Heimkino: I Care A Lot

Eigentlich wollte ich mir den Film gar nicht anschauen. Doch dann habe ich erfahren, dass ein lesbisches Paar darin vorkommt. Und dann hat Rosamund Pike den Golden Globe als beste Darstellerin in einer Komödie/einem Musical gewonnen. Grund genug, doch einen Blick zu riskieren. Ich muss sagen: Es hat sich gelohnt. Die recht eigenwillige Komödie hat mich nicht enttäuscht. Aber ich muss auch zugeben: Komplett vom Hocker gehauen hat sie mich auch nicht. Bleibt noch zu sagen, dass Pike den Award verdient gewonnen hat, obwohl sie mit Viola Davis als Ma Rainey starke Konkurrenz hatte. (Die anderen Filme, in denen Hauptdarstellerinnen nominiert waren, habe ich nicht gesehen.)

Pike spielt Marla Grayson, die den Vormund für alte Menschen übernimmt, wenn sich sonst keiner mehr um sie kümmert. Jetzt bloß nicht in die Falle tappen und denken: “Das ist aber ein anstrengender, Kräfte zehrender Job.” Oder: “Wie liebevoll von ihr, dass sie für die gebrechlichen Seelen sorgt.” Weit gefehlt. Marla hat aus ihrem Job ein knallhartes Unternehmen gemacht und zieht den wohlhabenden Senioren, das Geld aus der Tasche. Dabei hat sie ein Imperium aufgebaut. Richter, Ärztin, Leiter einer Seniorenresidenz – alle stecken unter einer Decke. Die einen sind von Marlas Sanftmut und Wohlwollen angetan, wie der Richter, aber die Ärztin möchte nur ein kleines Stück vom Kuchen. Alle profitieren in diesem System der Abzocke. Bis, ja bis Marla an die falsche (oder richtige?) Person gerät. Die steinreiche Jennifer Peterson ist nämlich gar nicht die, für die sie sich ausgibt. Falscher Name, falsche Vergangenheit und schon steckt Marla mitten in der Scheiße. Denn dass seine Mutter einfach so in ein Altersheim gebracht wird und er sie nicht mehr so ohne weiteres sehen kann, findet ihr Sohn, der Mafia-Boss, überhaupt nicht lustig. So beginnt der Krieg um Macht und Geld.

Das Schlimmste vorweg: Die Musik ist grauenhaft. Mag Geschmacksache sein, aber ich fand sie grauselig. Furchbares Elektro-Geschrammel, bei der nur noch die Laser-Show gefehlt hat. Das Zweitschlimmste: Marlas Raucherei ihrer E-Zigarette. Ich kann Rauchen, egal welcher Art nicht leiden und es fuckt mich in Filmen, egal welcher Art, sehr oft up. Hier muss ich zugeben, dass es an einer Stelle zu einem sehr eindrucksvollen Effekt kommt. Aber das ist nur ein schwacher Trost.

Was mich zu den guten Dingen des Thrillers führt. (Sidenote: Diesen Film Komödie zu nennen, finde ich nicht sehr passend. Gibt es doch erstaunlich wenige Momente, in denen mir zum Lachen zu Mute war.) Die Mimik von Rosamund Pike ist herausragend. Alles, von dem Ausdruck in ihren Augen, das ironische Schmunzeln um ihren Mund oder auch nur Kleinigkeiten, wie ihre Kopfhaltung, tragen dazu bei, dass dieses Katz-und-Maus-Spiel sehenswert ist. Außerdem ist das Drehbuch, zumindest das, was Pike von J Blakeson, der auch Regie geführt hat, in den Mund gelegt wird, sehr gut geschrieben. Ruhig, überlegt, immer kühl und berechnend. Ich bin nicht umhin gekommen zu denken: “Was für eine abgebrühte, coole Sau!”. Abgerundet wird das Bild von ihrem Erscheinungsbild, das makellosen Stil verrät. An ihrer Seite ist der ihr nicht ganz ebenbürtige Peter Dinklage. Ja, er ist auch sehr gut, aber eben nur das. Obwohl er ihr in Kaltblütigkeit in nichts nachsteht.

Ebenfalls ein kleines Manko ist der Schluss. Die letzte Szene ist zuviel. Ein mehr oder weniger offenes Ende hätte mir besser gefallen. Vielleicht mit einem Teil zwei. Und dann hätte J Blakeson diesen Schluss ans Ende vom zweiten Teil setzen können. Aber gut: Ich kann nicht alles haben.

Bleibt noch das lesbische Paar: Das sind Marla und ihre Lebensgefährtin Fran, gespielt von Eiza González. Was mich an ihrer Beziehung begeistert hat oder besser gesagt, wie der Film mit ihrer Beziehung umgeht, begeistert hat? Es wird kein Fass deswegen aufgemacht oder auch nur in irgendeiner Weise erwähnt. Die beiden sind ein Paar wie jedes andere Liebespaar auch. Keine blöden Fragen und keine ausufernden, exploitierenden Sexszenen. Sehr gut gemacht.

Rating: 3.5 out of 5.

Titelbild: Copyright Seacia Pavao/Netflix

5 Filme in 3 Minuten: Black Cinema Magic

Zugegeben, die Beschreibung der “Black Cinema Magic” ist geklaut. Woher, weiß ich nicht mehr genau, aber ich finde die Worte passen sehr gut zu den heutigen Filmen. Weil in den USA im März der “Black History Month” ist, habe ich beschlossen, dieses Mal fünf Filme über Geschichte von und mit Schwarzen zu präsentieren – nicht zwangsweise aus historischer Sicht betrachtet. In allen Filmen sind die meisten, wenn nicht alle Schauspieler und Schauspielerinnen BlPoC, genauso wie Regisseure und Regisseurinnen und andere wichtige Mitarbeiter*innen hinter der Kamera. Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen.

Copyright Paramount Pictures France

Dreamgirls

Titel: Dreamgirls Originaltitel: Dreamgirls Originalsprache: Englisch Gesehen auf: Englisch Regie: Bill Condon Schauspieler*innen: Jennifer Hudson, Beyoncé Knowles-Carter, Anika Noni Rose, Sharon Leal, Jamie Foxx, Eddie Murphy, Danny Glover, u.a. Verleih: Universal Picutres Germany Erschienen: Februar 2007 Genre: Drama, Musical Länge: 131 Minuten

Das Drama “Dreamgirls” beruht auf dem gleichnamigen, äußerst erfolgreichen Broadway-Musical von Tom Eyen. Mit Beyoncé Knowles und Jennifer Hudson teilen sich zwei stimmgewaltige Diven die Leinwand. Während Anika Noni Rose und Sharon Leal die beiden Frontsängerinnen melodisch und harmonisch unterstützen, hätten meinetwegen Jamie Foxx und Eddie Murphy die Gesangsparts gerne an jemand anderen abtreten können. Aber es standen wohl keine Schauspieler zur Verfügung, die stimmlich besser gepasst hätten. Es macht “Dreamgirls” nicht zu einer schlechteren Musicaladaption, aber definitiv nicht zu einer besseren. Im Gegenzug dazu halte ich Beyoncé für eine bessere Sängerin als Schauspielerin. Der Film fängt stark an, flacht bei der Hälfte ab, um stark zu enden. Zwanzig Minuten kürzer hätte der Geschichte gut getan. Aber dann wären eine wichtige Songs zu kurz gekommen. Die Geschichte über den Aufstieg der “Dreamettes” von einem unbedeutenden Background-Trio aus Detroit in den 1960er Jahren zu gefeierten Headliner-Stars mit bahnbrechenden Plattendeals ist nicht neu. Die angesprochenen Stars werten den Film auf jeden Fall auf. Trotzdem ist die Adaption von der Bühne auf die Leinwand nicht hundertprozentig gelungen. Je weiter die Story vorantreibt, umso mehr drängt sich das Musical in den Vordergrund. Die Unentschlossenheit, zwischen Broadway und Kino bringt einige Sequenzen zum Vorschein, die auf einer Bühne gut funktionieren, aber ein ausladender Song wie And I’m Telling You I’m Not Going wird irgendwann zuviel, zu langatmig, zu ausufernd für die Zuschauer*innen. So ist “Dreamgirls” eine interessante Geschichte, die zu lang erzählt ist.

3 von 5 Popcorntüten

Copyright Twentieth Century Fox France

Die Bienenhüterin

Titel: Die Bienenhüterin Originaltitel: The Secret Life of Bees Originalsprache: Englisch Gesehen auf: Englisch Regie: Gina Prince-Bythewood Schauspieler*innen: Queen Latifah, Dakota Fanning, Alicia Keys, Sophie Okonedo, Jennifer Hudson, Tristan Wilds, Paul Bettany, u.a. Verleih: Fox Deutschland Erschienen: April 2009 Genre: Tragikomödie Länge: 110 Minuten

Ich hätte dem Film noch einen halbee Tüte mehr gegeben, wenn das Ende nicht furchtbar schmalzig und vorhersehbar gewesen wäre. Es ist ein schönes Ende, ja, aber viel zu überdramatisch. Gut, dass es sich nicht zu sehr in die Länge gezogen hat. Ansonsten ist es ein wunderbarer Film mit tollen Schauspielerinnen. Besonders Queen Latifah und Sophie Okonedo sind grandios. Auch Alicia Keys mochte ich sehr gerne. In den Zwischentönen finden sich so viele kleine Nuancen, auf die man erst aufmerksam wird, wenn man den Film ein zweites, drittes oder viertes Mal sieht. Besonders der Umgang mit Rassismus und Rassentrennung im Süden der USA in den 1960er Jahren wird thematisiert, aber die Bedeutung vieler kurzer vermeintlich dahingemurmelter Kommentare wird erst deutlich, je mehr man sich der Zeit, in der das Drama spielt, bewusst wird. Ich mochte die Warmherzigkeit der Schwestern Boatwright, ihre Freude und Einzigartigkeit. Jede ist so, wie sie ist und wird akzeptiert wie sie ist. Auch Lily, die mit ihrem schwarzen Kindermädchen Rosaleen vor ihrem gewalttätigen Vater von zu Hause geflohen ist, bekommt die Zeit, die sie braucht, bis sie bereit ist, über ihre Situation, vor allem dem Tod ihrer Mutter, zu sprechen. Die Freude und Liebe, die diese Tragikomödie ausstrahlt, hat ein gutes Gefühl bei mir hinterlassen. Ein Film, der mich hat leise lernen lassen.

4 von 5 Popcorntüten

Copyright Netflix

Coco

Titel: Coco Originaltitel: Love Beats Rhymes Originalsprache: Englisch Gesehen auf: Englisch Regie: RZA Schauspieler*innen: Azealia Banks, Lucien Laviscount, Jill Scott, John, David Washington, Common, u.a. Verleih: Netflix Deutschland Erschienen: März 2018 Genre: Drama Länge: 106 Minuten

Coco arbeitet mit ihrer Gruppe daran, endlich einen Plattenvertrag zu bekommen. Laut des Recordlabels haben sie Potential, aber das besondere Etwas war bei ihren Rapperformances noch nicht dabei. Coco versucht, sich mit ihren Kollegen in die Arbeit zu stürzen, doch ihre Mutter besteht darauf, dass sie erst den Uni-Abschluss macht. Um auf einfache Art eine gute Note zu bekommen, belegt sie einen Poesie-Kurs. Dort muss sie lernen, dass Rap und Gedichte nicht (immer) dasselbe sind. So einfach wie sie gedacht hat, ist die Eins dann doch nicht. Auf der Suche nach ihrer Stimme lernt sie Derek kennen und lieben. Diese Liebesgeschichte ist so platt und vorhersehbar und ist das am Film, das mir nicht gefallen hat. Gar nicht. Auch haben beiden Liebenden wenig Chemie. Wenn es die Rap und Poetry Elemente nicht gegeben hätte, wäre meine Bewertung noch schlechter ausgefallen. Denn erst die Performances der Spoken Word Poets machen die Geschichte besonders. Ihre Arbeit und die Auftritte auf der Bühne habe ich mir sehr gerne angeschaut. Vor allem auch, weil tatsächliche Spoken Word Poets zu Wort gekommen sind. Auch wie Coco sich gegen die männlich dominierte Welt der Rapper durchsetzt, fand ich gut. Die Frauen degradierenden Sprüche und Lines im Hip Hop haben mich noch nie angesprochen. Um so schöner zu sehen, dass es auch anders geht.

2,5 von 5 Popcorntüten

Copyright David Lee / Netflix

Ma Rainey’s Black Bottom

Titel: Ma Rainey’s Black Bottom Originaltitel: Ma Rainey’s Black Bottom Originalsprache: Englisch Gesehen auf: Englisch mit englischem Untertitel Regie: George C. Wolfe Schauspieler*innen: Viola Davis, Chadwick Boseman, Colman Domingo, Michael Potts, Glynn Turman, u.a. Verleih: Netflix Deutschland Erschienen: Dezember 2020 Genre: Drama Länge: 93 Minuten

Warum machen die Ende so oft sonst richtig gute Filme kaputt? Wäre die Geschichte nicht so überdramatisch geendet, hätte “Ma Rainey” mindestens noch einen halbe Tüte mehr bekommen. So ist es bei diesem übertriebenen Schluss bei dieser sehr guten immer noch Überdurchschnittsbewertung geblieben. Das Drama ist sehr gut, was sag ich, exzellent gespielt. Viola Davis als Ma Rainey ist ausgezeichnet, Chadwick Boseman überragend. Aber auch die anderen Musiker glänzen in ihren Rollen. Der Film beruht auf dem gleichnamigen Theaterstück von August Wilson. Die Adaption von Ruben Santiago Hudson und die Regiearbeit von George C. Wolfe sind fantastisch. Doch da das Drama auf einem Theaterstück beruht, ist die Handlung recht statisch, sehr gehemmt von oft langen Monolgen, aber auch tiefgehenden Dialogen. Nicht die Taten, sondern die Worte treiben die Handlung voran. Im Grunde begleiten wir als Zuschauer*innen Ma Rainey und ihre Band einen Tag lang im Aufnahmstudio. Dabei erfahren wir mehr über den vorherrschenden Rassismus in den USA im Jahre 1927, aber auch viel über den Blues und was es heißt, schwarz zu sein. Der junge, ambitionierte Trompeter Levee – Chadwick Bosemans letzte Rolle vor seinem Tod – ist der Gegensatz zur müden Ma Rainey. Weisheit trifft auf Übermut. Stellenweise ist die Geschichte zu langatmig, aber es lohnt sich dranzubleiben.

4 von 5 Popcorntüten

Copyright Patti Perret

One Night in Miami…

Titel: One Night in Miami… Originaltitel: One Night in Miami Originalsprache: Englisch Gesehen auf: Englisch Regie: Regina King Schauspieler*innen: Ali Goree, Kingsley Ben-Adir, Aldis Hodge, Leslie Odom Jr., u.a. Verleih: Amazon Studio Productions Erschienen: Januar 2021 Genre: Drama Länge: 114 Minuten

Auch bei diesem Film ist die Vorlage ein Theaterstück. Und auch hier kommt das immer wieder zum Vorschein. Zum einen, weil die Auswah an Orten limitiert ist, aber auch, weil es ebenfalls Szenen mit langen Monologen und ausartenden Dialogen gibt. Aber anders als bei “Ma Rainey” ist es mir in diesem Drama stellenweise schwer gefallen, aufmerksam zu bleiben. Aber das ist wichtig, um die Gedankengänge zu verstehen und die Hintergründe und Motivation der verschiedenen Charaktere nachvollziehen zu können. Regina Halls Regiearbeit hat mir gut gefallen. Ich kannte sie bisher nur als Schauspielerin. Besonders, wie die Männer im Raum zu einander stehen. Bei genauem Hinsehen, sagt es viel über das Verhältnis der Protagonisten zu einander. Die von wahren Geschehnissen inspirierte Geschichte ist gut erzählt. Doch besser als das adaptierte Drehbuch ist das, was die Schauspieler daraus machen. Kingsley Ben-Adir als Malcolm X und Leslie Odom Jr als Sam Cooke haben mir besonders gut gefallen. Sie geben ihren Charakteren die Integrität und Ernsthaftigkeit, aber auch die Verzweiflung und Unsicherheit, die sie zu denm macht, das die Personen sind. Aldis Hodge als Footballer Jim Brown und Ali Goree als Boxer Cassius Clay folgen mit ihren Leistungen sehr dicht dahinter. Die Thematik ist wichtig und zu wissen, dass die Gedanken der Hauptdarsteller bereits 70 Jahre alt sind und wir gefühlt noch nicht wirklich viel weiter gekommen sind, ist erschreckend. “One Night in Miami” ist definitiv eine Nacht, an die ich mich erinnern werde.

3,5 von 5 Popcorntüten

Das waren wieder fünf Filme, die ich geschaut habe. Ich habe mir aus den mir verfügbaren Filmen, die zum Thema Black History Month passen, die ausgesucht, die mich am meisten angesprochen haben. Es kann sehr gut sein, dass ich noch einen weiteren Beitrag zum Thema mache, weil ich das Gefühl habe, dass ich die Filme und Serie, die wirklich tief gehen und weh tun, noch gar nicht geschaut haben.
Vielen Dank fürs Lesen! Bleibt gesund und bis bald!

Zitat: The Secret Life of Bees

Lily Owens: If your favorite color is blue, why did you paint the house pink?
August Boatwright: That was May’s doing. When we went to the paint shop, she latched on to a color called, “Caribbean Pink.” She said it made her feel like dancing a Spanish Flamenco. I personally thought it was the tackiest color I had ever seen, but I figured if it could lift May’s heart, it was good enough to live in.
Lily Owens: That was awfully nice of you.
August Boatwright: Well, I don’t know. Some things in life, like the color of a house, don’t really matter. But lifting someone’s heart? Now, that matters.

  • aus The Secret Life of Bees

Heimkino: Wonder Woman 1984

Es gibt Filme, da fällt mir ganz besonders auf, wie sehr ich das Kino vermisse. Der neue Film aus dem Hause ©DC “Wonder Woman 1984” ist definitiv einer davon. Auf meinem kleinen Laptop Screen kommt das Action-Abenteuer bei weitem nicht so gut zur Geltung wie in einem großen Kinosaal mit besserem Sound und besserer Akustik. Außerdem ist das Gefühl ein ganz anderes. Aber was erzähl ich da: Alle Kinofans vermissen die Vorfreude und Spannung auf einen guten Film im dunklen Saal. Ich vermisse dieses Erlebnis sehr und hoffe, dass es bald wieder möglich sein wird, Filme an dem Ort zu sehen, für den sie gemacht sind. Es ist wohl geplant, “Wonder Woman 1984” auf der großen Leinwand zu zeigen, wenn die Kinos endlich wieder aufmachen dürfen. Wenn es so sein sollte, werde ich mir auf jeden Fall eine Karte kaufen und die Action noch einmal von einem Plüschsessel aus genießen.

Wie der Titel vermuten lässt, befinden wir uns im Jahr 1984. Neben ihrer Tätigkeit, die Menschen in Washington, D.C. zu beschützten, arbeitet Diana Prince aka Wonder Woman im Smithonian, wo sie ihre neue Kollegin Barbara kennenlernt. Zusammen versuchen sie, Artefakte zu identifizieren, die bei einem Überfall sichergestellt wurden. Es stellt sich heraus, dass sich unter den Objekten ein Citrin befindet, der Wünsche erfüllt. Der verzweifelte und größenwahnsinnige Geschäftsmann Maxwell Gold bekommt den gelben Stein in seine Hände und das unheilverkündende Schicksal nimmt seinen Lauf.

Wenn ich 1984 sehe oder lese, muss ich unweigerlich an die Dystopie von George Orwell denken. Ich denke nicht, dass dieser Film irgend etwas mit diesem Buch zu tun hat, aber dann widerum ist 1984 so ein markantes Jahr und der Schrecken, den Max Gold heraufbeschwört so real, dass ich meine, einen gewissen Einfluss des Buchs erkennen zu können. Aber das nur am Rande.

Der Achtziger Jahre Vibe ist grandios: Schulterpolster, Leggins, Animalprints, Hoseb aus Fallschirmseide, Neon, alles, was das Herz begehrt, aber die Erinnerung lieber vergessen wollte. Diana (Gal Gadot) jedoch ist wie immer stilsicher und kompetent, ja fast zeitlos gekleidet. Das lässt sich von Barbara Minerva (Kristen Wiig) und Steve Trevor (Chris Pine) leider nicht sagen. Besonders Pine muss den ganzen 80er-Jahre Kleiderschrank über sich ergehen lassen. Auch die Eighties Hairstyles des vermeintlichen Bösewichts Max Gold und der seltsamen Barbara sind groß und puffy. Das Thema zieht sich durch den Film und ist recht stringent eingehalten. Manchmal hatte ich meine Fremdschäm-Momente, aber die sind bei weitem nicht so schlimm gewesen, wie sie hätten sein können.

Das fast zweieinhalb Stunden andauernde Abenteuer geht erstaunlich schnell vorbei. Bis auf das Ende habe ich mich sehr gut unterhalten gefühlt. Die Story entwickelt sich in einer angemessenen Geschwindigkeit, nicht zu schnell, nicht zu langsam. Die letzte große Szene ist mir zu emotional, zu überbordend mit Schmalz. Ein Appell an die Menschheit sich an ihre Menschlichkeit, ihre Fehlerhaftigkeit und die Wahrheit zu erinnern, war für mich zu pathetisch. Aber das ist Geschmackssache. An der ein oder anderen Stelle lässt die CGI Qualität zu wünschen übrig. Da habe ich mehr erwartet. Besonders in den Kampfszenen hapert die Optik sehr. Ansonsten hat mir dieser Superherofilm sehr gut gefallen. Wonder Woman ist eine tolle Heldin. Ich mag ihren Charakter sehr gerne und bin gespannt, was das nächste Abenteuer für sie (und mich) bringen wird.

Rating: 4 out of 5.

Titelbild: Copyright 2020 Warner Bros. Entertainment Inc. All Rights Reserved. / Clay Enos/ ™ & © DC Comics

Filmreise-Challenge #22: Das Geheimnis der grünen Stecknadel (1972)

Wir überspringen (aus Verfügbarkeitsgründen) zwei Aufgaben und hüpfen in die 1970er Jahre. Die letzte Aufgabe der Zeitreise lautet: Schaue eine Giallo der 1970er Jahre. Da bieten sich die Edgar-Wallace Filme gerade zu an. Daher habe ich mir “Edgar Wallace: Das Geheimnis der grünen Stecknadel” angeschaut. Es ist der 37. Krimi aus der Edgar-Wallace-Reihe, der in Deutschland nach dem 2. Weltkrieg veröffentlicht wurde. Der Fall basiert auf der englischen Vorlage “The Clue of the New Pin”. Der Originaltitel des Films heißt “Cosa avete fatto a Solange?”. Vor dieser Challenge wusste ich nicht, was ein Giallo ist. Und obwohl ich beide Teile des “Wixxers” gesehen habe, hatte ich vorher noch nie irgendwelche Edgar-Wallace-Filme geschaut. So war es an der Zeit, dass ich beides ändere. Das Prinzip der Reihe finde ich nicht schlecht. Diese Art von “Who-done-it” Bücher respektive Filmen (siehe “Knives Out”) mag ich ganz gerne. Aber ich glaube, ich hätte mir zum Einstieg eine andere Thematik aussuchen sollen.

Zwei Mädchen, die von einem Killer mit einem Messer vergewaltigt und qualvoll ermordert werden, ist definitiv nicht die angenehmste Art Mord. Sehr brutal und einfach unausstehlich. Elizabeth beobachtet wie eine junge Frau vor einem Mann in einer Soutane am Ufer davonläuft, als sie mit ihrem Geliebten, ihr Sportlehrer, auf der Themse entlang gleitet. Später, als sie sich ihrem Liebsten hingeben möchte, sieht sie, wie ein Messer aufblitzt. Am nächsten Tag erfährt sie, dass am Ufer der Themse ein Mord geschehen ist und die Tote ihre Klassenkameradin Hilda ist. Dieser abscheuliche Mordfall ist ein Fall für “Inspektor Barth vom Yard”, wie er sich vorstellt. Doch bleibt es nicht bei diesem einen Mord. Der Täter schlägt noch zwei weitere Male zu, ehe er geschnappt wird. Was hat Enrico, der Sportlehrer und Elizabeths Geliebter, damit zu tun? Was weiß Enricos Frau Herta? Oder war es gar einer der Geistlichen aus Elizabeths katholischer Mädchenschule?

Wie schon erwähnt, war der Film zum Einstieg in das Edgar-Wallace-Universum für mich nichts. Zu viele Machos, zu viele nackte Mädchen, zu viel Sexismus und bei weitem zu viel “male gaze”. Gut gefallen hat mir Joachim Fuchsberger als Inspektor Barth. Auch sonst war die schauspielerische Leistung aller in Ordnung. Aber sie hat mich auch nicht total überzeugt. Eine solide aber nicht überragende Leistung. Der Aufbau und die Auflösung des Falls hat mir ddagegen sehr gut gefallen. Hier möchte ich aber zwischen der Auflösung und dem Ende unterscheiden. Zu wissen, wer und mit welchem Motiv hinter den Morden steckt, war für mich mehr oder weniger verständlich und plausibel. Aber wie es zur Auflösung gekommen ist, fand ich doof. Mentale Erkrankungen, besonders nach traumatischen Ereignissen, sind schwierig und mit Fingerspitzengefühl zu behandeln. Das ist hier nur sehr oberflächlich geschehen und die Qualen des traumatisierten Mädchens mehr mit einem Lächeln abgetan. Wenn das Mädchen anders dargestellt worden wäre, hätte das den Film wahrscheinlich aufgewertet.

Amüsiert hat mich, dass die Filmmusik aus der Feder des berühmten Filmkomponisten Ennio Morricone stammt, der unter anderem die Musik zu “Spiel mir das Lied vom Tod” geschrieben hat. Ansonsten war die Mischung aus deutschen und italiensichen Schauspieler*innen, die sich in der britischen Stadt London tummeln, ein wenig gewöhnungsbedürftig. Aber warum nicht. Fasziniert hat es mich, zu sehen, wie weit sich die Forensik in den letzten 50 Jahren entwickelt hat. Die Machart dieses Krimis hat mich ein bisschen an einen mittelprächtigen “Tatort” erinnert.

Rating: 3 out of 5.

Titelbild: Copyright Rialto Film

Filmreise-Challenge #18: Robot Monster (1953)

Weiter geht die Fahrt auf der Zeitreise. Dieses Mal befinde ich mich im Jahr 1953. Die Aufgabe lautet: Schaue ein Low-Budget-B-Movie der 1950er Jahre. Low Budget ist er und B-Movie definitiv auch. So Low Budget und B-Movie, das “Robot Monster” für einige bereits Kultstatus erreicht hat. Ich habe es nicht bereut, “Robot Monster” gesehen zu haben. Er ist einfach wirklich schlecht, furchtbar schlecht. So grausig, dass er nur noch gut sein kann. Zum Glück ist der Film nur ein wenig länger als eine Stunde. Mehr davon wäre Folter.

Das Alien genannt Ro-Man hat die Erde invasiert. Sein Auftrag ist es die Menschheit auszulöschen. Dies ist ihm auch gelungen. Nur sechs Menschen, ein Wissenschaftler und seine Familie und sein Assistent, leisten erbitterten Widerstand. Weil sie gegen seine radioaktiven Strahlen immun sind, muss Ro-Man, das Robot Monster, sich auf die Suche nach ihnen begeben und sie persönlich umbringen. Das versucht die Familie natürlich zu verhindern. Dabei stellt sich nicht nur Ro-Man ziemlich dämlich an.

Wer oder Was ist Ro-Man eigentlich? Nun ja, im Grunde genommen ist er nicht mehr als ein Mann im Gorilla Kostüm mit einem altmodischen Taucherhelm auf unter dem er eine Art Gasmaske trägt. Sein Äußeres ist höchst seltsam. Wie er so etwas sehen kann, ist mir schleierhaft. Könnte aber erklären, warum er, wenn er geht, sehr doll hin- und herschwankt. Das Monster ist auch nicht das Hellste (oder der Hellste?). Eine gewisse Begriffsstutzigkeit und Tolpatschigkeit ist ihm definitiv anzumerken. An einer Stelle hatte ich das Gefühl, als würde ich einem schwarz-weiß Zombie zuschauen, wie es über die grauen Hügel stolpert und “Brains!” denkt. Dabei möchte er ja aber nur seinem Vorgesetzten aus dem Weltraum gefallen. Die Maschine, mit der der Außerirdische mit den Seinen kommuniziert ist ständig von Seifenblasen umgeben. Außerdem sieht es so aus, als würde die ganze Zeit Motten aus seinem Transmitter kommen.

Abgerundet wird dieser Schund durch die eigentümlichsten Liebesszenen, die ich seit Längerem gesehen habe. Und das will was heißen, habe ich doch letzte Woche erst einen deutschen Heimatfilm gesehen. Der Assistent des Wissenschaftlers und die älteste Tochter verlieben sich natürlich ineinander, wie soll es auch anders sein. Für ungestörte Zweisamkeit sorgt eine vertrocknete Dornenhecke. Zumindest sieht es so aus. Schwarz-weiß und schlechte Qualität lassen ein paar Fragen offen. Naja, weder die Küsse noch das unbeholfene Rumgewälze der beiden sahen überzeugend aus. Außerdem besteht zwischen Alice und Roy sehr wenig Anziehung. Da haben Alice und Ro-Man schon mehr Chancen. Alice sah jedenfalls so aus, als hätte sie Spaß, wenn das Monster sie entführt. Bereitwillig legt sie die Arme um seine Schulter und baumelt mit den Beinen.

Von der Ästhetik her, sieht “Robot Monster” so aus, als sei der Film auf einer italienischen Insel gedreht worden, inklusive Hinterhof eines alten Steinhauses. Irgendwie hat das Charme.

Dieser Film ist zusammen mit Freund*innen und viel Alkohol zu genießen. Man kann bestimmt ein tolles Trinkspiel aus diesem Trashfilm machen. Dann wird er definitiv noch sehr viel lustiger. Bloß nicht den Fehler machen, diesen Film zu ernst zu nehmen. Das könnte der Tierwelt schaden.

Rating: 1 out of 5.

Titelbild: Copyright Three Dimension PicturesUm

Filmreise-Challenge #17: Das Schweigen im Walde (1955)

Die Zeitreise geht weiter. Aufgabe Nummer 17 lautet: Schaue einen deutschen Heimatfilm der 1950er Jahre. Es war schwieriger als ich gedacht habe, einen (online) frei verfügbaren deutschen Heimatfilm zu finden. Viele waren entweder nicht aus Deutschland sondern Österreich und andere waren nicht mehr aus den 50er sondern bereits aus den 60ern. So bin ich bei “Das Schweigen im Walde” gelandet. Ein Filmtitel, bei dem ich eher an einen Horrorfilm oder Psycho-Thriller gedacht habe. Aber es war ein Heimatfilm, wie er im Buche steht.

Um vor einer anhänglichen Frau zu fliehen, die das Ende ihrer Beziehung nicht akzeptiert, reist Fürst Heinz von Ettingen in die Berge rund um Salzburg. (Da habe ich ja schon wieder gedacht, dass es doch ein österreichischer Film ist. Doch an einer Stelle wetten Geschwister um 50 Pfennig.) Im Hintergrund erstrahlt eine äußerst idyllische Kulisse. Der Fürst reist inkongnito, damit der Jäger, bei dem er wohnt, kein großes Aufheben um ihn macht. Auf einem Spaziergang oder einer Wanderung – in den Bergen weiß man das ja nie so genau – lernt er die junge Malerin Lo Petri kennen, die mit ihrem Bruder in einer Hütte zwischen den Bäumen wohnt. Für beide ist es Liebe auf den ersten Blick. Gestört wird das Liebesglück vom eifersüchtigen Jäger Toni Mazegger, der alles versucht, um die Gunst von Lo doch noch zu gewinnen und der vom Fürst verschmähten Baronin Edith von Prankha. Finden die beiden Liebenden doch noch zusammen? Die Antwort könnt ihr euch denken. Aber ohne ein überschwänglich dramatisches Ende geht der Film nicht unter. Da muss man als ausdauernde Zuschauer*innen noch ein paar kopfschüttelnde Minuten hinter sich bringen. Zum einen über soviel Dummheit, zum anderen über soviel Realitätsferne.

Über Regisseur Helmut Weiss kann ich nicht viel sagen. Wenn ich das richtig gesehen habe, hat er noch mehr Heimatfilme gedreht. Die Romanvorlage stammt von Ludwig Ganghofer. “Das Schweigen im Walde” ist nicht das einzige Buch, dass verfilmt wurde. Es gibt eine ganze Ganghofer-Reihe. Die werde ich mir definitiv nicht anschauen.

Der Film ist nur bedingt lustig. Nicht wie “Ferien auf Immenhof” oder andere Heimatfilme in diese Richtung. Die wenigen folkloristischen Elemente sind ganz nett. Zum Beispiel wenn der Gustl nach einem Glas Bier zuviel einen traditionellen Tanz in seiner Krachledernen aufführt, ist das erstaunlich gelenkig und rhythmisch. Es wäre aber nie etwas, dass mich so in Verzückung bringen würde wie die Wirtin. Da lässt sie doch glatt ein Busserl springen.

Alles in allem hat mich die Schnulze eher gelangweilt. Sie ist vorhersehbar, wenig amüsant und oberflächlich. Außerdem habe ich dem verliebten Paar ihre Verliebtheit nicht abgekauft. Die geschwisterliche Liebe zwischen Lo und ihrem kleinen Bruder ist da bei weitem authentischer. Demnach also nichts für mich. Es gibt bestimmt noch mehr Filme, die eher in Richtung Immenhof gehen. Oder andere Filme unter dem Deckmantel Heimatfilm, die nicht ganz so offensichtlich sind und mehr Tiefgang haben. Die würde ich mir dann auch anschauen, zumindest probeweise. Aber “Das Schweigen im Walde” sollte wirklich überlegen, ob es nicht lieber ein Psycho-Thriller werden möchte. Die Ansätze dafür sind gegeben.

Rating: 1.5 out of 5.

Das Titelbild gehört nicht mir.