Kino: Die fantastische Reise des Dr. Dolittle

Als ich gesehen habe, dass Robert Downey Jr. in einer weiteren Verfilmung von Dr. Dolittle mitspielt, wollte ich den Film gerne sehen. Ich habe keine Erklärung dafür, weil der Trailer mich nicht übermäßig angesprochen hat. Habe ich es bereut, ins Kino gegangen zu sein? Nein. Hat mich “Die fantastische Reise des Dr. Dolittle” vom Hocker gerissen? Auch nein. Es ist ein schöner Kinderfilm, mehr aber auch nicht.

Dolittle Poster

Poster: Universal

Was mir bei Animationen nicht gefällt, ist, dass sie immer perfekter werden und dadurch, zumindest für mich, den Bezug zur Realität verlieren. Wenn die Tiere so gut animiert sind (den Tiger Barry einmal ausgenommen), dass sie wie der geleckte Prototyp eines Eisbären aussieht, verschleiert das die Wirklichkeit? Das ist für mich so, wie mit dem Returschieren von Bildern. Ist ein Kind nicht enttäuscht, wenn es dann mal vor einer richtigen Giraffe steht? Oder einem Ara? Außerdem spielt Eddie Murphy in den ersten beiden Teilen den Dr. Dolittle. Liegt hier also wieder ein Fall von Whitewashing vor? Dinge, über die ich mir beim Ansehen Gedanken gemacht habe.

Die Kinder, die mit in der Vorstellung gesessen haben, waren von Dolittle begeistert. Sie fanden den Film spannend. Das kann ich für mich nicht sagen. Ich fand ihn sehr vorhersehbar und nach bekanntem Schema gestrickt. Früher hat das Ehepaar Dolittle allen Arten von Tieren geholfen. Dann ist Lily auf eine Schiffsreise aufgebrochen, von der sie nie wieder kam. Seitdem hat sich Dolittle zurückgezogen und lässt keinen Menschen mehr an sich heran. Doch dann kommt ein Mädchen zu ihm und bittet ihn um Hilfe, um die Königin zu retten. Um ihre Mäjestät zu helfen, begibt sich Dolittle mit all seinen tierischen Kumpanen und einem neu gewonnen Lehrling auf die Reise, die Lily das Leben gekostet hat. Er hofft, auf einer fernen Insel das Heilmittel zu finden.

Während die “Drachenzähmen leicht gemacht” Serie oder die ersten beiden Teile von “Ich einfach unverbesserlich” durchaus auch seinen Anreiz für erwachsene Kinder hat, ist diese selbstbetitelte Komödie klar auf ein junges Publikum zugeschnitten. “Die fantastische Reise des Dr. Dolittle” (mir fehlt im Titel immer noch das -s, weil Genitiv und so) ist schön gemacht, aber er hinterlässt keinen bleibenden Eindruck bei mir.

Seit 30. Januar im Kino.

Titelbild: Copyright 2019 © Universal Pictures

Buch: Das rote Adressbuch

Das rote Adressbuch ist gefüllt mit Namen von Menschen, die nicht mehr leben. Doris ist mittlerweile die letzte ihrer Generation, die noch nicht gestorben ist. Sie ist oft einsam. Um sich die Zeit zu vertreiben, fängt sie an, ihre Erinnerungen für ihre Großnichte Jenny aufzuschreiben. Jeder durchgestrichene Name erzählt eine Geschichte. So erzählt Doris über die Freuden und das Glück, aber auch über Niederlagen und großes Unglück. Immer mit einer gewissen Distanz zu einem meist guten, dennoch oft harten Leben.

Das rote Adressbuch

Cover: Goldmann Verlag

Sofia Lundbergs Debütroman “Das rote Adressbuch” ist in einer schönen, leicht verständlichen Sprache verfasst. Sie holt nicht weit aus und ist krönt sich nicht mit vielen Schnörkeln. Dabei ist sie trotzdem weit davon entfernt sachlich oder trocken zu sein. Es hat sich während des Lesens so angefühlt, als würde Doris im Schaukelstuhl sitzen und mir ihre Geschichte erzählen. Das Buch selber ist schön aufbereitet. Es hat 37 Kapitel, die jeweils nochmal in Abschnitte unterteilt sind, die mit dem Namen der Personen aus Doris’ Leben betitelt sind, von dem es handelt. Stirbt eine Person, ist ihr Name durchgestrichen. So strukturiert war es gut und auch schnell zu lesen.

Was mir dieses Buch deutlich gemacht hat, ist, wie selbstverständlich Frauen und ihre Arbeit angenommen werden. Sei es Jennys Mann, der nicht weiß, wie er ohne sie auf die Kinder aufpassen soll oder ihr Sohn, für den es unverständlich ist, dass er sich selber ein Sandwich machen soll, wenn seine Mutter nicht da ist. In den Zwischentönen zeigt die Autorin, wie viele Leute sich keine Gedanken darum machen, wieviel Frauen tun, damit die Dinge im Leben anderer so glatt laufen, wie sie es tun. Außerdem zeigt es, dass es nicht selbstverständlich ist, dass eine Frau über ihr Leben selber entscheiden kann.

Lundberg hat es geschafft, zu vermitteln, wie es ist, alt zu sein. Was es heißt zu lieben und was es heißt einsam zu sein. Auch zeigt sie, dass wir (als Gesellschaft) alte Menschen viel zu oft als Last sehen, anstatt als Bereicherung. Eine Einstellung, die ich versuche zu ändern. Dass das Ende vorhersehbar ist, ist für mich mehr als verzeihlich. Auch dass mir der Schluss mir zu kitschig ist, trübt meine Meinung über den Roman nicht, habe ich mich doch bewusst dazu entschieden, mal außerhalb meiner sonst bevorzugten Genres zu lesen.

Mir hat “Das rote Adressbuch” gut gefallen. Deshalb bekommt es von mir ein lesenwert.

Titelbild: pixabay/stocksnap

*Rezensionsexemplar*

 

DVD: Electric Girl

Ich bin mir nicht sicher, was ich da geschaut habe. Das hat nichts mit den Bildern oder der Geschichte zu tun, sondern mit der Botschaft, die mir dieser Film übermitteln möchte. Zumindest denke ich, dass er eine Botschaft hat. Irgendwie geht es im Kern, glaube ich, darum, was schwere psychische Belastungen in uns auslösen und wie stark unsere Einbildung sein kann.

Electric Girl Poster

Bild: Farbfilm Verleih

Die Studentin Mia ergattert einen Job als Synchronsprecherin als Kimiko, eine Anime-Superheldin. Kimiko hat sich als Aufgabe gemacht, Tokio vor den bösen Mächten zu retten. Nach den ersten Aufnahmen bekommt Mia beim Aufräumen in der Bar, in der sie arbeitet, einen Stromschlag. Seitdem überschlagen sich die Ereignisse. In ihren Augen zeigen sich immer mehr Parallelen zwischen ihrem und Kimikos Leben. Hinter jeder Fassade riecht sie eine Verschwörung. Sie geht ganz in ihrer Rolle als Superheldin auf. Sie ist das Electric Girl. Die Superheldin, die statt Tokio Hamburg retten wird. Doch ist es für sie schon längst keine Rolle mehr. Irgendwann verliert sich Mia so in ihrer eigenen Welt, dass alles aus den Fugen gerät.

In der Buchwelt würde ich die Regiearbeit von Ziska Riemann als Magical Realism bezeichenen. Angesetzt in der Realität sind die Elemente über Kimiko als Animation gezeichnet. Die Mischung der beiden Style ist besonders gelungen. Der Stil der Animation hat mir sehr gut gefallen. Hier bekommt das Dunkle sehr gut zum Ausdruck. Kimikos Markenzeichen, das blaue Haar und der leuchtend gelbe Mantel, kommen besonders gut zur Geltung. Auch Victoria Schulz als Mia hat mir gut gefallen. Sie gibt ihrer Rolle das richtige Maß an Verrücktheit. Auch ist die künstlerische Seite ein weiterer Pluspunkt: Mia, als Poetry-Slammerin, spricht mehr als ein cooles Gedicht; außerdem schöne Kameraführung und ein guter Soundtrack.

Trotz allem habe ich mich einmal zu oft gefragt, ob die Geschichte nicht ein wenig zu weit geht. Besonders gegen Ende des Dramas wollte ich eingreifen und Mia wach rütteln.  Das zeigt wohl, dass mich der Film mehr in seinen Bann gezogen hat, als ich das gedacht hätte. Am Ende bleibt aber immer noch meine Verwirrung über die Aussage des Films. Da bleibt die Frage an mich selber, ob ich dafür Klarheit brauche, um das Drama gut zu finden. Eine Frage, die ich bis jetzt noch nicht beantworten kann.

Titelbild: Copyright NiKo Film_Hannes Hubach

*Rezensionsexemplar*

Kino: Star Wars Episode IX – Der Aufstieg Skywalkers

Das ist es nun also. Der letzte Teil der Saga aus dem Star-Wars-Universum (Spin-offs zähle ich hier nicht mit). Der Kampf zwischen Gut und Böse in einer “Galaxy Far Far Away” kommt zu einem Ende. Als ich den ersten (vierten) Teil gesehen habe, war es um mich geschehen. Mein Bruder und ich haben auf der Couch im elterlichen Wohnzimmer gesessen und den Röhrenfernseher angestarrt. Es erschienen die uns bekannten ersten Worte. Und dann… Was habe ich mich erschrocken! Und das seitdem bei jedem Teil. Die Titelmusik. Nach dem ersten Schrecken – Gänsehaut! Und Pipi in den Augen. Jedes Mal. Bei diesem Teil war es nicht anders. In den Kinosessel kuscheln, Licht aus, Gefühl an und für mehr als zwei Stunden die Welt vergessen.

Star Wars Poster

Copyright The Walt Disney Company

Der Aufstieg Skywalkers springt sofort ins Geschehen. Nicht lange fackeln. Das Universum muss gerettet werden. 16 Stunden ist nicht lang für ein solches Vorhaben. Ich versinke also in meinem Sitz und verfolge per light speed hopping den Falcon. Poe, Finn und Chewbacca geben alles für den Widerstand. Generalin Leia unterstützt Rey, wo sie nur kann. Sie versucht, ihr Vertrauen, Mut und Kraft zu geben. Rey ist immer noch voller Selbstzweifel, weiß nicht, wo sie herkommt und wo ihr Weg sie hinführt. Diese Zweifel teilt sie mit Kylo Ren. Dass diese beiden eine ganz besondere Verbindung haben, hat sich in den letzten Teilen schon abgezeichnet. Daisy Ridley und Adam Driver sind für mich immer noch die perfekte Besetzung für ihre Figuren. Wer für mich überraschenderweise stellenweise geschwächelt hat, ist Oscar Isaac als Poe. Aber die zwei Szenen sind schnell vergessen.

Mein neuer Lieblingsberuf, zumindest vom Namen her, ist Droid-Smith. Und der kleine Babu Frik ist ein toller Vertreter seines Standes. Rose, die mir im letzten Teil so gut gefallen hat, ist dieses Mal für mich untergegangen. Dafür hat mich Kerri Russel als Zorri Bliss umso mehr überzeugt. Ich habe einfach eine Schwäche für starke Frauencharaktere.

Here is also das Ding. Haters gonna hate and lovers gonna love. Wer Anschlussfehler finden möchte, der wird durchaus fündig. Wer den Film schlecht finden möchte, der wird Aspekte, Szenen oder Handlungen entdecken, die ihm/ihr nicht gefallen. Es ist so einfach, sich auf das Negative zu konzentrieren, obwohl der Film, wenn man ihn lässt, richtig gut ist. Er bringt die Saga zu einem würdigen Abschluss. Er verabschiedet geliebte Charaktere und feiert neugewonnene Helden. Es geht um die Überwindung von Angst. Und natürlich auch um die Macht und den Zwiespalt, den sie hervorbringt.

Es bleibt nun noch zu sagen: “May the force be with you” und bis zum nächsten Mal “in a galaxy far far away”.

Seit 18. Dezember im Kino.

Titelbild: Copyright The Walt Disney Company France

 

5 Filme in 3 Minuten (2)

Da bin ich doch erstaunt, wie schnell ich fünf neue Filme geschaut habe, über die ich schreiben möchte. Aber wenn ich mein Ziel 100 neue Filme dieses Jahr zu schauen noch erreichen möchte, muss ich mich ranhalten. Hier ist die nächste Runde von “5 Filme in 3 Minuten”.

DEINE JULIET

Copyright Studiocanal GmbH / Kerry Brown

Deine Juliet (Prime)

Deine Juliet

Originaltitel: The Guernsey Literary and Potato Peel Pie Society Originalsprache: Englisch Gesehen auf: Deutsch Regie: Mike Newell SchauspielerInnen: Lily James, Michiel Huisman, Matthew Goode, Jessica Brown Findlay, Tom Courtenay, Penelope Wilton, Glen Powell, u.a. Verleih: StudioCanal Deutschland Erschienen: August 2018 Genre: Drama Länge: 124 Minuten

Die Buchvorlage habe ich vor ungefähr zehn Jahren gelesen. Dann habe ich meine Ausgabe verliehen und sie seitdem nie wieder bekommen. Leider habe ich es auch  nicht geschafft, mir die Verfilmung im Kino anzuschauen. Umso mehr habe ich mich gefreut, dass ich das nun nachholen konnte. Der Liebesgeschichte im Film wie im Buch ist furchtbar kitschig. Trotzdem mag ich die Story darum herum. Die junge Autorin Juliet erreicht ein Brief aus Guernsey. Ein Mann namens Dawsey Adams fragt sie, ob sie ihm eine Kopie ihres Buchs besorgen und schicken könnte. Zwischen den beiden entwickelt sich eine Brieffreundschaft. Dawsey erzählt ihr von dem Buchclub  mit dem sperrigen Namen “Guernseyer Freunde von Dichtung und Kartoffelschalenauflauf”, den er mit ein paar FreundInnen während des Krieges gegründet hat. Juliet ist neugierig und besucht Dawsey auf den Kanalinseln. Es ist eine gut erzählte Schicksalsgeschichte, die genau richtig auf die Tränendrüse drückt. Ich bin kein großer Fan von Lily James als Besetzung für Juliet. In meiner Vorstellung sieht Juliet anders aus, zwar hübsch, aber nicht so perfekt. Das Drama findet die Balance zwischen Witz und Ernst. Es ist ein schönes Beispiel für Toleranz und dafür, dass es sich lohnt, den Menschen hinter dem Klischee zu sehen.

3,5 von 5 Popcorntüten

 

Die Regeln des Spiels

Copyright: Concord Filmverleih GmbH

Die Regeln des Spiels (Prime)

Die Regeln des Spiels

Originaltitel: The Rules of Attraction Originalsprache: Englisch Gesehen auf: Englisch Regie: Roger Avary SchauspielerInnen: James van der Beek, Shannyn Sossamon, Ian Somerhalder, Jessica Biel, Kate Bosworth, u.a. Verleih: Concord Filmverleih GmbH Erschienen: Mai 2004 Genre: Drama Länge: 110 Minuten

Eine Horde Teenager auf dem College versucht erfolglos, mit ihrem Leben klar zu kommen. Ich möchte nicht viele Worte an diesen Film verschwenden. Mir hat er überhaupt nicht gefallen. Schon in den Anfangsszenen ereignet sich eine Vergewaltigung. Diese wird aber als ganz normal dargestellt. Es scheint, als hätte Protagonistin Lauren das sogar gewollt, beziehungsweise es wird so dargestellt. Falls irgendjemand Zweifel hegt: Nein, es ist nicht in Ordnung (ohne vorheriges Einverständnis) mit einer schlafenden und betrunkenen Frau Geschlechtsverkehr zu haben!!! Ansonsten glorifiziert die Geschichte Essstörungen, Drogen, Alkohol und Selbstmord. Er stellt Homosexualiät als etwas Abstoßendes dar und Mobbing als etwas, womit jede/r konfrontiert ist. Falls ich die Persiflage auf eine Gesellschaft nicht verstehe, dann aus gutem Grund: Der Film geht zu weit!

1 von 5 Popcorntüten

 

Unicorn Store

Copyright Netflix

Unicorn Store (Netflix)

Unicorn Store

Originaltitel: Unicorn Store Originalsprache: Englisch Gesehen auf: Englisch Regie: Brie Larson SchauspielerInnen: Brie Larson, Samuel L. Jackson, Joan Cusack, Bradley Whitford, Karan Soni, Mamoudou Athie, u.a. Verleih: NetflixErschienen: April 2019 Genre: Drama, Komödie, SciFi Länge: 92 Minuten

Dass Brie Larson schauspielern kann, ist wohl bekannt und unbestreitbar. “Unicorn Store” ist, soweit ich weiß, ihre erste Regiearbeit und ich war sehr gespannt auf den Film. Er war genauso, wie ich ihn mir nach dem Trailer vorgestellt habe. Ein bisschen weird, ein bisschen surreal, ein bisschen lustig und ein bisschen naiv, zumindest ist die Hauptdarstellerin Kit ein wenig naiv. Die kreative Kit lebt noch bei ihren Eltern, wird von der Kunsthochschule geschmissen und verfällt in eine Depression aus der sie erst herausfindet, als ihr gesagt wird, dass sie ein Einhorn bekommt, wenn sie beweist, dass sie dafür sorgen kann. Wenn man sich auf das Level an Strangeness einlässt, ist es ein ziemlich cooler Film über Hoffnung, Selbstwert, dem Überkommen von Selbstzweifeln und der Power von Vorstellungskraft. Brie Larson als hoffnungsvolle, leicht verrückte Kit mochte ich sehr. Wer mir aber besonders gut gefallen hat, ist Samuel L. Jackson als Unicorn Laden Besitzer. Genau die richtige Mischung aus exzentrisch und creepy. Das Drama spielt mit Kindheitsträumen und was mit ihnen passiert, wenn wir älter werden. Ist es als vermeintlich erwachsene Person noch erlaubt zu träumen? Ein im positiven Sinn seltsamer Film über das Loslassen.

4 von 5 Popcorntüten

 

To All The Boys

Copyright Netflix / Masha Weisberg

To All The Boys I’ve Love Before (Netflix)

To All The Boys I’ve Loved Before

Originaltitel: To All The Boys I’ve Loved Before Originalsprache: Englisch Gesehen auf: Englisch Regie: Susan Johnson SchauspielerInnen: Lana Condor, John Corbett, Noah Centineo, Emilija Baranac, Isreal Broussard, u.a. Verleih: NetflixErschienen: August 2018 Genre:RomanzeLänge: 99 Minuten

Ich glaube, dass ich auf den Film durch das Buch aufmerksam geworden bin, obwohl ich das Buch gar nicht gelesen habe. Lara Jean geht in die elfte Klasse der High School. Sie hatte noch nie einen Freund, aber sie war schon mehr als einmal verliebt. Und jedem einzelnen dieser Jungen hat sie Liebesbriefe geschrieben…aber nicht abgeschickt. Bis nach einem Streit ihre kleine Schwester die Post auf den Weg bringt. Mein Problem mit diesen Teenager Romance Geschichte ist, dass die Mädchen immer ungefähr dem Alter entsprechend aussehen, aber die Jungen viel älter aussehen. So ist es auch in diesem Film. Lara Jeans Love-Interest Peter ist aus, als sei er der High School längst entwachsen. Ansonsten ist es eine High School Geschichte wie jede andere. Dass hässliche Entlein entdeckt auf einmal, meist mit Hilfe eines Jungen, dass es schön ist. In mancher (feministischer) Hinsicht problematisch, aber wenn die Zuschauerin sich bewusst ist, dass sie keinen Jungen braucht, um schön zu sein, kann ich darüber hinweg sehen.  “To All The Boys I’ve Loved Before” ist eine süße Coming-of-Age Geschichte. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Gut für verregnete Herbsttage mit einer Decke, einer Tasse Tee und Lebkuchen.

3 von 5 Popcorntüten

 

Broken Flowers2005
rea : Jim Jarmush
Bill Murray
COLLECTION CHRISTOPHEL

Copyright D.R.

Broken Flowers (Arte Mediathek)

Broken Flowers –

Originaltitel: Broken Flowers Originalsprache: Englisch Gesehen auf: Deutsch Regie: Jim Jarmusch SchauspielerInnen: Bill Murray, Jeffrey Wright, Sharon Stone, Frances Conroy, Jessica Lange, Tilda Swinton, Julie Delpy, Chloë Sevigny, u.a. Verleih: Tobis-Melodiefilm GmbH Erschienen: September 2005 Genre:KomödieLänge: 105 Minuten

Manchmal ist Social Media doch zu was gut. Mein Instagram Newsfeed hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass “Broken Flowers” von Regisseur Jim Jarmusch in der Arte Mediathek verfügbar ist. Da ich die drei Filme, die ich von Jim Jarmusch bisher kenne, sehr gerne geguckt habe, dachte ich, dass ein Blick nicht schaden kann. Und so war es auch. Don Johnston bekommt einen anonymen Brief, dass er einen Sohn hat. Dieser Sohn ist von zu Hause weggelaufen und eventuell auf der Suche nach ihm. Johnston ist von dieser Nachricht so überrascht, dass er sich auf eine Reise durch das Land zu den möglichen Müttern macht. Was ich an Jarmuschs Filmen so mag, ist, dass wenig passiert, aber sie so kunstvoll gestaltet sind, dass sie immer noch interessant und irgendwie auch spannend sind. Ich mag Bill Murray, der einen leicht vertrottelten, sich seinem Schicksal ergebenden Don Johnston spielt. Ich mag die Energie seines Nachbarn und besten Freundes Winston gespielt von Jeffrey Wright und ich mag die verschiedenen porträtierten Frauen, dargestellt von tollen Schauspielerinnen wie Sharon Stone und Julie Delpy. Außerdem gefällt mir der subtile Humor im Film. Und wie bei so vielen Werken des Regisseurs bleibt auch hier das Ende offen.

4 von 5 Popcorntüten

 

Diesmal ist sie von den Bewertungen durchwachsener als die letzte Runde. Wie ist es bei euch? Habt ihr einen oder mehrere der oben genannten Filme gesehen? Haben sie euch gefallen? Ich würde mich freuen, von euch zu hören.

 

Buch: Tagebuch eines Buchhändlers

Ich habe den Umschlag des Buchs gesehen und war hin und weg: Eine Buchhandlung in meiner Lieblingsfarbe zu meiner Lieblingstageszeit. Zumindest sieht es so aus, als ob es abends sei. Der Autor Shaun Bythell schreibt ein Jahr lang über den Alltag in seiner Buchhandlung. Wobei, genau genommen, ist es ein Antiquariat, in dem viele Schätze gefunden werden möchten. Am Anfang eines jeden Eintrags steht geschrieben, wie viele Bücher online bestellt wurden. Gleich darauf erfahren wir aber auch, wie viele Shaun und seine Mitarbeiterinnen tatsächlich gefunden haben. Denn eine seiner Angestellten, eine Zeugin Jehovas, hat eine sehr eigene Vorstellung davon, in welche Kategorie das ein oder andere Buch fällt. Am Ende des Tages erfähren die Leser und Leserinnen, wieviel Einnahmen an dem Tag verbucht wurden und wie viele Kunden im Laden waren. (Notiz: Hier benutzt die Übersetzerin Mechthild Barth das generische Maskulinum, weil auch weibliche Personen den Laden betreten haben. Mehr Differenziertheit hätte ich schön gefunden.)

Tagebuch eines Buchhändlers

Cover: btb

Shaun, den Buchhändler oder Antiquar selber, stelle ich mir ein wenig wie Bernard Black aus der Serie Black Books vor. Trockener Humor, sarkastisch, ein wenig verpeilt, manchmal gemein und trotzdem irgendwie liebenswert und lustig. Bythells Art zu schreiben, ist sehr amüsant. Am Anfang eines jeden Monats steht ein Zitat aus dem Buch “Erinnerungen an eine Buchhandlung” von George Orwell aus dem Jahr 1936. Dazu schreibt Bythell, dass sich zwischen damals und heute nicht viel verändert hat. Irgendwie berühigend und alarmierend gleichzeitig.

Ich habe das Buch unheimlich gerne gelesen. Es hat mich ein wenig aus meinem Reading Slump (wie nennt man das auf Deutsch? Leseloch?) rausgeholt. Der längste Tag ist fünf Seiten, der kürzeste eine halbe Seite ungefähr. Perfekt, um langsam wieder ins Lesen einzusteigen.

Shaun Bythell: Tagebuch eines Buchhändlers

Verlag: btb
Erschienen: August 2019
Genre: Roman
Seitenzahl: 446
ISBN: 978-3-44271-865-8
Bindung: Brochiert
Preis: 11,00 €

Was mir besonders gut gefallen hat, war der Einblick in die Zusammenarbeit mit dem Online-Handel. Was für eine große Rolle der Amazonas Riese mittlerweile spielt und wie er mit den Preisen in Ländern wie Großbritannien umgeht, in denen es keine Buchpreisbindung gibt, ist sehr klar zu erkennen.

Bythell beschreibt seinen Laden wie eine Mischung aus sehr kaltem Drecksloch und gemütlichem Shop, in dem es unheimlich viel zu entdecken gibt. Es klingt nach einem tollen Laden, in dem es nach alten Büchern und Holz riecht. An den Regalen vorbeigehen und mit dem Finger über die vielen Buchrücken fahren – ein Traum! Die Sprache ist einfach und schlicht, fast sachlich. Aber nicht lieblos und trocken. Da ich selber in einem Geschäft arbeite und viel mit KundInnen zu tun habe, musste ich sehr oft schmunzeln, wenn er das seltsame Verhalten und die noch seltsameren Fragen mancher Menschen beschreibt.

Mir hat es unheimlich viel Spaß gemacht, das Tagebuch zu lesen. Von mir bekommt es ein lesenswert.

Video auf Englisch

*Rezensionsexemplar