Zitat: Amos Oz

Amos Oz

Cover: Suhrkamp Verlag

“Amos Oz sagte zu mir: “Weißt du, Shira, in jedem Buch stecken mindestens drei Bücher. Das Buch, das du gelesen hast. Das Buch, das ich geschrieben habe. Aber es gibt noch ein drittes Buch. Und zwar das, was ich geschrieben hätte, hätte ich die Kraft dazu gehabt. Dieses Buch, das imaginäre dritte, ist das beste von allen und dem haben wir gemeinsam versucht, sehr nahe zu kommen.”

  • Shira Hadad im Gespräch über den verstorbenen Schriftsteller Amos Oz in ihre Buch Was ist ein Apfel?
  • Deutsche Übersetzung des auf englisch geführten Gesprächs von Etienne Röder

http://www.deutschlandfunkkultur.de/lesart.1269.de.html”>Lesart</a><br/>Hören

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Kino: Glam Girls

Ich bin kein großer Fan von Rebel Wilson. Anne Hathaway mag ich dagegen sehr. Es war also eine 50/50 Chance, dass “Glam Girls” (OT: “The Hustle) in meinen Augen eine gute Komödie ist. Leider waren es dann doch die anderen fünfzig Prozent. Einen Besuch im Kino kann man sich getrost sparen.

Glam Girls Poster

Poster: Universal Studios Germany

Der Film beruht auf der Komödie “Zwei hinreißend verdorbene Schurken” mit Michael Caine und Steve Martin aus dem Jahr 1988. Die Verbindung erklärt auch den Untertitel “Hinreißend verdorben”. Anne Hathaway spielt die kultivierte Trickbetrügerin Josesphine, die mit ausgeklügelten Komplotts reiche Männer um mehrere Tausend Euro erleichtert. Hathaway bleibt in ihrer Rolle weit unter ihren Möglichkeiten. Leider macht sie den Film nicht halb so sehenswert, wie er gewesen wäre, wenn sie nicht eine große Strecke lang, mit einem furchtbaren Akzent sprechen müsste. Die dämliche, oberflächliche Penny, gespielt von Rebel Wilson, versucht sich an Männern zu rächen, indem sie sie um kleinere Summen erlichtert. Wenn ich darüber nachdenke, ist Josephine auch oberflächlich, aber wenigstens hat sie Niveau und Stil. Wilson spielt die laute, peinlich Figur, die sie immer spielt. Keine Überraschungen.

Der Film geht in meinen Augen sehr unsensibel mit dem Thema körperliche Behinderung um. Auch der ein oder andere Fremdschäm-Moment ist zu sehen. Und natürlich gibt es auch die Szene, in der ich mich als Zuschauerin (was die Zuschauer nicht ausschließt) übergeben möchte. Es ist kein Fäkal-Humor, aber es ist sehr nah dran. Nichts, worüber ich lachen kann. Noch nicht einmal Schmunzeln. Nur ekeln. Ansonsten ist die Story platt und niveaulos. Dass sich zwei Frauen, die sich für Gleichberechtigung einsetzen, zu so einem Film haben hinreißen lassen, verstehe ich nicht. Ich hätte mit meiner Zeit, die ich im Kino verbracht habe, definitiv etwas besseres anfangen können. Mein Fazit also, ein klares “Finger weg!”

Was mir den Film sympathisch gemacht hat, zumindest für ein paar kurze Sekunden: Anne Hathaway liest die französische Ausgabe von “The Curious Incident of the Dog in the Night-Time” oder auf deutsch: “Supertolle Tage” von Mark Haddon. Ein großartiges Buch. Sehr zu empfehlen.

Besprechung erfolgt nach Sichtung der deutschen Fassung

Ab 9. Mai im Kino.

Titelbild: Copyright Universal Pictures International France

Filmreise-Challenge #54: Annie Leibovitz – Life through a Lens

Aufgabe Nummer 54 der Filmreise-Challenge ist Teil der Bildungsreise: Schaue eine Dokumentation. Da ich mich schon länger für Fotografie interessiere und ihre Bilder faszinierend finde, habe mich für einen Film über die weltberühmte Fotografin Annie – Anna Lou – Leibovitz (“Annie Leibovitz – Life through a Lens”) entschieden.

Annie Leibovitz PosterEs ist ein Film, der mich stellenweise sehr berührt hat, weil ich die Dokumentation sehr persönlich finde, obwohl Annie Leibovitz eher ein verschlossener Mensch zu sein scheint. Wenn Regisseurin Barbara Leibovitz nicht ihre Schwester wäre, könnte ich mir vorstellen, dass es viel oberflächlicher geworden wäre. Der Film verbindet verschiedenen Ebene. Auf der einen Seite sieht das Publikum, wie sie zusammen mit einem Herren Bilder für ein Buch über ihr Werk auswählt. Auf der anderen Seite bekommt man einen Einblick in ihre Arbeit, weil die ZuschauerInnen sie zu einem Shoot für den Film “Marie Antoinette” begleiten. Dazu kommt noch die Ebene ihres Familienlebens und ihr Werdegang über Rolling Stone zu Vanity Fair zu Vogue.

Viele Wegbegleiter kommen zu Wort, aber auch Stimmen aus der Vergangenheit und sie selber. Durch diesen Flickenteppich bekommen die ZuschauerInnen einen Eindruck, was für eine Person Annie Leibovitz ist. Welche Persönlichkeit steckt hinter den Bildern, die den abgebildeten Personen so tief in die Seele zu schauen scheint.

Schade ist, dass mehrere Menschen in der Dokumenation zu Wort kommen, von denen ich nicht weiß, wer sie sind. Natürlich kenne ich George Clooney, Julia Roberts, Anna Winthur oder Yoko Ono. Aber es treten auch eine handvoll Menschen vor die Kamera, von denen ich keine Ahnung habe, wer sie sind und warum sie in Leibovitz’ Leben oder im Fotografie-/Magazinbusiness wichtig sind. Da wären kurze Namenseinblendungen mit Hinweisen zu Job oder Verbindung zu Leibovitz von Nutzen gewesen.

Ich finde die Dokumentation sehr ehrlich. Sie zeigt eine Person, die in ihrem Beruf voll aufgeht. Ein Mensch, der Fotografie mit Haut und Haaren lebt, der das Leben anders zu sehen scheint. Ein wenig in einen Rahmen gequetscht. Eine Künsterlin durch und durch. Eine Frau, die mich inspiriert, weiter kreativ zu arbeiten, nicht die Kritik von anderen zu scheuen, sondern daran zu wachsen. Ich werde mir die Dokumentation definitiv zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal anschauen. Ihre Bilder sind einfach so roh und gleichzeitig so tief und nah an der dargestellten Person. Es macht mir Spaß, ihr bei der Arbeit zuzuschauen, obwohl ihre Schwester im Film meint, dass es nicht schön ist, bei einem Shooting um sie zu sein. Sie vergisst einfach alles und verschwindet vollkommen in ihrem Tunnel. Auch wenn mir die Dokumentation keine tieferen Einblicke in Leibovitz Privatleben eröffnet hat, keine schlüpfigen Details oder Starallüren, hat sie mir doch den Menschen hinter der Kamera näher gebracht. Was möchte ich mehr.

Bilder: Gent

Heute habe ich kein Freitagszitat, sondern ein paar Bilder. Ich war zwei Tage in dieser wirklich schönen Stadt in Belgien. Dadurch, dass meine Freundin und ich einfach mal abschalten wollten, habe ich nicht viele Bilder gemacht. Aber die Stadt ist einfach wirklich schön. Wir fahren bestimmt noch einmal hin.
Disclaimer: Alle Bilder sind von uns gemacht worden.

Kino: Avengers: Endgame

Dadurch, dass ich im Moment super viel unterwegs bin, kommt die Besprechung diesmal in einer Sparversion, was die Aufmachung angeht. Dafür aber aus dem Zug.

Avengers Endgame Poster

Poster: ©Marvel Studios

Wie es bei den meisten “Avengers”-Filmen so ist, knüpft er nahtlos an den letzten Teil an. So ist es auch mit “Infinity War” und “Endgame”. Thanos hat gesiegt. Die Erdbevölkerung hat sich um 50% minimiert. Die verbleibenden Avengers sind schockiert. Diesen Rückschlag müssen sie erstmal verdauen. Aus diesem Verdauen wird ein fast dreistündiges Spektakel, das wie im Flug vergeht.

Nachdem ich bei “Infinity War” bemängelt habe, dass es wenig Inhalt und viel Gemetzel war, schafft es Endgame eine geeignete Balance zu finden. Es gibt eine Zeit für Trauer, für Action, zum Nachdenken und an den richtigen Stellen auch für Humor.

Die Story ist ausgeglichen und nachvollziehbar. Keine unnötigen Emotionsfiaskos oder unangemessenen doofen Sprüche. Auch bleibt jede Figur ihrem Charakter treu. Auch wenn das in anderen “Avengers”-Filmen anders war, habe ich diesmal tatsächlich keinen Liebling. Nur die Wandlung vom Hulk hat mir nicht so gut gefallen. Und Tilda Swinton war wie immer gruselig.

Ich habe den Film in 2D gesehen und war mit der Grafik und den Effekten voll und ganz zufrieden. Ich bezweifele, dass es sich lohnt, ihn in 3D zu schauen. Aber das ist Geschmackssache und eine Frage des Geldbeutels. Außerdem sei dazu gesagt, dass zumindest in der Version, die ich gesehen habe, ganz am Ende kein Teaser auf einen neuen Teil mehr kam. Für mich würde es durchaus Sinn ergeben, wenn das in den regulären Vorstellungen auch so wäre. Also: Nicht traurig sein, wenn da nichts mehr kommt. Auch kein letzter Lacher. Und was für mich wichtig war: “Endgame” kann man auch gut sehen und verstehen, wenn man “Captain Marvel” nicht gesehen hat.

Ich kann “Avengers: Endgame” nicht genug loben. Ein sehr würdiger Abschluss für eine durchwachsene Serie. Ich bin gespannt, was ©Marvel sich als nächstes ausdenkt.

Ab 24. April im Kino.

Titelbild: Copyright Marvel Studios 2019

Kino: Ein letzter Job

Ich habe mich sehr auf “Ein letzter Job” (OT: “King of Thieves”) gefreut. Der Trailer sah sehr vielversprechend aus, ein bisschen, wie ein Film der Ocean’s -Reihe nur mit Rentnern als Hauptdarsteller. Was hervorragend anfängt, endet leider in einem emotionalen Chaos.

Ein letzter Job Poster

Poster: StudioCanal GmbH

Die Komödie beruht auf einer wahren Geschichte. Es geht um eine Gruppe kleinkrimineller Gangster, die mit ihrer Rente nicht zufrieden sind. Sie tun sich zusammen und schmieden den Plan, eine Bank auszurauben. Sie planen den größten, lukrativste Bankraub in der Geschichte. Dabei geht es weniger um Cash und viel mehr um Diamanten. Damit der Plan gelingt, müssen alle zusammenhalten. Alles muss genau so klappen, wie es gedacht ist. Aber natürlich geht etwas schief. Das bezieht sich aber nicht nur auf den Raub, sondern auch auf die Sympathien der Ganoven untereinander.

Selten hat es ein Film geschafft, mich so sehr zu verwirren. Nachdem die Diebe, ihre Beute ergattert haben, dreht sich die Stimmung um 180 Grad. Hatte ich im ersten Teil das Gefühl, dass ich eine Gruppe Antihelden vor mir habe, war ich im zweiten Teil schockiert über ihre Graumsamkeiten und Hinterhältigkeit. Die Wende vollzieht sich so abrupt, dass ich am Anfang gedacht habe, dass es sich bei dem Geschehen um Gedanken oder Träume mancher Personen handelt. Die Räuberbande ist nicht mehr wiederzuerkennen und zerfleischt sich von innen heraus. Sie versuchen sich gegenseitig über den Tisch zu ziehen und auch Mord kommt in Betracht. Bei diesem schnellen Wechsel sind meine Emotionen auf der Strecke geblieben. Ich habe nicht verstanden, warum die Rentner erst auf die eine Weise und dann auf die andere Weise porträtiert werden. Es ist in keinster Weise so, dass die schauspielerische Leistung im Film schlecht ist. Hier spielt die Liga der britischen Gentleman – Michael Caine, Jim Broadbent, Ray Winstone, Tom Courtenay und Paul Whitehouse. Aber auch die besten Schauspieler können aus einem schlechten Drehbuch kein Meisterwerk machen. Und auch Regisseur James Marsh hat nichts mehr retten können.

Meine Empfehlung ist tatsächlich: Nach der Hälfte des Films einfach gehen (oder abschalten). Nachdem der Raub vollbracht ist, geht es mit der Stimmung und der Qualität rapide bergab. Aber bis zur Mitte ist es eine durchaus sehenswerte, lustige Komödie.

Ab 25. April im Kino.

Titelbild: Copyright Studiocanal GmbH

DVD: Mary Poppins’ Rückkehr

“Mary Poppins” mit Julie Andrews und Dick van Dyke war immer einer meiner Lieblingsfilme. Es war einer der ersten Filme, den mir meine Mutter auf VHS aufgenommen hat, damit wir ihn immer wieder schauen können. Dadurch, dass so viele schöne Erinnerungen an dem ersten Teil hängen, war mir klar, dass es ein neuer Teil sehr schwer haben würde, mich zu beeindrucken. Und so ist es auch gekommen.

Mary Poppins Rückkehr DVD

© 2019 Disney

London, 1930: Michael wohnt mit seinen drei Kindern in dem großen Haus in der Kirschbaumallee 17. Die Wirtschaftskrise hat ihn hart getroffen .Er versucht, sich und seine Familie, zu der auch immer noch die Haushälterin Ellen gehört, zu versorgen. Plötzlich stehen Vertreter der Bank vor der Tür. Er hat bis zum Ende der Woche Zeit, den Kredit zurückzuzahlen, den er aufgenommen hat. Jane kommt und versucht ihrem Bruder so weit es geht zu helfen. In ihrer Verzweiflung kommt ein Sturm auf und aus den Wolken schwebend, kommt Mary Poppins zu Hilfe.

Es gibt sehr viele Parallelen zwischen dem ersten und zweiten Teil. In einer Episode vermischt sich Life Action mit Animation, es gibt eine Szene mit einer Person, die ein wenig verrückt ist und die Schornsteinfeger/Laternenmänner tanzen auf dem Dach. Leider ist der Aufbau der Geschichte so nah an dem Original, dass für mich keine richtige Spannung aufkam. Auch gab es viel weniger ruhige Momente. Die haben mir sehr gefehlt. Mary Poppins und die Kinder hetzen von einem Abenteuer ins nächste. Mehr Ruhe hätte dem Musical durchaus gut getan. Zumindest ist das meine Meinung. (Aber das ist etwas, dass ich auch bei anderen, neueren, vermeintlichen Kinderfilmen bemängele. Ich sehe da ein Muster…) In die Kategorie fällt auch, dass ich die grellen Farben nur selten passend fand. Die Weichzeichnerbilder aus dem ersten Teil, die hier und da auch in den zweiten Teil eingebettet sind, haben immer eine angenehme Atmosphäre geschaffen, die im zweiten Teil fehlt. Schön fand ich dagegen, dass nicht nur Charaktere aus dem Original, wie die Pinguine, in die Animationsreihe eingebunden sind, sondern auch Figuren aus anderen ©Disney-Produktionen, wie die Hasenfamilie aus “Robin Hood”.

Auch haben die Macher das ein oder andere Lied aus dem Original in den zweiten Teil mit eingebunden. Das hat bei mir dazu geführt, dass ich Lieder wie Let’s go fly a kite wieder im Ohr hatte, anstelle der durchaus angenehmen Songs aus “Mary Poppins’ Rückkehr”. Da ist mir nur Trip a little light fantastic in Erinnerung geblieben.

Emily Blunt hat mir als Mary Poppins sehr gut gefallen. Daran ist kein Zweifel. Leider fand ich die Chemie zwischen ihr und Lin Manuel Miranda als Laternenmann Jack nicht überzeugend. Er war für mich keine adäquate Ersetzung für Dick van Dyke als Schornsteinfeger Burt. Auch Collin Firth als fieser Banker bleibt hinter seinen Möglichkeiten zurück.

“Mary Poppins’ Rückkehr” ist immer noch ein guter Film, aber er kommt für mich einfach nicht an das Original heran. Meine Erwartungen waren aber einfach auch sehr hoch. Das diese nicht alle erfüllt würden, war eigentlich vorher schon klar.

 

Seit 18. April auf DVD und Blu-ray erhältlich.

Titelbild: Copyright 2018 Disney Enterprises, Inc. All Rights Reserved