Meine Schwester Frida

Meine Schwester Frida

Bild: Fischer Verlag

“Mein Vater ging mit uns in den Chapultepec-Park, wo Frida auf dem See ruderte. Sie lernte sogar Ringen und Boxen, und einmal, als Verwandte zu Besuch waren, verdrosch sie einen unserer Cousins dermaßen, dass er mit blutiger Nase heulend ins Haus lief.

Doktor Costa fand das Ringen für Frida nicht sonderlich passend.

“Himmel und Hölle!”, kicherte Frida, nachdem der Arzt das als geeigneteres Bewegungsspiel für ein junges Mädchen vorgeschlagen hatte.

“Himmel und Hölle!”, echote mein Vater.

Er zwickte Frida in den Ellbogen. “Was fürrr ein unmodernen Mann”, flüsterte er. “Errr mit seinem Himmel und Hölle.”

  • Bárbara Mujica – Meine Schwester Frida
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A Ghost Story

A Ghost Story Poster

Bilder: Universal Pictures Germany

“A Ghost Story” ist einer dieser Filme, die nur sehr wenige Leute anspricht. Ein Film, auf den sich das Publikum einlassen muss. Ein Film, der zum Entschleunigen anregt und philosophische Gedanken hervorzaubert.

C und M sind ein Paar. Sie sind vor kurzem in ein Haus eingezogen. C fühlt sich dort wohl. Er ist angekommen. M ist rastlos und würde gerne wieder umziehen. Deswegen streiten sie sich immer wieder. An einem Morgen hat C auf dem Weg zur Arbeit einen tödlichen Unfall. Von da an lebt er als Geist in dem Haus weiter. Was die Zuschauer_innen ab da sehen, ist ein Gespenst, dass in den vier Wänden gefangen ist. M zieht weiter, C bleibt zurück. Es entfaltet sich eine Geschichte über Verlassen, Vergessen, Vergangenheit und Zukunft.

Der Film beschäftigt sich auf seine eigene Art und Weise mit der Frage, was passiert, wenn wir gestorben sind. Dabei entwickelt sich die Geschichte aber nicht über Monolog oder Dialog. Hier reden nicht die Schauspieler_innen, sondern die Bilder. Daher ist es auch egal, dass später eine Spanisch sprechende Familie in das Haus einzieht. Es gibt keine Untertitel, keine Synchronisation. Das Gesagte ist nicht wichtig. Relevant ist, wie der Geist sich verhält, wie er mit der neuen Situation umgeht. Gesprochene Sprache ereignet sich auf einem Minimum. Daher ist es umso nerviger, als bei einer Party der Philosoph auftritt und einen wahren Schwall an Wörtern von sich gibt. Er stört die wortlose Unruhe und reißt die Zuschauer_innen aus ihrer Faszination.

Aber nicht nur die Sprache ist sparsam eingesetzt. Für alles zeigt Regisseur David Lowery nur das Nötigste. Die Gestalt, die durch das Haus wandelt, ist nicht computeranimiert. Es sieht so aus, als hätte Casey Affleck sich einfach ein überdimensioniertes Bettlaken mit Augenlöchern über den Kopf gestülpt. Wie es Kinder an Karneval oder Halloween machen. Nicht beeindruckend, aber äußerst passend für das Drama. Auch das Haus verliert nach Cs Tod seinen Charme. Es wirkt kalt und dunkel, traurig. C sieht darin verloren aus. Es spiegelt anschaulich, die Verwirrung und Einsamkeit, die er fühlen muss. Ob Affleck tatsächlich die ganze Zeit unter dem Laken steckt oder nicht, ist egal. Die Körpersprache sagt alles.

Neben Affleck ist es Rooney Mara, die als M die erste Hälfte des Films (mit)trägt. Ich habe noch nie so eine glaubhafte Darstellung von Trauerverarbeitung gesehen. Minutenlang sitzt M auf dem Küchenboden und isst einen Kuchen, den ihre Schwester für sie im Haus gelassen hat, damit sie etwas isst. Ihr dabei zuzusehen, wie sie erst langsam einen Bissen nimmt, um den Kuchen dann in sich reinzuschlingen, ist genau so schmerzhaft anzuschauen, wie es für sie sein muss. Die Szene zieht sich in die Länge. Das Zuschauen tut weh. Die Gefühle der Zuschauer_innen decken sich mit den Emotionen der Hauptperson. Es entsteht ein riesiger Klos im Hals, der erst rauskommt, als sich M übergeben muss.

“A Ghost Story” ist anders. Gut anders. Die Besonderheit des Films kommt auch in seinem Format zum Vorschein. So ist er im 1-zu-1-Filmformat mit abgerundeten Kanten gedreht. Auch das wirkt sehr intim und weich. Fans von leisen Dramen, die zum Nachdenken anregen oder Liebhabern von Filmen von Regisseur Jim Jarmusch kommen hier auf ihre Kosten. Trotz des Gespenstes ist “A Ghost Story” kein Horrorthriller, sondern ein Stück über Loslassen und Trauer.

Ab 07. Dezember im Kino

Colossal

Colossal

Bilder: Universum Film GmbH

“Colossal” von Regisseur Nacho Vigalondo: angefangen wegen Anne Hathaway und dem süßen Monster, zu Ende geguckt wegen Anne Hathaway und dem süßen Monster. Was dazwischen passiert ist reichlich skurril und abgedreht. Der Film ist definitiv nicht für jeden. Was ihn sehenswert macht, sind eine phänomenale Anne Hathaway und ein sehr süßes Monster. Wiederhole ich mich da etwa? Nein! Das kann überhaupt nicht sein!

Die Story fängt wie eine überdramatische Rom-Com oder ein theatralisches Drama an. Ihr Lebensgefährte setzt Gloria (Anne Hathaway) vor die Tür. Tim (Dan Stevens) hat genug davon, dass sie fast täglich im Morgengrauen sturzbetrunken nach Hause kommt, sich deswegen reichlich Ausreden einfallen lässt und das auch noch witzig findet. Gloria zieht sich in das Haus ihrer verstorbenen Eltern in eine Kleinstadt zurück. Prompt trifft sie auf Oscar (Jason Sudeikis), ihren Freund aus der Schulzeit, der ihr einen Job in seiner Bar anbietet. Ob das so eine gute Idee ist? Eine Alkoholikerin direkt an der Quelle? Genau hier hört die Rom-Com auf und fängt die Sci-Fi Dramedy an. Gloria stellt sich ihrer Alkoholabhängigkeit, als sie merkt, dass sie aus einem Sandkasten heraus ein gigantisches Monster steuert, dass die Millionenmetropole Seoul bedroht und mit seiner Unachtsamkeit schon einige Menschen zertrampelt hat.

Klingt abgefahren? Ist es auch. Man muss sich von jeglichem Realitätszwang frei machen, nichts erwarten, einfach gucken. Genau dann funktioniert der Film. Zwei Erwachsenen dabei zuzuschauen, wie sie sich im Sandkasten vermöbeln, hat etwas sehr bizarres. Ich habe mich gefragt, ob der Film eine Analogie dazu ist, dass wir alle bedenken sollten, dass unsere Taten größere Auswirkungen haben, als wir uns das vorstellen können. Mit kleinen Gesten großes bewirken, nur in einer umgekehrten Form irgendwie. “Colossal” lässt auf jeden Fall sehr viel Interpretationsspielraum. Vielleicht zeigt er auch, wie unberechenbar ein Mensch wird, wenn er betrunken ist und dass er Leuten weh tut, denen er gar nicht weh tun möchte. Wie gesagt, Bedeutungsmöglichkeiten gibt es viele. Sie machen den Film aber nicht besser oder schlechter. Die Idee hinter “Colossal” ist so wahnwitzig und abgedreht, dass es diese hypothetische “was-wäre-wenn”-Spirale in Gang bringt. Es hat was von einem modernen Märchen. Die Heldin muss gehen mehrere Dämonen kämpfen, um die Stadt (und sich selber) zu befreien. Je mehr ich über den Film nachdenke, umso mehr gefällt er mir.

Kommen wir nun aber zu den beiden größten Gründen, warum ich den Film mag: Richtig! Anne Hathaway und das süße Monster. Hathaways Performance ist abwechslungsreich und daher eindrucksvoll. Dabei hat sie als Gloria so einen trockenen Humor, ist sarkastisch, aber auch schlau und provozierend. Ich bin immer wieder erstaunt, wie vielseitig und unterschätzt diese Schauspielerin ist. Dabei ist der schwarze Eyeliner so überdramatisch wie ihre Anfangsperformance. Ihr Alter-Ego, das Monster, wirkt auf den ersten Blick wie ein überdimensionierter Groot mit einer anderen Frisur. Es ist bemerkenswert, wie sehr die Mimik und Gestik dieses Monster mit denen Hathaways übereinstimmen. Die Animationsabteilung hat vorzügliche Arbeit geleistet. Wenn Hathaway und das Monster anfangen die Hüften zu schwingen, müssen nicht nur Glorias Kollegen lachen. Das einzige, was mich an dem Film verwirrt hat, ist das Ende (Wozu ich hier aber nicht mehr sagen kann, ohne zu spoilern).

Wer skurriles Arthouse Kino mag, dem könnte “Colossal” gefallen. Wer mit einer Mischung aus Sci-Fi und Realität nichts anfangen kann, dem sei von diesem Film abgeraten. Wer Anne Hathaway und süße Monster mag, muss diesen Film schauen.

Ab 01. Dezember auf DVD erhältlich.

Valerian – Die Stadt der Tausend Planeten

Valerian Poster

Bilder: Universum Film GmbH

In “Valerian – Die Stadt der Tausend Planeten” sind die Spezialagenten Valerian und Laureline auf Streife zwischen den Welten und sorgen für Ordnung. Die beiden verbindet eine große Hassliebe. Selten sind sie derselben Meinung. Das einzige, worauf sie sich einigen können, ist, dass sie urlaubsreif sind. Doch das steht in weiter Ferne. Erstmal müssen sie einen Auftrag ausführen. Der geht zum einen beinahe schief, zum anderen führt er sie aber auf eine brisante Fährte. Valerian und Laureline sollen herausfinden, was mit den Pearls auf Mül wirklich passiert ist und finden dabei äußerst unschöne Dinge heraus, denn der Bösewicht kommt aus den eigenen Reihen.

Die Handschrift von Regisseur Luc Besson ist klar zu erkennen. “Das fünfte Element” war erst der Anfang. In “Valerian” tobt er sich so richtig aus. Das neue Universum ist super umgesetzt. Auch die Raumstation kann sich sehen lassen. Die Vielfalt an neuen Galaxis-Bewohnern ist riesig und lässt alleine da schon erkennen, was für eine Kreativität in dem Film steckt. Optisch ein Augenschmaus: detailverliebt und opulent, dabei in keinster Weise übertrieben. Auf der Leinwand wie zu Hause absolut anschaulich. Zum einen ist gut zu erkennen, dass sich Besson intensiv mit der Comic-Vorlage “Valérian Et Laureline” gezeichnet von Jean-Claude Mézières, getextet von Pierre Christin beschäftigt hat. Zum anderen ist eine Gewisse Inspiration aus den “Star-Wars”-Filmen nicht von der Hand zu weisen. Hat vielleicht aber auch damit zu tun, dass es hier unter anderem bereits um die Föderation geht. Und was genau ist die Verbindung zwischen “Star Wars” und “Valerian”? Während “Valerian” auf der Comicreihe selber beruht, ist die “Star Wars”-Saga davon inspiriert.

Was die Schauspieler angeht, bin ich weniger euphorisch. Ich habe mal wieder gemerkt, dass ich keine große Freundin von Dane DeHaan bin. Woran das genau liegt, kann ich nicht sagen. Er hat mich als Möchtegern-Macho Valerian einfach nicht überzeugt. Da hätte ich es schöner gefunden, wenn jemand anderes seine Hühnerbrust in die Kamera gehalten hätte. Aber hier muss ich sagen, dass es Geschmackssache ist. Schlechter wäre es bestimmt auch gegangen. Cara Delevingne als Laureline dagegen hat mich schon mehr überzeugt. Es ist ihr anzusehen, dass sie Erfahrung als Model hat und gut weiß, welche Bewegungen wie rüberkommen. Sie kann sich vor der Kamera bewegen. Dazu kommt noch, dass sie einfach eine unverwechselbare Stimme hat mit der sie Valerians plumpe Flirtattacken charmant, leicht schelmig zurückweist. Auch wenn ich DeHaan nicht prickelnd finde, war die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern dennoch gut. Zusammenpassen tun sie schon, nur jeder für sich ist irgendwie langweilig. Rihanna in der Rolle als Bubbles hat mich überhaupt nicht überzeugt und ist meines Erachtens nach überflüssig.

Was “Star Wars” im großen Stil macht, setzt “Valerian” im kleinen um. Der Film appelliert an unser Gewissen. Wie weit gehen Habgier und Machtstreben. Darf man jemanden quälen, um Informationen zu bekommen, besonders, wenn man in ihm nicht etwas ebenbürtiges erkennt? Darf man etwas zerstören, weil es einem im Weg ist? Ist Völkermord gerechtfertigt, wenn es einem vermeintlich höheren Ziel dient? Mit diesen Fragen beschäftigen sich Valerian und Laureline und kommen zu einer eindeutigen Antwort. Teils ein wenig platt umgesetzt, aber natürlich mit einem großen Showdown.

“Valerian – Die Stadt der Tausend Planeten” ist so etwas wie die kleine Schwester von “Star Wars”. Nicht ganz so tiefgründig und dunkel, sondern teils leichtsinnig und bunt, ist er dennoch durchaus sehenswert. Da bleibt nur noch die Frage, ob unsere Helden am Ende ihren wohlverdienten Urlaub vielleicht doch noch kriegen?

Ab 30. November auf DVD erhältlich.

Irre!

Irre

Bild: Goldmann Verlag

“Die Tyrannei der Normalität lebt von der großen Illusion der ewigen Weiterexistenz des Normalen und der Flüchtigkeit des Außergewöhnlichen. Dabei wird es wohl eher umgekehrt sein. Denn das Normale ereignet sich nicht, es ist nur der Hintergrund für das Eigentliche. Im Grunde existiert das Normale nicht, denn es hat keine Substanz. Die Frage nach der Ewigkeit stellt sich erst angesichts der Unwiederholbarkeit eines Menschen, und wer da genauer hinsieht, kann die Außergewöhnlichkeit eines jeden Menschen gewahren. Dann kommen in hellen Momenten sogar hinter dem Schleier der wohlanständigen Normalität all der Normopathen die längst vergessenen lebendigen Farben zum Vorschein, und an diese einmaligen Färbungen erinnert man sich, wenn man sich Menschen erinnert.”

  • Manfred Lütz – Irre! Wir behandeln die Falschen, Unser Problem sind die Normalen – Eine heitere Seelenkunde

Coco

Coco Poster

Bilder: Walt Disney Germany

Mit “Coco – Lebendiger als das Leben!” kommt der neueste Film aus der Disney-Animationsschmiede Pixar in die Kinos. Er ist bunt, er ist süß, er ist lustig. Und er handelt neben der Bedeutung von Familie und Freundschaft von einem Thema, an dem sich viele Filmemacher – besonders für Kinder – die Zähne ausbeißen: dem Tod.

Der 12-jährige Miguel kommt aus einer Schuhmacherfamilie. Alles dreht sich um Schuhe: herstellen, reparieren, putzen. Jeder hilft von klein auf mit. Doch anders als die anderen Familienmitglieder findet Miguel Schuhe langweilig. Er möchte viel lieber Musik machen. Gitarrespielen und Singen, das ist seine Welt. Allerdings möchte das in der Familie keiner wissen. Denn vor langer Zeit hat Miguels Ururgroßvater seine Frau Imelda und seine Tochter Coco für die große Musikkarriere verlassen und seiner Frau das Herz gebrochen. Seitdem darf niemand mehr auch nur einen beschwingten Ton von sich geben. Musik bringt Unglück. Da sind sich alle einig.

Dennoch lässt sich Miguel nicht aufhalten. Er eifert seinem großen Idol, dem Sänger und Schauspieler Ernesto de la Cruz, nach. Dieser ist schon lange tot. Nur noch vergilbte Aufnahmen und die weiße Gitarre in seinem Mausoleum erinnern an ihn. Es ist diese Gitarre, die sich Miguel für einen Talentwettbewerb “borgen” möchte. Genau dieses Vorhaben befördert ihn mehr und minder direkt ins Reich der Toten. Gut, dass in Mexiko der Día de los Muertos ist. So hat er bis zum Morgengrauen, um wieder zu seiner lebenden Familie zurückzukehren. In der Unterwelt trifft er auf jede Menge Verwandte und ein sehr nettes Skelett, das im helfen möchte, de la Cruz zu finden. Denn, wenn er schon einmal da ist, möchte Miguel auch sein großes Vorbild kennenlernen.

Wie in vielen Disneyfilmen handelt auch “Coco” von Liebe, Hass, Verrat, Vertrauen und gebrochenen Herzen. Aber hier ist es so liebevoll und vielschichtig dargestellt, dass es nicht schlimm ist, dass es einfach nur alter Stoff in neuer Verpackung ist. Die Verpackung ist nämlich äußerst ansehnlich. Natürlich hat die Geschichte, wie so oft, eine unerwartete Wendung, aber das Ende ist trotzdem vorhersehbar und alle gehen glücklich nach Hause. Schön ist, dass in diesem Animationsfilm das Totenreich nicht dunkel, trist und grau gezeichnet ist, sondern bunt, farbenfroh und heiter. Es ist ein wenig, wie in einem riesigen Freizeitpark. Alle Skelette sind vergnügt. (Naja, fast alle.) Ihnen scheint es nichts auszumachen, dass sie tot sind. Es geht ihnen gut, wo sie sind. So ein entspannter Umgang mit dem Tod ist lobenswert. Kinder zu vermitteln, dass sie sich vor einem Leben im Jenseits nicht fürchten müssen, ist nicht leicht. Aber “Coco” schafft das hervorragend und gibt dabei den Zuschauern auch noch ein paar andere Weisheiten mit auf den Weg. Wie das bei Disneyfilmen eben so ist.

Was ich persönlich nicht so gerne mag, ist das Mischen von Sprachen. Egal, ob im Originalton Englisch-Spanisch oder in der Übersetzung Deutsch-Spanisch. Schöner finde ich es, wenn Sprachen getrennt sind. Aber das ist, wie gesagt, Geschmacksache und macht den Film dadurch nicht schlechter. Und es passiert auch nur bei den Liedern, die dennoch schön sind. Alle Dialoge sind in der “Hauptsprache” gehalten.

Was ich dagegen sehr mochte, sind die Charaktere, besonders den kleinen Miguel. Aber auch das Skelett Hector und die robuste, resolute Abuelita sind mir schnell ans Herz gewachsen. “Coco” besticht mit schöner Musik, die ins Ohr geht, Humor, toller Animation, ausgereiften Charakteren und einer süßen Geschichte. Ein Kinderfilm für die ganze Familie.

Ab 30. November im Kino.

Flatliners

Flatliners Poster

Bilder: SonyPicturesGermany

Die “Flatline” ist die nicht ausschlagende Linie auf einem EKG, wenn das Herz nicht mehr schlägt, die Person also tot ist. “Flatlinen” ist, wenn sich jemand absichtlich in diesen Zustand versetzt. Andere müssen ihn dann wiederbeleben. Die “Flatliners” im gleichnamigen Film sind fünf Medizinstudenten. Courntey (Ellen Page) möchte sich auf dieses Abenteuer einlassen. Angeblich zu Recherchezwecken, um rauszufinden, was zwischen Leben und Tod passiert. Sie überredet die anderen, sie sterben zu lassen und eine Minute nach ihrem Tod wiederzuholen. Gesagt, getan. Mit einigen Komplikationen findet Courtney wieder ins Leben zurück. Doch sie ist nicht mehr dieselbe. Ihr Gehirn funktioniert besser und schneller als je zuvor. Sie hat auf einmal eine neue Lebensfreude und Drang nach Sex. Beeindruckt von Courtneys Wandlung geht als nächstes Jamie (James Norton) auf die Reise ins Land zwischen Leben und Tod. Am darauffolgenden Tag Marlo (Nina Dobrev) und Sophia (Kiersey Clemons). Nur Ray (Diego Luna) steht dem ganzen mehr als skeptisch gegenüber. Was Courtney den anderen nicht erzählt, ist, dass ihr “Flatlinen” nicht nur positive Erinnerungen heraufbeschwört hat. Und genau diese negativen Erlebnisse fangen an, die Grenzgänger zu jagen. Ein Spiel um die Vernunft beginnt.

“Flatliners” ist das Remake des gleichnamigen Films aus dem Jahr 1990. In der Originalbesetzung spielen unter anderem Kevin Bacon, Julia Roberts und Kiefer Sutherland mit. Letzteren treffen wir auch in dieser Verfilmung von Niels Arden Oplev als Oberarzt wieder. Angesprochen hat mich der Film, weil ich Ellen Page super finde. Und sie ist auch das, was “Flatliners” anschaulich macht. Sie spielt die besessene, ambitionierte Studentin, genauso gut, wie das durchgeknallte Opfer. Davon hätte ich gerne mehr gesehen. Die Aufmachung des Thrillers ist ein weiterer Vorzug. Alles ist sehr stylisch. Ich mag besonders Courtneys Kleindungsstil. Auch die anderen Castmitglieder sind top gestylt. Dazu kommt die Einrichtung der Wohnungen beziehungsweise des Bootes, wo die Studierenden wohnen. Setdekorateur Niels Sejer hat sehr viele Liebe zum Detail in die Behausungen einfließen lassen. Das also die Pluspunkte des Films.

Die Story fängt vielversprechend an. Doch spätestens nach der Hälfte des Films kippt die Stimmung. Ich glaube, hätte man die Sci-Fi Elemente weggelassen und sich mehr darauf konzentriert, dass alles im Kopf passiert, wäre es besser gewesen. So driftet “Flatliners” leider viel zu schnell ins Unglaubhafte ab. Ebenso ist Ray als ständiges menschliches Gewissen eine Spur zu gut. Keiner ist perfekt. Jeder macht Fehler. Als Moralapostel ist er mir ziemlich auf die Nerven gegangen. Hinzukommt, dass der Zuschauer sehr hart und zu gewollt mit der Moralkeule vor den Kopf geschlagen wird. Am Ende löst sich alles zu sehr in Wohlgefallen auf. Das tut weh.

Ansonsten reihen sich auf der Leinwand die Ungereimtheiten aneinander. Was macht der Laptop im Raum, wo Courtney vorher noch darauf aufmerksam macht, dass keine metallenen Gegenstände im Raum sein dürfen? Wenn die Gruppe alles zu medizinischen Zwecken macht, warum reden sie nicht darüber, warum analysieren sie fast nichts? Wer hat Jamie in die Hand gestochen? Wieviel hat alles mit Drogenkonsum zu tun? Schlafen die Fünf eigentlich auch mal? Zwischenzeitlich lässt der Film sehr viel Zeit, um sich mit solchen Fragen auseinanderzusetzen. Trotzdem ist die Storyline nicht langweilig. Das ist das falsche Wort; nur unglaubwürdig, selbst als Sci-Fi-Thriller. Da muss man sich entscheiden, was man schlimmer findet.

Ein paar Mal habe ich mich richtig erschrocken. Aber gegruselt habe ich mich nicht. Und, wie gesagt, die Geisterelemente haben mehr gestört, als dass sie dem Film geholfen haben. Wer einen spannenden Thriller erwartet, ist bei “Flatliners” falsch. Wer einen stylischen Film über fünf experimentierfreudige junge Medizinstudenten sehen möchte, der ist hier genau richtig.

Ab 30. November im Kino.