unsicherheit, er mit seiner Vergangenheit. Zwischen den beiden entwickelt sich Schritt für Schritt eine ganz eigene Verbindung.

Es gab nur eine einzige Sequenz im Film, bei der ich mich gefragt habe, ob sie zum einen realistisch ist und zum anderen nicht hoffnungslos übertrieben. Doch dann sagt Lambert die Worte:

“Well, you know, luck don’t live out here. Luck lives in the city. It don’t live out here. You know, that’s whether you get, you know, hit by a bus or not. Whether your bank is robbed or not, or whether someone’s on their damn cell phone when they come up to a crosswalk, that’s luck. That’s winning or losing. Out here, you survive or you surrender. Period. That’s determined by your strength and by your spirit. Wolves don’t kill unlucky deer. They kill the weak ones.”

Als ich das gehört habe, hat sich die Szene perfekt in den Film gefügt. Either you kill or you get killed. Außerdem zeigt diese Szene ganz deutlich, was Langeweile bewirken kann, aber auch, dass nicht jeder, der eine Waffen tragen darf, verantwortungsvoll damit umgeht.

Ich bin schon länger ein Fan des Schauspielers Jeremy Renner. In “Wind River” liefert er eine meisterliche Performance ab. Er sagt soviel mehr mit den Worten, die er nicht ausspricht. Jeder Blick, jede Geste, jeder sorgfältig ausgewählte Satz sitzt. Auf Elizabeth Olsen war ich gespannt und sie hat mich überwältig. Sie geht in der Rolle der Jane Banner komplett auf, fällt nie aus ihrer Rolle. Die Chemie zwischen Renner und Olsen ist wie die Verbindung zwischen Lambert und Banner. Das zeigt sich besonders in den stillen Momenten.

Dass der Film auf einer wahren Begebenheit beruht, macht ihn nur noch spannender, ergreifender und auch schockierender. Ich kann “Wind River” nur empfehlen. Gänsehautfeeling vorprogrammiert. Ein super Thriller! Ein packendes Drama! Ein genreübergreifendes Kunstwerk!

Ab 08. Juni auf DVD erhältlich.

Copyright Bild: Metropolitan FilmExport

Zitat: we were liars

we were liars

Cover: Delacorte Press

“Mirren stands with her feet on the lower half of the barrier, waving joyfully, her hair whipping in the wind.
Mirren. She is sugar. She is curiosity and rain.
Johnny jumps up and down, every now and then doing a cartwheel.
Johnny. He is bounce. He is effort and snark.
Gat, my Gat, once upon a time my Gat – he has come out to see me, too. He stands back from the slats of the fence, on the rocky hill that now leads to Clairmont. He’s doing pretend semaphore, waving his arms in ornate patterns as if I’m suppose to understand some kind of secret code. He is contemplation and enthusiasm. Ambition and strong coffee.
Welcome home, they are saying. Welcome home.”

  • Cadence Sinclair Eastman in we were liars von e. lockhart

Kino: Jurassic World – Das gefallene Königreich

Ganz ehrlich: Der ursprüngliche Grund, warum ich mir “Jurassic World: Das gefallene Königreich” angesehen habe, ist, dass ich mal wieder einen entspannten Abend mit meiner Freundin verbringen wollte. Dass mir der Film dann auch noch gefällt, hätte ich nicht gedacht.

Generell habe ich mit Dinosauriern nicht so viel zu tun. Es ist also nicht verwunderlich, dass der letzte Film, den ich in der Reihe gesehen habe, der Original “Jurassic Park” ist. Der allererste aus dem Jahr 1993. Ich habe aber nicht das Gefühl, dass in den anderen drei Filmen viel passiert ist. Zumindest war ich nicht verwirrt und habe ziemlich gut verstanden, worum es geht.

Jurassic World 2 Poster

Poster: Universal Pictures Germany

Das ist bei dem Inhalt auch nicht schwierig. Gefühlt immer wieder da gewesen und trotzdem diesmal sehr ansprechend verpackt. Ich habe mich nicht gelangweilt. Aber jetzt – Inhalt: Die Insel Isla Nubar, auf der die Dinos bisher gewohnt haben, ist bedroht. Es stellt sich heraus, dass sie ein Vulkan ist, der kurz vor dem Explodieren ist. Eigentlich ist angedacht, dass die Dinosaurier sich selber überlassen werden. Denn eigentlich darf es die Tiere ja gar nicht geben. Aber eigentlich klappt ja nie. So werden die Tiere in einer großen Rettungsaktion in Käfige gezwängt und auf ein riesiges Schiff verladen. Doch dieses fährt nicht in Sicherheit, sondern direkt in eine Villa, die miese Schurken als Auktionshaus benutzen. Und dass das nicht gut geht, können wir uns alle denken.

Es reicht völlig, den Film in 2D zu schauen. Die Effekte sind nicht so gut, als dass sich der horrende Aufpreis für 3D lohnt. Das Problem mit der modernen CGI aus meiner Sicht ist, dass die Technik zwar immer besser wird, aber die Bildqualität ja auch. So ist es eine feine Abstimmung, ob zu sehen ist, dass jemand die SchauspielerInnen in ein Bild eingefügt hat oder ob sie vor einem Blue- oder Green-Screen rumlaufen oder sitzen. Wenn die Proportionen nicht mehr stimmen, ist was falsch gelaufen. Trotzdem sind die Bilder so scharf und nuanciert, dass besonders die Augen der Tiere hervorragend zur Geltung kommen und es mir in zwei Szenen den Atem verschlagen hat. Oft sind es diese kleinen Momente, die Filme sehenswert machen.

Irgendwie setzt sich die “Jurassic-Park/World”- Reihe mit Ethik und Moral in der Gentechnik auseinander. Was ist vertretbar, was nicht. In dem Zusammenhang hätte ich mir gewünscht, dass der Film klarer Stellung bezieht. Nicht in die eine oder andere Richtung, sondern platt gesagt, die Argumente für beide Seiten besser umsetzt. In dem ganzen Actionspektakel geht mir diese Komponente zu sehr unter.

Neben den Hauptdarstellern hat mir Daniella Pineda als paläontologische Veterinärin Zia und Isabella Sermon als Lockwood Enkelin Maisie gut gefallen. Rafe Spall überzeugt mich dagegen als Bösewicht überhaupt nicht. Dafür sind weder seine Augen noch seine Gesichtszüge gehässig, gierig und hasserfüllt genug. Mal ehrlich: Ein guter Schurke muss doch in jedem Abenteuerfilm sein. Neben einem fehlenden scheußlichen Fiesling gibt es auch noch ein paar Unstimmigkeiten. Aber es ist wie so oft: Wenn man ein Haar in der Suppe finden möchte, dann reißt man sich zur Not selber eins aus.

Trotz mancher Kritikpunkte, habe ich “Jurassic World” sehr gerne gesehen. Die zwei Stunden waren schnell vorbei, ich habe kein einziges Mal auf die Uhr geguckt. Ich finde, es ist ein guter, spannender Abenteuerfilm. Und dass offene Ende weist definitiv darauf hin, dass ein weiterer Teil in den Startlöchern steht.

Ab 07. Juni im Kino.

Copyright Bild: Universal Pictures International France

Die Filmreise-Challenge #8: Die Kommune

Die Filmreise-Challenge #8: Schaue einen Film aus Skandinavien.

Ganz ehrlich: Am liebsten hätte ich die Millenium-Trilogie gesehen. Aber da ich wenig Geld habe und die Filme weder bei Prime noch Netflix verfügbar sind, habe ich mich für “Die Kommune” von Thomas Vinterberg aus Dänemark entschieden.

Die Kommune Poster

Poster: Prokino Filmverleih GmbH

“Die Kommune” wollte ich schon schauen, als er im Kino lief, aber wie so oft waren verfügbare Zeit und Spielzeit gegen mich. Nun habe ich ihn geschaut und finde ihn zwar im Kern gut, aber er hat auch seine Kanten.

Erik erbt eine große Villa. Nur für Erik und seine Familie, bestehend aus ihm, seiner Frau Anna und Tochter Freja, ist das Haus zu groß. Da hat Anna die Idee, eine Kommune zu gründen. Aus heutiger Sicht vielleicht ein wenig seltsam, aber da das Drama zur Flower-Power Zeit der siebziger Jahre spielt, ist der Gedanke gar nicht so ungewöhnlich. Gesagt, getan. Am Ende tummeln sich sieben Erwachsene, Teenager Freja und der kleine Sohn eines Paares im Haus. Es ist gemütlich, fröhlich und gesellig. Im Haus entsteht eine große Gemeinschaft bis zu dem Punkt, an dem Erik seine Affäre, die Stundentin Emma mit ins Haus bringt. Anna redet sich ein, dass sie mit der neuen Situation zurechtkommt. Doch langsam driftet sie in ein Loch. Die Atmosphäre und den Zusammenhalt der Kommune stellt das auf eine harte Probe.

Annas destruktives Verhalten anzuschauen, ist hart. Es tut weh, zu sehen, wie sie sich selber fertig macht und unter Druck setzt, sich selber etwas vorspielt. Aber auch die Auswirkungen, die ihr Verhalten auf die jugendliche Tochter haben, sind herzzerreißend. Die Mutter schreit in ihrem Auftreten so sehr nach Hilfe, dass irgendwann die Tochter die Mutterrolle übernehmen muss und ein Machtwort spricht. In dieser Situation finde ich Martha Sofie Wallstrøm Hansen als Freja unheimlich stark. Aber genau diese Stärke und Authentizität habe ich in ihrem Umgang mit Liebe und Sex vermisst. Warum muss sie Schmerzen ertragen, um den Jungen zu erobern, in den sie verliebt ist. Da erschließt sich mir die Meta-Ebene nicht. Beziehungsweise, ich finde nicht, dass es ein positives Signal sendet, wenn ein Film suggeriert, dass es in Ordnung ist, wenn Menschen beim Geschlechtsverkehr Schmerzen haben, um den Partner/die Partnerin zufrieden zu stellen. (Ausgenommen sind hier natürlich Situationen, in denen beide Parteien zugestimmt haben, dass Schmerzen ein erstrebenswertes Ziel sind.) In solchen Situationen wollte ich sowohl Freja als auch Anna in den Arm nehmen und sagen, dass es OK ist, Schwäche zu zeigen. Genau dieses Hervorrufen von Emotionen ist eine große Stärke des Dramas.

Neben Wallstrøm Hansen liefert auch Trine Dyrholm als Anna eine bemerkenswerte Leistung ab. Ihr Rolle geht unter die Haut. Ihr Charakter trägt den ganzen Film. Dyrholm scheint sich dessen bewusst zu sein, ist dieser Aufgabe aber auch mehr als gewachsen. Ihre direkte Gegenspielerin Helene Reingaard Neumann als Eriks Affäre Emma steht ihr in nichts nach. In ihr ist die Wandlung zu sehen, welche die Frau von der unsicheren Studentin zur gestandenen Frau durchmacht.

“Die Kommune” ist kein einfacher Film. Er zeigt, wozu ein Mensch fähig ist, wenn er liebt, aber auch, wo die Grenzen liegen. Ein guter Film mit sehr guten SchauspielerInnen und einem seltsamen Ende, das sich aber irgendwie abzeichnet. Kein Drama, dass man gesehen haben muss, aber eine ansehnliche Projektionsfläche für starke (Frauen-)Charaktere.

Das Memorial

Das Memorial

Bild: Hoffmann und Campe

“Niemand hat es geschrieben, nirgends steht es zu lesen, ich bin es, der sagt: Gott fehlt die linke Hand, denn zu seiner Rechten, rechter Hand, nehmen die Auserwählten Platz, nirgends ist die Rede von Gottes linker Hand, nicht in der Heiligen Schrift und nicht bei den Kirchengelehrten, zur Linken Gottes setzt sich niemand, da ist die Leere, das Nichts, die Abwesenheit, also ist Gott Einhänder. Der Pater holte tief Luft und schloß: Jawohl, ihm fehlt die linke Hand.”

  • Pater Bartolomeu Lourenco in Das Memorial von José Saramago